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Medizin
16. Mai 2013

Onkologie im Diskurs

Die "Targeted therapies" rücken das Ideal der personalisierten Krebstherapie immer mehr in den Fokus. Therapiekonzepte, die den Anspruch haben, den Patienten in den Mittelpunkt zu stellen, werfen neue Fragen auf, die im Rahmen eines Workshops - unterstützt vom Tumorzentrum Regensburg und der Firma Roche - für rege Diskussionen sorgten.

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Eine individuelle, auf den einzelnen Patienten abgestimmte Krebstherapie beinhaltet mehr als die Behandlung mit zielgerichteten Substanzen. In klinischen Studien wird die Lebensqualität mittlerweile routinemäßig als klinischer Endpunkt erfasst. Doch wie können diese Lebensqualitätsmessungen direkt verwendet werden, um Defizite nicht nur zu erkennen, sondern auch zu beheben? Die Lebensqualitätsdiagnostik muss in die klinische Routine integriert werden, verdeutlichte Dr. Monika Klinkhammer-Schalke, Regensburg, und sie muss mit etablierten und standardisierten Messinstrumenten gemessen werden. Ein Problem ist, dass es viele schwer vergleichbare Lebensqualitätsfragebögen gibt. Der EORTC-Fragebogen ist gut validiert, sagte Klinkhammer-Schalke. Er enthält 30-40 Items und wird von den Patienten sehr gut angenommen. Die Ergebnisse aus der Lebensqualitätsmessung müssen dann verständlich aufgearbeitet werden. Die Umsetzung der Lebensqualität sollte als Thema in die Tumorkonferenzen eingebracht werden. Offen ist die Problematik der praktischen Umsetzung im niedergelassenen Bereich und die Finanzierung. Die Lebensqualitätsmessung wird nicht vergütet. "Wir brauchen aber eine Vergütung", so Klinkhammer-Schalke. Benötigt werden randomisierte Studien zum Beweis für die Kostenträger. Offen sind auch Randbereiche wie psychologische Unterstützung oder Finanzhilfe für die Patienten.

Ein Thema, mit dem man sich in Zukunft sicher auch mehr beschäftigen muss, ist der verantwortungsvolle Umgang mit den immer knapperen Ressourcen. Das medizinethische Prinzip der Gerechtigkeit, fordert die gleiche Behandlung für alle. Dies ist bei limitierten Ressourcen nicht immer realisierbar, so dass Allokationsregeln generiert werden müssen, wie das Beispiel der Transplantation zeigt, sagte PD Dr. Barbara Dietl, Regensburg. In die Ethik in der Medizin ist auch der Patient mit eingebunden. Seit 01.02.2013 gibt es das Patientenrechtegesetz. Doch sollte es auch Patientenpflichten geben? Im Gegensatz zur athenischen Polis (=Gesellschaft) verfügt Deutschland über ein kostenintensives Krankenversorgungssystem, das immer wieder an seine Grenzen stößt, so dass man sich vielleicht auch fragen muss: Wo steht die Gesellschaft in Zukunft zwischen klassischem Heilauftrag des Arztes und individuellem Willen des Einzelnen und wie gedenkt die Gesellschaft künftig mit vermeidbaren "Volkskrankheiten" bzw. "Gesellschaftskrankheiten" umzugehen?
as

Quelle: Onkologie im Diskurs. Thema 2013: "Anspruch und Wirklichkeit in der Onkologie", Regensburg, 23.02.2013


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