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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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13. Juli 2012

Forscher ebnen den Weg zur effektiven Kombination aus Immun- und Chemotherapie

Unser körpereigenes Immunsystem scheint die Entwicklung und das Fortschreiten von spontanen Tumoren unterdrücken zu können. Diese Fähigkeit zu unterstützen und weiter auszubauen ist Ziel einer Immuntherapie. Forscher am Universitätsspital sowie der Universität Basel wollen die Wirkung der Immuntherapie weiter verstärken, indem sie Wirkstoffe (Chemotherapeutika) einsetzen, die die Schlagkraft der Immunzellen gegen den Krebs steigern. Wenn das Vorhaben gelingt, könnten Ärzte diese Substanzen gezielt mit bereits etablierten Immuntherapien kombinieren und den Patienten in Zukunft effizientere Therapiemöglichkeiten anbieten.

Erste Versuche einer Immuntherapie bei Krebserkrankungen gehen bereits in das 19. Jahrhundert zurück, als William Coley beobachtete, dass sich Tumoren nach der Injektion von Bakterien verkleinerten. Zu den heutigen Strategien der Immuntherapie in der Krebsbekämpfung gehören zum einen Impfstoffe sowie zum anderen die Verabreichung von Antikörpern, die Immunzellen aktivieren beziehungsweise deren Hemmung durch den Krebs spezifisch verhindern. Medizinische Studien haben bei Patienten mit Krebserkrankungen in den vergangenen zwei Jahren für beide Therapiestrategien einen Überlebensvorteil gegenüber der Standardtherapie gezeigt. Darüber hinaus wird unter dieser Form der Immuntherapie bei einem Teil der Patienten das Tumorwachstum dauerhaft gehemmt. Die Wirkung kann über viele Monate oder Jahre anhalten. Modelle mit Maustumoren haben verdeutlicht, dass eine Chemotherapie diese Immunantwort nicht, wie ursprünglich gedacht, hemmt, sondern sogar günstig beeinflussen kann. Somit könnte die Kombination von Immuntherapie mit bestimmten Chemotherapeutika eine sehr vielversprechende Therapieoption darstellen.

Die Forschungsgruppe um Professor Dr. Alfred Zippelius und Dr. Philipp Müller am Basler Universitätsspital konnte in frühen Arbeiten zeigen, dass bestimmte Chemotherapeutika, sogenannte „Mikrotubulus-Inhibitoren“, in der Lage sind, eine bestimmte Gruppe von Immunzellen, die „professionellen antigenpräsentierende Zellen“, zu aktivieren. Nach dem Kontakt mit den Chemotherapeutika verändern diese Zellen ihre Eigenschaften und können nun andere Immunzellen, die spezifischen T-Effektorzellen, gegen den eigenen Krebs effizienter aktivieren.

In einem von der Wilhelm-Sander-Stiftung geförderten Projekt wird die Arbeitsgruppe die Rolle von Mikrotubulus-Inhibitoren auf das Immunsystem genauer untersuchen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Aufklärung des genauen Mechanismus, der im Immunsystem abläuft. Diese Untersuchungen werden mittels verschiedener Tumormodelle in der Maus durchgeführt. Dort analysieren die Forscher die spezifische Reaktion des Immunsystems gegen den Krebs in verschiedenen Geweben – im Tumor selbst sowie den tumordrainierenden Lymphknoten. Hier soll auch die zentrale Frage geklärt werden, ob eine gleichzeitige immuntherapeutische Behandlung durch die Chemotherapeutika verstärkt werden kann. Die Basler Forscher setzen dafür unter anderem auch sogenannte Antikörper-Wirkstoff-Konjugate ein. Es handelt sich dabei um Antikörper, die bestimmte Oberflächenstrukturen von Tumorzellen erkennen und an die ein Wirkstoff gekoppelt ist. Auf diese Art können die Wirkstoffe effizienter an den Tumor gebracht werden.

Darüber hinaus wollen die Forscher untersuchen, ob die in der Maus beobachteten Effekte auf menschliche Immunzellen (professionelle antigenpräsentierende Zellen) übertragbar sind. Dies prüfen sie mit Hilfe von Zellkulturen, in denen sie den Effekt von Mikrotubulus-Inhibitoren auf Immunzellen von Krebspatienten beobachten.

„Die nun von der Wilhelm-Sander-Stiftung unterstützten Experimente sollen einen Beitrag leisten zu unserem Verständnis, wie bestimmte Chemotherapeutika, in diesem Fall, Mikrotubulus-Inhibitoren, die zelluläre Immunantwort gegen den eigenen Tumor bei Krebserkrankungen beeinflussen können. Das übergeordnete Ziel ist hierbei, Synergien bei der gleichzeitigen Gabe einer Immuntherapie zu definieren, um somit für Patienten neue und effizientere onkologische Therapieoptionen zu eröffnen“, fasst Prof. Dr. Zippelius zusammen.

Quelle: Wilhelm Sander-Stiftung
 
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