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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

13. Oktober 2015 Therapie von B-Zell-Lymphomen

Subkutanes Rituximab beim DLBCL: Sicherheit und Wirksamkeit bestätigt

MabThera® (Rituximab, Roche) ist als hoch wirksamer immuntherapeutischer Antikörper in den Standardtherapieprotokollen von CD20-positiven B-Zell-Lymphomen etabliert. Bei der Induktionstherapie des follikulären Lymphoms (FL) und des diffus großzelligen B-Zell-Lymphoms (DLBCL) werden 8 Zyklen Rituximab in Kombination mit einer Chemotherapie gegeben. Patienten mit FL und Therapieansprechen auf die Induktion erhalten anschließend eine Erhaltungstherapie alle 2 Monate über 2 Jahre. Für beide Indikationen ist seit März 2014 EU-weit eine subkutane Galenik von Rituximab zugelassen. Mit der erfolgten Zulassung von Rituximab SC ist die Therapie – bei gleicher Wirksamkeit und Verträglichkeit – für Patienten, Ärzte und medizinisches Personal deutlich vereinfacht. Aktuelle Daten der prospektiven, randomisierten Phase-III-Studie MabEase bestätigen die Effizienz und Sicherheit der subkutanen Applikation auch beim DLBCL.

Die EU-weite Zulassung der subkutanen Formulierung von Rituximab basiert auf den Daten der Phase-III-Studie SABRINA (1). Im Vergleich zur intravenösen Darreichung lassen sich bei Verwendung von Rituximab SC mehrere Abläufe der klinischen Routine optimieren: Da die subkutane Darreichung unabhängig von der Körperoberfläche als Fixdosis verabreicht wird (1.400 mg/11,7 ml), entfällt die Dosisberechnung. Ein Hauptvorteil bei subkutaner Injektion ist die auf etwa 5 Minuten wesentlich verkürzte Applikationsdauer. Zudem ist die Dauer der Nachbeobachtung mit lediglich 15 Minuten gegenüber der Infusionsbehandlung sehr kurz. Den Patienten bleibt hierdurch viel Zeit in der Klinik oder der onkologischen Praxis erspart; Ärzte und Personal werden im Management der Patienten entlastet. Da aufgrund der deutlich verkürzten Liegezeiten die Terminvergabe flexibler erfolgen kann, wird insgesamt mit einem Anstieg der Behandlungskapazitäten gerechnet (Abb. 1).

Abb. 1: Vereinfachte und verkürzte Abläufe bei Anwendung von Rituximab SC führen zu Entlastungen, von denen auch Patienten profitieren können (nach (1, 2)).
Abb. 1: Vereinfachte und verkürzte Abläufe bei Anwendung von Rituximab SC

 

MabEase-Studie bestätigt Vorteile

Vor diesem Hintergrund ist relevant, dass die Sicherheit, die klinische Wirksamkeit sowie anwendungsbezogene Vorteile der subkutanen Darreichung im Rahmen der MabEase-Studie zum DLBCL bestätigt wurden (3). In dieser offenen Phase-IIIb-Studie hatten 576 Patienten mit nicht vorbehandeltem DLBCL nach Randomisierung jeweils bis zu 8 Zyklen Rituximab SC als Fixdosis (1.400 mg) oder Rituximab i.v. (375 mg/m2) erhalten (jeweils plus CHOP). Dabei zeigten sich die beiden Darreichungen des Anti-CD20-Antikörpers in Bezug auf alle untersuchten Endpunkte vergleichbar. Das Therapieansprechen war mit EOT- (End-of-treatment)-Raten (CR/CRu) von 52% für Rituximab SC vs. 51% für Rituximab i.v. quasi identisch. Die Vergleichbarkeit war bei getrennter Auswertung nach Altersgruppen gegeben (≥ 60 vs. < 60 Jahre, Tab. 1). Zwischen den Studienarmen wurden keine signifikanten Unterschiede beim Sicherheitsprofil festgestellt und es wurden keine neuen Sicherheitssignale detektiert. Bei den anwendungsbezogenen Aspekten haben sich Vorteile wie u.a. die verkürzte Applikationsdauer nach Befragungen von Patienten bestätigt: Im Studienarm mit Rituximab SC war die Zufriedenheit mit der Therapie höher und es wurden günstigere Auswirkungen der Therapie auf den Alltag berichtet.

Tab. 1: Ansprechraten aus der MabEase-Studie zum Zeitpunkt EOT (stratifiziert nach dem Alter) (nach (3)).
Tab. 1: Ansprechraten aus der MabEase-Studie zum Zeitpunkt EOT

 


Subkutanes Rituximab: Auf dem Weg zum Therapiestandard


Holger HebartInterview mit Prof. Dr. Holger Hebart, Schwäbisch Gmünd.


Bei vergleichbarer Sicherheit und Wirksamkeit wird sich die subkutane Gabe von Rituximab gegenüber der Infusionstherapie aufgrund praktischer Vorteile durchsetzen, erwartet Prof. Dr. Holger Hebart, Chefarzt des Zentrums für Innere Medizin, Stauferklinikum Schwäbisch Gmünd.


JOURNAL ONKOLOGIE: Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Einsatz von Rituximab SC im Klinikalltag?

Hebart: Die Erfahrungen sind bislang sehr gut. Wir erhalten von unseren Patienten positive Resonanz, was wesentlich durch die kurze Applikationsdauer und die dadurch kurzen Klinikaufenthalte begründet ist. Nach unseren bisherigen Erfahrungen wird die subkutane Darreichung von den Patienten auch gut toleriert.


JOURNAL ONKOLOGIE: Wo sehen Sie die größten Vorteile für Patienten?

Hebart: Den größten Vorteil aus Patientensicht sehe ich in erster Linie im Rahmen einer Erhaltungstherapie. Bei einer Therapie alle 2 Monate über 2 Jahre kommt weniger Zeit, die in der Klinik verbracht wird, deutlich zum Tragen. Für berufstätige Patienten bedeutet es einen erheblichen Unterschied, ob sie einen kompletten Vormittag bei uns sind oder ob sie lediglich für eine halbe Stunde kommen müssen. Wir merken schon, dass die Zeit im Therapiestuhl Patienten auf Dauer belastet. Durch die kurze Applikation gewinnen Patienten und Kliniken bzw. Praxen am Therapietag außerdem eine gewisse zeitliche Flexibilität.


JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Veränderung hat die subkutane Applikation für den klinischen Alltag von Ärzten und Pflegepersonal gebracht?

Hebart: Hier existiert ein Potenzial für eine deutliche Optimierung der Abläufe im medizinischen Alltag. Für die Applikation wird kein intravenöser Zugang benötigt, das Infusionsmanagement durch das medizinische Personal entfällt und der Dokumentationsaufwand ist geringer. Zudem kann die Applikation unabhängig von der Belegung von Infusionsstühlen erfolgen.


JOURNAL ONKOLOGIE: Auf dem EHA sind Daten der Studie MabEase vorgestellt worden. Was war das Ziel dieser Phase-IIIB-Studie und was konnte gezeigt werden?

Hebart: In der Studie wurden die Effektivität und Sicherheit von subkutanem und intravenösem Rituximab bei Patienten mit DLBCL in einem randomisierten offenen Design verglichen (3). Dabei wurde für beide Darreichungen ein im Wesentlichen identisches Nebenwirkungsprofil gefunden. Ausgenommen sind die mit der subkutanen Gabe häufiger beobachteten überwiegend gering ausgeprägten Lokalreaktionen. Die Ansprechraten waren quasi identisch, sodass beide Darreichungen in Bezug auf ihre Sicherheit und Wirksamkeit als vergleichbar eingestuft werden konnten.


JOURNAL ONKOLOGIE: Wie beurteilen Sie die Ergebnisse zum DLBCL in Bezug auf den Patientennutzen?

Hebart: Die subkutane Applikation bedeutet vor allem Zeitersparnis und einen verbesserten Komfort. Ich halte das für relevant, weil die Patienten im Rahmen einer solchen Therapie viel Zeit beim Therapeuten verbringen müssen. Da ist es einfach ein Vorteil, wenn die R-CHOP-Therapie komprimiert an einem Tag problemlos und in kürzerer Zeit durchgeführt werden kann.


JOURNAL ONKOLOGIE: Vor dem Hintergrund der Studiendaten und Ihren Erfahrungswerten: Wie ordnen Sie diese Option für die Behandlung von FL- und DLBCL-Patienten ein?

Hebart: Ich halte die subkutane Applikation von Rituximab durch geschultes Personal für eine sehr gute, sichere Therapieoption. Das wird auch durch ein aktuell vorgestelltes Daten-Update der SABRINA-Studie zur Sicherheit der beiden Darreichungen bestätigt (4). Dieses zeigte eine identische Sicherheit auch im Rahmen der Erhaltungstherapie beim FL. Da die neue Darreichung aus den genannten Gründen für Patienten einen Gewinn bedeutet, wird sie in der Mehrzahl präferiert. Es zeigt sich, dass Patienten, die mit der subkutanen Darreichung behandelt werden, bei dieser Applikationsform bleiben. Deshalb wird sich die subkutane Gabe von Rituximab aus meiner Sicht zum Standard entwickeln. Innerhalb der zugelassenen Indikationen wird man das in Kliniken und Praxen konsequent umsetzen.


Vielen Dank für das Gespräch!


Mit freundlicher Unterstützung der Roche Pharma AG

Literatur:

(1) Davies A, et al. Lancet Oncol 2014; 15(3): 343-352.
(2) Rummel M, et al. EHA 2014; Abstract #P467.
(3) Lugtenburg P, et al. Oral Presentation, 20th EHA Vienna, 2015, Abstract: S483.
(4) Davies A, et al. EHA 2015; Poster #p687.


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