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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

29. Februar 2004 Neue Ära in der Darmkrebstherapie:
EGFR-Antikörper durchbricht Chemo-Resistenz

Nur ein Drittel aller kolorektalen Karzinome sind zum Zeitpunkt der Diagnosestellung lokal begrenzt. Im metastasierenden Stadium gab es bislang nach dem Versagen der etablierten Standardchemotherapieoptionen keine weitere Möglichkeit, das Tumorwachstum aufzuhalten. Mit der Verfügbarkeit von Cetuximab, einem monoklonalen, gegen den epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor (EGFR) gerichteten Antikörper, ändert sich das: Kombiniert mit Irinotecan erzielte Cetuximab auch nach Versagen einer Irinotecan-haltigen Chemotherapie in über der Hälfte der Fälle eine Remission oder Stabilisierung der Erkrankung, so die Ergebnisse der multizentrischen BOND-Studie (Bowel Oncology with Cetuximab ANtiboDy).
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Durchschnittlich 4,1 Monate konnte die Krankheitsprogression bei den 218 Patienten der BOND-Studie, die eine Kombination aus Cetuximab und Irinotecan erhalten hatten, hinaus gezögert werden. Die Ansprechrate (ORR) lag bei 23%, bei weiteren 33% wurde das Tumorwachstum zum Stillstand gebracht. Somit profitierten über die Hälfte der Patienten von der Kombinationsbehandlung, obwohl bei allen Patienten eine progrediente Tumorerkrankung unter Irinotecan dokumentiert worden war. Die zweiarmige BOND-Studie wurde in elf europäischen Ländern mit 57 Kliniken an mehr als 300 Patienten mit fortgeschrittenem, metastasiertem Darmkrebs durchgeführt.
Die eidgenössischen Behörden reagierten am schnellsten auf diese Ergebnisse: Seit Dezember 2003 ist Cetuximab unter dem Markennamen Erbitux® in Kombination mit Irinotecan für die Behandlung von Patienten mit EGFR-exprimierendem, metastasiertem, kolorektalem Krebs nach Versagen einer Irinotecan-haltigen Chemotherapie in der Schweiz zugelassen. In Deutschland wird die Zulassung Mitte dieses Jahres erwartet.
Rund 80% aller fortgeschrittenen Kolorektalkarzinome sind EGFR-positiv. Zudem gilt die EGFR-Überexpression als negativer prognostischer Faktor. Für diese Patienten stellt die Kombinationsbehandlung mit Erbitux® eine hochwirksame neue Therapiemöglichkeit dar. Die Antikörperbehandlung ist gut verträglich, die häufigste Nebenwirkung ist ein akne-ähnlicher Hautausschlag. Je stärker der Hautausschlag, desto effektiver die Therapie. Im Rahmen der BOND-Studie korrelierten stärkere Hautreaktionen mit häufigerem Ansprechen und längeren Überlebenszeiten.
Die Wirksamkeit von Cetuximab ist nicht auf Kolorektalkarzinome beschränkt. Die synergistische Wirkung des EGFR-Antikörpers in Kombination mit einer Chemotherapie ist auch beim nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom und bei Kopf-Hals-Tumoren klinisch belegt. In der Lucas-Studie (LUng CAncer Cetuximab Study) wurde gezeigt: Die 1st-Line-Therapie mit Cetuximab, Cisplatin und Vinorelbin führte bei 90% aller Patienten zu einer Remission oder Krankheitsstabilisierung. Betrug die objektive Ansprechrate unter der alleinigen Chemotherapie 32%, so wurde im Kombinationsarm mit Cetuximab bei 53% aller Patienten ein objektives Ansprechen beobachtet.
Theoretisch wirkt Erbitux® bei allen Tumoren, die den epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor (EGFR) exprimieren. Der monoklonale Antikörper blockiert den EGFR, indem er zehnmal so stark an den Rezeptor bindet wie die körpereigenen Wachstumsfaktoren. Damit verhindert Erbitux® deren Bindung an den EGF-Rezeptor und unterbricht die Signalwege für Wachstum und Zellteilung. Gleichzeitig aktiviert der Antikörper den intrazellulären Abbau der Rezeptoren. Erbitux® hemmt zudem die Neo-Angiogenese der Krebszellen und verstärkt die apoptotische Wirkung der klassischen Chemo- und Strahlentherapie.

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