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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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25. Januar 2019

Enzalutamid für das Hochrisiko-nmCRPC zugelassen

Das Prostatakarzinom ist für Männer das häufigste Karzinom und die zweithäufigste Krebstodesursache. Trotz einer Vielzahl an Therapieoptionen in verschiedenen Krankheitsstadien stand für Hochrisiko-Patienten mit nicht metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom (nmCRPC) bisher keine zufriedenstellende Therapie zur Verfügung. Erst mit dem Nachweis von Fernmetastasen konnte eine Behandlung begonnen werden. Das hat sich mit der Zulassungserweiterung für Enzalutamid (Xtandi™*) nun geändert – die Therapielücke kann nun geschlossen werden.
Allein in Deutschland wird jährlich bei 60.000 Männern ein Prostatakarzinom diagnostiziert, bei einem mittleren Erkrankungsalter von 70,9 Jahren. Etwa 13.000 Männer sterben pro Jahr daran. Die Therapie des Prostatakarzinoms orientiert sich am Krankheitsverlauf (Abb. 1). In der kastrationsresistenten Situation schreitet die Erkrankung schnell voran und der Behandlungsbedarf ist hoch. Trotz einer Vielzahl von Behandlungsoptionen stand für Patienten mit einem kastrationsresistenten, aber (noch) nicht metastasierten Prostatakarzinom bei Progress unter Androgenentzugstherapie (ADT) keine weitere Therapie zur Verfügung. Eine Situation, die nur schwer für Patient und Arzt zu bewältigen war.
 
Abb. 1: Enzalutamid und ADT: Effektive Tumorkontrolle in der Therapie von Prostatakarzinom-Patienten.
Abb. 1: Enzalutamid und ADT: Effektive Tumorkontrolle in der Therapie von Prostatakarzinom-Patienten.



Enzalutamid schließt Lücke in der Therapie des CRPC

Enzalutamid, ein Inhibitor des Androgenrezeptor-Signalwegs, überzeugte bislang beim metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC) vor und nach einer Chemotherapie*, wie die Zulassungsstudie AFFIRM- (1) und die PREVAIL-Studie (2, 3) zeigten. Seit Oktober 2018 kann Enzalutamid die Lücke in der Therapie des kastrationsrestistenen Prostatakarzinoms schließen: Mit der Zulassungserweiterung für Enzalutamid ist nun ein Start im nicht metastasierten CRPC-Stadium bei Versagen der ADT möglich: Voraussetzung ist das Vorliegen eines Hochrisiko-nmCRPC, welches mit einem hohen Risiko für Metastasierung und Tod (4) verbunden ist, betonte Dr. Jörg Klier, Köln. Das Hochrisiko-nmCRPC ist durch eine rasche PSA-Verdoppelungszeit (≤ 10 Monate, PSA ≥ 2 ng/ml) definiert und charakterisiert, ohne dass Fernmetastasen in der Bildgebung nachweisbar sind.

Die Zulassung von Enzalutamid als Erstliniententherapie sowohl beim Hochrisiko-nmCRPC als auch beim asymptomatischen/mild symptomatischen mCRPC (5) ermöglicht eine effektive Tumorkontrolle des kastrations-resistenten Prostatakarzinoms direkt bei Feststellung eines Progresses unter ADT, unabhängig vom Ergebnis der Bildgebung – das weitere Voranschreiten der Erkrankung, insbesondere die Metastasierung, kann hinausgezögert und damit wertvolle Zeit für den Patienten gewonnen werden, so Prof. Dr. Axel S. Merseburger, Lübeck.


3 Jahre effektive Tumorkontrolle gemessen an MFS

Nachgewiesen wurde der günstige Effekt von Enzalutamid beim Hochrisiko-nmCRPC in der PROSPER-Studie, die die Basis für die Zulassungserweiterung bildete (6). In die doppelblinde, Placebo-kontrollierte Phase-III-Studie wurden 1.401 Männer mit nmCRPC mit einem biochemischen Progress trotz einer Testosteronkonzentration im Kastrationsbereich (≤ 50 ng/dl), einer PSA-Verdopplungszeit ≤ 10 Monate und PSA ≥ 2 eingeschlossen und 2:1 zu Enzalutamid oder Placebo, jeweils in Kombination mit einer ADT, randomisiert. Primärer Endpunkt war das metastasenfreie Überleben (MFS), definiert als Zeit von der Randomisierung bis zum radiologischen Progress oder Tod während der Behandlung und bis 112 Tage nach Behandlungsende. Das MFS war unter Enzalutamid 22 Monate länger als unter Placebo, entsprechend einer relativen Risikoreduktion (RR) von radiologischem Progress oder Tod um 71% (36,6 vs. 14,7 Monate; HR=0,29; p<0,0001) (Abb. 2). Das bedeutet eine Krankheitsstabilität von 3 Jahren. „Das hat uns alle überrascht“, kommentierte Klier das Ergebnis. Auch die sekundären Endpunkte sprechen für den frühen Einsatz von Enzalutamid: So war die mediane Zeit bis zur PSA-Progression rund 33 Monate länger als unter Placebo (37,2 vs. 3,9 Monate; HR=0,07; p<0,0001; RR=93%), ein hochsignifikanter Unterschied. Die mediane Zeit bis zur Notwendigkeit einer neuen antineoplastischen Therapie war um etwa 22 Monate länger (39,6 vs. 17,7 Monate; HR=0,21; p<0,0001) als unter Placebo (RR=79%). Zum Gesamtüberleben gibt es eine erste Interimsanalyse mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 22 Monaten in beiden Behandlungsarmen. Danach war das relative Sterberisiko unter Enzalutamid um 20% gegenüber Placebo gesenkt.
 
Abb. 2: PROSPER-Studie: Metastasenfreies Überleben (MFS). Unter Enzalutamid leben Patienten mit Hochrisiko-nmCRPC im Median 22 Monate länger ohne Metastasen als unter Placebo. Der Progress der Erkrankung wird verlangsamt. NE=Nicht erreicht
Abb. 2: PROSPER-Studie: Metastasenfreies Überleben (MFS). Unter Enzalutamid leben Patienten mit Hochrisiko-nmCRPC im Median 22 Monate länger ohne Metastasen als unter Placebo. Der Progress der Erkrankung wird verlangsamt.



Gute Verträglichkeit

In der PROSPER-Studie hat sich das bereits bekannte, gute Verträglichkeitsprofil von Enzalutamid bestätigt (typische Nebenwirkungen: Hypertonie, Fatigue, Frakturen). Das Management der Hypertonie ist laut Klier unproblematisch. Auch das kardio-vaskuläre Risiko ist unter Enzalutamid nicht erhöht. Das günstige Nebenwirkungsprofil erlaubt den Einsatz gerade auch bei älteren Patienten. Die Therapie solle letztlich individuell auf den Patienten abgestimmt und ggf. ein geriatrisches Assessment durchgeführt werden, so Prof. Dr. Theodor Klotz, Weiden.


Was zählt, ist die Lebensqualität

Klotz betonte die gute Lebensqualität der Patienten unter Enzalutamid. In der palliativen Situation, wie sie bei Patienten mit nmCRPC besteht, sei die Lebensqualität eine der wichtigsten Fragen bei der Entscheidung für oder gegen eine Therapie. Gerade auch bei Patienten mit Komorbiditäten wie Diabetes mellitus, kardialen Erkrankungen oder Leberfunktionsstörungen, bei denen das Prostatakarzinom nicht im Vordergrund steht. „Bei Komorbiditäten ist Enzalutamid die bevorzugte Wahl“, so Klotz. Er verwies auf die Daten zur Lebensqualität in der PROSPER-Studie. In der longitudinalen Analyse des FACT-P (Functional Assessment of Cancer Therapy Prostate)-Fragebogens zeigte sich in beiden Behandlungsarmen eine gute gesundheitsbezogene Lebensqualität, die während des Behandlungszeitraums lange aufrechterhalten werden konnte. Wie erwartet, hatten die Patienten im Laufe der Zeit einen Rückgang des Punkte-Scores. Die Rate des Rückgangs war unter Enzalutamid gegenüber Placebo signifikant langsamer. Der Patient habe die Chance auf eine längere Lebenszeit bei guter Lebensqualität. Die Durchführung der Therapie ist einfach und für den Arzt gut steuerbar. Der Wirkstoff steht oral zur Verfügung. Die Tagesdosis liegt bei 4 Filmtabletten à 40 mg. Der Patient muss nicht nüchtern sein und eine begleitende Kortisontherapie ist ebenfalls nicht erforderlich.

5-jähriges Jubiläum – umfangreiche Erfahrungswerte

Seit der Einführung im September 2013 wurden rund 30.000 Prostatakarzinom-Patienten in Deutschland mit Enzalutamid behandelt. Enzalutamid ist eine bewährte und auch von der S3-Leitlinie empfohlene Therapieoption der Wahl für die Erstlinientherapie des asymptomatischen/mild symptomatischen mCRPC. Mit der Zulassungserweiterung für Hochrisiko-nmCRPC können nun weitere Patienten von einer effektiven Tumorkontrolle profitieren und erhalten damit die Chance, länger bei guter Lebenqualität trotz Krebserkrankung zu leben.


Mit freundlicher Unterstützung von Astellas Pharma GmbH


Dieser Medizin-Report ist Teil einer Anzeige, die Pflichtangaben nach dem Heilmittelwerbegesetz (HWG) finden Sie hier.



* Enzalutamid ist angezeigt:
- zur Behandlung erwachsener Männer mit nicht metastasiertem kastrationsresistenten Hochrisiko-Prostatakarzinom.
- zur Behandlung erwachsener Männer mit metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom mit asymptomatischem oder mild symptomatischem Verlauf nach Versagen der Androgen-entzugstherapie, bei denen eine Chemotherapie klinisch noch nicht indiziert ist.
- zur Behandlung erwachsener Männer mit metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom, deren Erkrankung während oder nach einer Chemotherapie mit Docetaxel fortschreitet.
Dr. rer. nat. Beate Fessler
Quelle: MEDialog Prostatakrebs: Enzalutamid – vom ersten Patienten zur aktuellen Indikationserweiterung Hochrisiko-nmCRPC, 19.11.2018, München
Literatur:
(1) Scher HI et al. N Engl J Med 2012;367:1187-97.
(2) Beer TM et al. Eur Urol 2017;71:-151-54.
(3) Beer TM et al. N Engl J Med 2014;371:424-33.
(4) Smith M et al. Lancet 2012;379:39-46.
(5) Fachinformationen XtandiTM, Stand Okt. 2018.
(6) Hussain M et al. N Engl J Med 2018;378-2465-74.
(7) Moreira R et al. J Clin Oncol 34, 2016 (suppl 2S; abstr (and poster) 73).
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