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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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12. Dezember 2013

Akute myeloische Leukämie (AML): Aktuelle Therapiemöglichkeiten

Interview mit Prof. Dr. Christian Junghanß, Klinik für Innere Medizin III Universitätsmedizin Rostock.

Die Akute myeloische Leukämie (AML) ist eine der häufigsten Leukämieformen bei Erwachsenen. Während Patienten, die für eine intensive Chemotherapie in Frage kommen, eine Chance auf Kuration haben, ist die Prognose vor allem älterer Patienten, die dafür nicht geeignet sind, vergleichsweise schlecht. Prof. Dr. Christian Junghanß aus Rostock erläutert in einem Interview, wie sich durch die Zulassung der hypomethylierenden Substanz Decitabin die Therapierealität für ältere Patienten mit AML verändert hat.

 

JOURNAL ONKOLOGIE: Herr Prof. Junghanß, welche zugelassenen Behandlungsoptionen gibt es derzeit für Patienten mit AML?

Junghanß: Patienten mit AML, die für eine intensive Chemotherapie geeignet sind, erhalten zunächst eine Induktionschemotherapie. Daran schließt sich eine Konsolidierungstherapie zum Erhalt der erreichten Remission an, die - abhängig vom Allgemeinzustand des Patienten - mit einer intensiven Chemotherapie oder einer allogenen Blutstammzelltransplantation erfolgen kann. Wenn der Patient für eine intensive Chemotherapie nicht geeignet ist, kommt eine Supportivtherapie - allein oder in Kombination mit einer milden Chemotherapie - in Frage. Zielsetzung der Supportivtherapie ist nicht die Verlängerung der Überlebenszeit, sondern das Erreichen einer bestmöglichen Lebensqualität. In dieser Behandlungssituation kommt beispielsweise eine reine Transfusionstherapie mit Blutprodukten zum Einsatz. Das Ziel einer Lebenszeitverlängerung bei gleichzeitig guter Verträglichkeit haben niedrig dosiertes Cytarabin sowie die hypomethylierenden Substanzen Decitabin und 5-Azacytidin.

JOURNAL ONKOLOGIE: Wie sieht heute die Prognose von älteren Patienten (> 65 Jahre) mit AML aus?

Junghanß: Die Prognose von älteren Patienten mit AML ist leider deutlich schlechter, als das bei jüngeren Patienten der Fall ist. Bei jüngeren Patienten können wir intensive Chemotherapien applizieren, eventuell in Kombination mit Stammzelltransplantation, was zu Heilungsraten im Idealfall in einer Größenordnung von 60% bis evtl. 70% führt. Bei älteren Patienten haben wir leider eine Anhäufung von schlechten Prognosefaktoren wie z.B. der Zytogenetik. Da kann man häufig mit einer normalen Chemotherapie nur bei 10-20% der Patienten vielleicht eine Heilung erreichen, sofern der Patient für diese Therapie überhaupt in Frage kommt. Viele der älteren Patienten qualifizieren sich gar nicht für eine intensive Chemotherapie. Das mittlere Überleben ist dann in einer Größenordnung von Monaten, vielleicht 1-2 Jahren anzusiedeln.

JOURNAL ONKOLOGIE: Wie sollten ältere Patienten mit AML Ihrer Ansicht nach behandelt werden?

Junghanß: Zu beachten ist, dass sich die Therapieentscheidung nicht am tatsächlichen, sondern am biologischen Alter der Patienten orientieren muss. Es gibt viele ältere Patienten, die durch eine gesunde Lebensführung und aufgrund von fehlenden Begleiterkrankungen so fit sind, dass sie durchaus genauso intensiv behandelt werden können wie jüngere Patienten. Daneben gibt es allerdings auch 50-Jährige, die sich wie 80-Jährige präsentieren. Daher ist es wichtig, genau auf die individuellen Risikofaktoren zu achten. Sollte z.B. ein Patient im Vorfeld bereits eine Chemotherapie wegen einer anderen Erkrankung erhalten haben oder aufgrund eines myelodysplastischen Syndroms polytransfundiert worden sein, ist oftmals die Verträglichkeit folgender Therapien beeinträchtigt.

JOURNAL ONKOLOGIE: Inwieweit hat das im vergangenen Jahr zugelassene Decitabin einen Fortschritt für die Therapie der AML gebracht?

Junghanß: Decitabin ist aus meiner Sicht für die Therapie von Patienten ab 65 Jahren mit AML, die nicht für eine intensive Chemotherapie qualifiziert sind, ein großer Fortschritt. Erstmals haben wir ein Medikament für Patienten, die nicht für eine Standardinduktionstherapie in Frage kommen und einen Blastenanteil von mehr als 30% aufweisen. Es hat ein gut untersuchtes Nebenwirkungsprofil und bietet einen Überlebensvorteil von im Median 2,7 Monaten gegenüber niedrig dosiertem Cytarabin oder einer supportiven Behandlung. Die Therapie kann in der Regel ambulant vorgenommen werden, was für die Betroffenen sehr wichtig ist.

JOURNAL ONKOLOGIE: Eine aktuelle Untersuchung hat gezeigt, dass die Transfusionsabhängigkeit unter Decitabin abnehmen kann. Wie schätzen Sie diesen Aspekt aus Patientensicht ein?

Junghanß: Dies ist ein interessanter Aspekt und verringert gegebenenfalls das Risiko transfusionsassoziierter Nebenwirkungen wie z.B. das der Eisenüberladung. Wichtiger erscheint mir allerdings, dass der Patient - sollten sich die Daten bestätigen - weniger Zeit wegen Transfusionen bei seinen behandelnden Onkologen verbringen muss.

JOURNAL ONKOLOGIE: Hat sich durch die Zulassung von Decitabin die Therapierealität für ältere Patienten mit AML verändert?

Junghanß:
Ich denke, es gibt auf jeden Fall einen Shift von dem alten Standard, der niedrig-dosiertes Cytosin-Arabinosid war, hin zu einer Therapie mit 20 mg/m2 KOF Decitabin, das man an 5 aufeinanderfolgenden Tagen regelmäßig alle 28 Tage applizieren kann, und mit dem wir eine bessere Langzeit-Überlebensrate der Patienten erreichen können. Wichtig für den Behandler ist auch, dass er sich nicht davon irritieren lässt, ob noch Blasten nachweisbar sind oder nicht. Das Ansprechen kann häufig erst nach 3 oder 4 Kursen beurteilt werden, und man muss hier in der Regel in aller Ruhe weiter therapieren und sich genügend Zeit geben, um dann zu beurteilen, ob die Krankheit stabilisiert werden kann. Während wir bei den Induktionstherapien eine Blastenfreiheit erwarten dürfen, können wir hier nicht davon ausgehen. Vielmehr ist eine Verlängerung der Lebenserwartung und auch eine Verbesserung der Lebensqualität für diese Patienten zu erwarten.

Vielen Dank für das Gespräch!

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