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Medizin
15. Mai 2013

Gewinnorientierung der Krankenhäuser: Zu viele OPs auch bei Prostatakrebs?

Die MONITOR-Journalistin, Sonia Mikich, traf einen Nerv: Sie schilderte in dem Buch "Enteignet" ihr Martyrium als Opfer eines Gesundheitssystems, in dem zu viele unnötige Untersuchungen und Operationen durchgeführt werden. Nicht medizinische Notwendigkeit oder Patientenwohl seien ausschlaggebend für eine Therapieentscheidung, sondern der Profitdruck, unter dem Ärzte und Kliniken in diesem System stünden. Patienten würden oft nicht ausreichend über konservative Heilmethoden aufgeklärt, stattdessen übereilt in die Chirurgie überwiesen - denn mit Operationen ist mehr Geld zu verdienen.

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Dieses Szenario beobachtet die Stiftung Männergesundheit seit geraumer Zeit mit Sorge, denn auch bei Prostatakrebs werden, so die Einschätzung der Experten, unnötige Operationen durchgeführt. "Prostatakrebs trifft in der Regel ältere Männer, schreitet oft nur langsam voran und stellt daher selten eine tödliche Bedrohung für die Betroffenen dar. Abwarten und engmaschig beobachten, ist daher für viele Patienten die bessere Option, zumal Impotenz und Inkontinenz häufige Folgen der OP bzw. Bestrahlung sind - behandelte Patienten also deutlich an Lebensqualität einbüßen", erklärt Prof. Dr. med. Lothar Weißbach, Wissenschaftlicher Vorstand der Stiftung Männergesundheit. "Die Vermutung liegt nahe, dass auch hier ökonomische Gründe die Therapieentscheidung beeinflussen."

Denn besonders bei den älteren und sehr alten Männern ist die Zahl der Prostataentfernungen bedenklich gestiegen: bei den 70-74-Jährigen von 36,8/10.000 Männer in 2009 auf 40,4/10.000 Männer in 2011 (1). Bei den 80-84-Jährigen hat sich die Rate in den zwei Jahren zwischen 2009 und 2011 sogar mehr als verdoppelt, von 0,7/10.000 auf 1,6/10.000 Männer (1).

Bereits 2008 initiierte die Stiftung Männergesundheit mit Unterstützung des Unternehmens gazprom Germania die erste große urologische Versorgungsstudie zum Prostatakarzinom im deutschsprachigen Raum (HAROW-Studie). Diese Erhebung erfasst neben der Versorgungssituation auch Parameter der Lebensqualität und der Ökonomie. Die Ergebnisse der Studie, die im Frühjahr 2014 vorliegen werden, erlauben nicht nur, die gewählten Therapiewege quantitativ auszuwerten, sondern sie auch qualitativ zu beurteilen.

"Die Studie wird viele Fragen beantworten und Licht in das Dunkel der Versorgungspraxis bringen, die immer noch viel zu weit von den Empfehlungen der Leitlinie entfernt ist", so Weißbach.

Literaturhinweis:
(1) http://de.statista.com/statistik/daten/studie/238279/umfrage/anzahl-der-prostataektomien-bei-barmer-gek-versicherten-nach-alter/ 

Quelle: Stiftung Männergesundheit


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