Mittwoch, 19. Juni 2019
Navigation öffnen

Überblick über das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom (NSCLC)

© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Nichtkleinzellige Lungenkarzinome (NSCLC, non small cell lung cancer) machen drei Viertel aller Bronchialkarzinome aus (Für das SCLC, small cell lung cancer, bitte hier klicken).

Symptome sind meist ein nicht zu stillender Husten, auch mit blutigem Auswurf, Heiserkeit, Schmerzen in der Brust, Gewichtsabnahme.

Man differenziert NSCLC nach sowohl histologischen wie auch molekularbiologischen Parametern. Die Klassifikation erfolgt in Abhängigkeit von der Tumorgröße, Lokalisation, Lymphknoten- und Fernmetastasierung nach der TNM-Klassifikation sowie den UICC-7-Kriterien. Das Rauchen, auch Passivrauchen, ist der wichtigste Risikofaktor. Metastasen bilden sich hauptsächlich in Leber, ZNS, Nebennieren sowie ossär.

Histologisch werden NSCLC nach der WHO/IARC-Klassifikation in Plattenepithelkarzinome, Adenokarzinome, großzellige Karzinome, Karzinoide (die heute zu den neuroendokrinen Tumoren, NET gezählt werden) und seltenere Sonderformen (z. B. Pancoast-Tumor, hier klicken) unterteilt.

Die Diagnostik beinhaltet neben der Anamnese (Vorerkrankungen) und körperlichen Untersuchung (Lungenfunktionstest, Blutbild, Leberwerte, Blutgasanalyse, Elektrolyte) zunächst die Lokalisation und das Ausmaß des Primärtumor-Geschehens sowie das Auffinden oder Ausschließen von Metastasen (Röntgen-Thorax, CT Abdomen, Bronchoskopie, Mediastinoskopie).

Genetisches Tumorprofil: 15-25% der Adenokarzinom-Patienten mit NSCLC haben eine KRAS-Mutation, bei 15% aller NSCLC-Formen ist der EGFR-Rezeptor mutiert: Vor allem bei Frauen, Asiaten sowie Nichtrauchern sind die beiden häufigsten Mutationen des EGFR-Rezeptors zu finden, Del19 und L858R. Ein kleiner Prozentsatz der NSCLC-Patienten weist eine ALK-Mutation auf, auch 2% BRAF-Mutationen (80% davon BRAF-V600E) sowie 1-2% HER2-Mutationen kommen vor. Hier existieren größtenteils bereits Target-Therapien (Gefitinib und Erlotinib gegen den EGFR-Rezeptor, Crizotinib und Ceritinib bei ALK-Mutation) sowie immunonkologische Therapien (anti-PD-1-Antikörper Pembrolizumab, Nivolumab), deren Wirksamkeit als Kombinationspartner in Studien geprüft wird, um noch bessere Überlebensvorteile für die Patienten zu erzielen.

Die Therapie hängt vom Tumorstadium, Subgruppe und dem Therapieziel (kurativ, palliativ) ab:

Mit dem Protein MTSS1 wurde ein Biomarker gefunden, der schon in den frühen Stadien 1 und 2 Aussagen zur Aggressivität des Tumors machen kann.

Nach dem Staging wird die Operabilität geprüft: wenn die Lungenfunktion (FEV1-Wert) und Diffusionskapazität über 80% des Solls liegt, kann eine Pneumonektomie erfolgen. 

Im frühen Stadium I/II und bei einem T3 N1 M0-Tumor wird ein kurativer Ansatz verfolgt, hier ist eine Lobektomie einschließlich systematischer Dissektion von ipsilateralen Lymphknoten und evtl. eine Pneumektomie oder in ausgewählten Fällen auch eine Manschettenresektion das Standardverfahren.

Bei NSCLC-Patienten mit multiplen Metastasen im Stadium IV erfolgt hingegen im palliativen Setting eine systemische Therapie in Abhängigkeit von zugrundliegenden Mutationen (EGFR-Mutation oder EGFR-Wildtyp) und der Histologie (Plattenepithel- oder Nicht-Plattenepithelkarzinom) sowie dem Allgemeinzustand des Patienten zur Wahl der Chemotherapie. Die palliative Therapie orientiert sich an der Linderung symptomatischer Beschwerden (Pleuraerguss, Metastasen, Knochenschmerzen).

Da das NSCLC eine der häufigsten krebsbedingten Todesursachen darstellt (häufigste Krebstodesursache bei Männern, dritthäufigste bei Frauen), werden optimale Therapiestrategien bei Lungenkrebs umso wichtiger.

Die European Lung Cancer Conference (ELCC) tagt jährlich, weitere internationale Kongresse sind das World NSCLC Summit und der European Rhinologic Society Congress (http://www.europeanrhinologicsociety.org/wp-content/uploads/2014/05/Flyer-ERS-2016.pdf ) sowie für den deutschen Raum der Jahreskongress der DGP (http://www1.pneumologie.de)

Aktuelle Fachartikel und neueste Studienergebnisse zum NSCLC sowie anderen Lungenkarzinom-Entitäten finden Sie bei www.journalonko.de.

Literatur:

Therapiealgorithmen Onkologie 2014 (NSCLC 12.2, 12.6)

Registrieren Sie sich jetzt und nutzen Sie
das gesamte Angebot unserer Plattform

Jetzt registrieren
Anzeige:

News

ASCO-Highlights: Tumorzelleigenschaften und onkogene Subgruppen rücken weiter in den Fokus

Das Motto des diesjährigen amerikanischen Krebskongresses ASCO lautete „Caring for every patient, learning from every patient“. Alle Patienten sollen Zugang zu einer State-of-the-Art-Diagnostik und Therapie erhalten und gleichzeitig soll jeder Patient zu neuen Erkenntnissen der klinischen Forschung beitragen. „Treibermutationen gezielt zu adressieren und die Immuntoleranz mittels PD-1/-L1-Inhibitoren zu durchbrechen, sind 2 Grundpfeiler einer biologisch rationalen...

NSCLC: Längeres PFS unter Alectinib als unter Crizotinib

Die auf dem ASCO 2019 vorgestellte abschließende Auswertung der J-ALEX-Studie zeigt: Alectinib führte als First-line-Therapie bei Patienten mit ALK-positivem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) zu einem signifikant längeren progressionsfreien Überleben (PFS) – verglichen mit Crizotinib: Unter Alectinib erreichten die Patienten ein medianes PFS von fast 3 Jahren und blieben damit mehr als 3 Mal länger progressionsfrei als unter Crizotinib (34,1 vs. 10,2...

Metastasiertes EGFR-mutiertes NSCLC: Ramucirumab + Erlotinib in der Firstline verlängern PFS verglichen mit Erlotinib alleine

In der multinationalen, doppelblinden, randomisierten Phase-III-Studie RELAY erhielten 449 nicht-vorbehandelte Patienten mit metastasiertem EGFR-mutierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) randomisiert entweder Erlotinib (150 mg/d) + Ramucirumab (10 mg/kg q2w) (n=224) oder Erlotinib + Placebo (n=225). Nach einem medianen Follow-up von 20,7 Monaten konnte die kombinierte EGFR- und VEGFR-Blockade durch Erlotinib und Ramucirumab eine signifikante Verlängerung des...

Resezierbares NSCLC: Interimsdaten zu Wirksamkeit und Sicherheit von Atezolizumab neoadjuvant vielversprechend

Die großangelegte, multizentrische, noch rekrutierende Studie LCMC3 untersucht den Nutzen einer neoadjuvanten Behandlung mit Atezolizumab, nachdem kleinere Pilotstudien gezeigt haben, dass Patienten mit einem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) im Frühstadium von einer präoperativen Therapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren profitieren können. Daten der Interimsanalyse zeigen, dass Atezolizumab im neoadjuvanten Setting gut toleriert wird.

Videos

  • 0/5 Sternen
    12:23

    Dr. Karl-Matthias Deppermann, Düsseldorf 
    Onkologie Summit 2017 - NSCLC: Kongress-Highlights in 2017 

    0/5 Sternen
    25:39

    Prof. Dr. Helmut Oettle, Friedrichshafen 
    Onkologie Summit 2017 - Sequenztherapie des Pankreaskarzinoms 

  • 0/5 Sternen
    17:18

    Prof. Jens Siveke, Essen 
    Onkologie Summit 2017 - Pankreaskarzinom: Kongress-Highlights in 2017 

    0/5 Sternen
    08:28

    Dr. med. David Heigener, Großhansdorf 
    NSCLC – Nintedanib als Therapieopion in der Zweitlinie beim Adenokarzinom 

  • 0/5 Sternen
    03:25

    Prof. Dr. med. Martin Reck, Grosshansdorf 
    Rolle von nab-Paclitaxel beim NSCLC 

    0/5 Sternen
    05:06

    Dr. Walburga Engel-Riedel, Köln 
    Praktische Erfahrungen mit nab-Paclitaxel in der Therapie des NSCLC 

  • 0/5 Sternen
    04:04

    PD Dr. Wolfgang Schütte, Halle (Saale) 
    Carboplatin/nab-Paclitaxel wegen besserer Verträglichkeit neuer Chemotherapie-Standard beim NSCLC ohne Rezeptormutation