Donnerstag, 12. Dezember 2019
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Strahlentherapie

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Etwa zwei Drittel aller Krebspatienten erhalten eine Strahlentherapie (auch: Radiatio, Radiotherapie), die entweder allein oder in Kombination mit anderen Behandlungsmethoden (Chemotherapie, Operation) als multimodales Therapiekonzept eingesetzt wird. Definiert ist eine Strahlentherapie als Behandlung eines malignen Tumors mittels radioaktiver Strahlen. Diese bewirken Strangbrüche in der DNS, wodurch die Replikation der DNS und auch die Transkription zur RNS unterbrochen werden. Dabei werden schnell proliferierende Zellen (wie Tumorzellen) durch eine Bestrahlung stärker geschädigt als ruhende Zellen.

Neben Heilung und langfristiger Tumorkontrolle sind der Funktionserhalt von Organen und Normalgewebe sowie im Rahmen einer palliativen Therapie die Eindämmung von krankheitsbedingten Symptomen die Ziele der Strahlentherapie. Beispielsweise bei Lymphomen, Kehlkopf- oder Prostatakarzinomen ist die Bestrahlung für kurative Ansätze unabdingbar. Im Rahmen einer Palliativtherapie findet die Strahlentherapie beispielsweise Anwendung für die Schmerzlinderung im Fall von Knochenmetastasen.

Generell unterscheidet man drei Formen der Strahlentherapie: perkutane Bestrahlung, Brachytherapie und Radionuklidtherapie. Bei der perkutanen Strahlentherapie (auch: Teletherapie, oder externe Bestrahlung) befindet sich die Strahlenquelle in einem vergleichsweise großen Abstand (ca. 100 cm) zum Patienten. Da das gesunde Gewebe ebenfalls durchstrahlt wird, versucht man durch unterschiedliche Techniken (z.B. Mehrfeldertechnik), die Strahlenbelastung für dieses so gering wie möglich zu halten. Bei der Brachytherapie wird die Strahlentherapie in unmittelbare Nähe des Tumors gebracht. Diese Methode wird v.a. in Körperhöhlen (z.B. Uterus) oder vorgeformten Körperwegen (z.B. Ösophagus) angewandt. Die Wirkung der Radionuklidtherapie beruht v.a. auf der Anreicherung des Pharmakons im Tumorgewebe. Dies wird z.B. beim Schilddrüsenkarzinom angewendet, das durch die Gabe von radioaktivem Iod erfolgreich therapiert werden kann.

Im Rahmen der Strahlentherapie werden in Abhängigkeit von der Therapieform unterschiedliche Strahlenarten verwendet. In der perkutanen Bestrahlung werden mit einem Linearbeschleuniger erzeugte Elektronen und Photonen verwendet. Im Rahmen der Brachytherapie hingegen kommen vor allem Gamma-Strahler zur Anwendung.

Da es nicht möglich ist, gesundes Gewebe komplett von der Bestrahlung zu verschonen, kommt es häufig zu Nebenwirkungen bei einer Strahlentherapie. Es gibt akute Folgen, die Minuten bis Tage nach der Strahleneinwirkung auftreten und meistens rasch regenerierende Gewebe wie Knochenmark, Lunge, Mund- oder Darmschleimhaut betreffen. Durch verschiedene Fraktonierungsschemata in der Strahlentherapie versucht man, diese akuten Strahlenfolgen zu verringern. Spätfolgen können noch zu jedem beliebigen Zeitpunkt nach der Behandlung auftreten und können in praktisch allen Geweben vorkommen. Von besonderer klinischer Relevanz sind in diesem Zusammenhang chronische Strahlenfolgen an Lunge, Herz, Hirn, ZNS und den Nieren. Aufgrund der verbesserten Therapieplanung mit Hilfe besserer technischer Möglichkeiten und neuer Studienerkenntnisse sind diese Spätfolgen der Strahlentherapie heute weitaus seltener.

Neue Techniken und Erkenntnisse auf dem Gebiet der Strahlentherapie können Sie jederzeit detailliert auf www.journalonko.de nachlesen.

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