Montag, 9. Dezember 2019
Navigation öffnen

Die Behandlungsstrategien beim Magenkarzinom werden vielfältiger

© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com.

Das Magenkarzinom ist weltweit die vierthäufigste Krebserkrankung und die zweithäufigste Krebstodesursache. In Deutschland ist das Magenkarzinom mit ca. 18.000 Neuerkrankungen pro Jahr eine der häufigsten Krebserkrankungen. Bei den krebsbedingten Todesursachen steht das Magenkarzinom bei Männern an der fünften und bei Frauen an der sechsten Stelle (1)

In der westlichen Welt nahm die Häufigkeit distaler Magenkarzinome (Karzinome im Antrum und Pylorus) ab. Dafür ist die Inzidenz der Adenokarzinome des ösophago-gastralen Übergangs in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch gestiegen. Grund für den Rückgang distaler Magenkarzinome sind die seltener gewordenen Infektionen mit dem Magenkeim Helicobacter pylori. Die Zunahme der Karzinome am Übergang von Speiseröhre zum Magen wird erklärt mit der Zunahme des Barrett-Ösophagus. Das Magenkarzinom entsteht vor allem bei Menschen im Alter über 55 Jahren. Das mediane Erkrankungsalter liegt bei 72 Jahren.

Das Magenkarzinom verursacht im Frühstadium keine oder nur wenig unspezifische Symptome. Deshalb werden die meisten Magenkarzinome erst im lokal fortgeschrittenen oder im metastasierten Stadium diagnostiziert.

Alarmsymptome einer fortgeschrittenen Erkrankung sind Gewichtsverlust, Erbrechen, anhaltende Inappetenz, gastrointestinale Blutungszeichen, Völlegefühl, Oberbauchschmerzen, Dysphagie. Patienten mit diesen Symptomen sollten frühzeitig endoskopiert werden. Bei der Endoskopie werden aus allen verdächtigen Arealen Biopsien entnommen.

Die Stadieneinteilung der Karzinome erfolgt nach der gültigen TNM-Klassifikation der UICC (Union International Contre le Cancer) 2009 (2).

Karzinome, die auf die Mukosa (Schleimhaut) begrenzt sind (T1a) können endoskopisch reseziert werden, da die Wahrscheinlichkeit der Lymphknotenmetastasierung noch sehr gering ist. In weiter fortgeschrittenen lokalisierten Stadien ist die chirurgische Entfernung des Karzinoms der einzige Ansatz, der eine Heilung versprechen kann. Die chirurgische Resektion sollte an erfahrenen Zentren durchgeführt werden. Das Ausmaß der Operation richtet sich an Tumorstadium und Tumorlokalisation. Ziel ist die komplette Tumorentfernung (R0-Resektion) mit den notwendigen Sicherheitsabständen.

Zusätzlich zur chirurgischen Therapie bei den lokal fortgeschrittenen Stadien (klinisch T3 und resektablen  T4) wird eine perioperative Chemotherapie durchgeführt (Chemotherapie vor und nach der Operation). In der britischen MAGIC-Studie führte die perioperative Chemotherapie zu einer signifikanten Verbesserung des Gesamtüberlebens (3).

Bei Vorliegen von Fernmetastasen kann eine Chemotherapie das Überleben verlängern und trotz der Nebenwirkungen die Kontrolle der Symptome sowie die Lebensqualität verbessern.

Chemotherapiestandard sind platinbasierte Kombinationstherapien, zum Beispiel Dreierkombinationen: ECF (Epirubicin, Cisplatin, 5-FU), EOX (Epirubicin, Oxaliplatin, Capecitabin), DCF (Docetaxel, Cisplatin, 5-FU) oder Zweierkombinationen: Cisplatin-Capecitabin, Cisplatin-S1, FLO (Oxaliplatin, Folinsäure, 5-FU).

Etwa jedes 5. Magenkarzinom ist HER2-positiv. Bei Patienten mit HER2-positivem Magenkarzinomen führt die Addition von Trastuzumab zur Chemotherapie zu einem besseren Tumoransprechens, einer Verlängerung der Zeit bis zur Tumorprogression und einem verbesserten Gesamtüberleben (4).

Zur Zweit- und Drittlinienchemotherapie werden vor allem Monotherapien eingesetzt (z.B. Docetaxel, Paclitaxel oder Irinotecan).

Der gegen den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor 2 (VEGFR2) gerichtete monoklonale humanisierte IgG1-Antikörper Ramucirumab ist zugelassen in Kombination mit Paclitaxel bei Patienten mit fortgeschrittenem Magenkrebs oder Adenokarzinomen am Übergang von Magen und Speiseröhre, wenn die Erkrankung trotz Erstlinienbehandlung fortschreitet. Ramucirumab kann auch als Monotherapie bei der gleichen Patientengruppe eingesetzt werden, wenn eine Therapie mit Paclitaxel nicht infrage kommt. In der Phase-III-Studie REGARD (5) verlängerte Ramucirumab das Überleben von Patienten mit metastasiertem Magenkarzinom, die nach der ersten Therapielinie eine Krankheitsprogression erlitten hatten im Vergleich zu Placebo. Noch bessere Behandlungsergebnisse mit Ramucirumab werden in der 2. Therapielinie durch die Kombination mit Paclitaxel erzielt (6).

Mit den Immun-Checkpoint-Inhibitoren (PD-1-Inhibitoren) kann nach ersten Studienergebnissen auch bei fortgeschrittenen Magenkarzinomen eine Ansprechrate von etwa 30% erzielt werden mit einer Ansprechdauer von mehr als 6 Monaten (7).

Literatur:

  1. www.krebsatlas.de
  2. Sobin LH, Gospodarowicz MK, Wittekind C. UICC: TNM classification of malignant tumors. 2009; 7th edition, Wiley-Blackwell, Oxford.
  3. Cunningham D, Allum WH, Stenning SP et al. Perioperative chemotherapy versus surgery alone for resectable gastroesophageal cancer. N Engl J Med. 2006; 355:11-20.
  4. Bang YJ, Van Cutsem E, Feyereislova A et al. Trastuzumab in combination with chemotherapy for the treatment of HER2-positive advanced gastric or gastro-esophageal junction cancer. Lancet 2010; 376:687-97.
  5. Fuchs CS, Tomasek J, Yong CJ et al. Ramucirumab monotherapy for previously treated advanced gastric or gastro-oesophageal junction adenocarcinoma (REGARD): an international, randomised, multicentre, placebo-controlled, phase 3 trial. Lancet 2014; 383:31-9.
  6. Wilke HJ, Muro K, Van Cutsem E et al. Ramucirumab plus paclitaxel versus placebo plus paclitaxel inpatients with previously treated advanced gastric or gastro-oesophageal junction adenocarcinoma (RAINBOW): a double-blind, randomised phase 3 trial. Lancet Oncol. 2014; 15(11):1224-35.
  7. Muro K et al. J Clin Oncol 2015; 33 (suppl 3; Abstract 3).

Registrieren Sie sich jetzt und nutzen Sie
das gesamte Angebot unserer Plattform

Jetzt registrieren

News

Aktuelles zur Immuntherapie bei TNBC, Urogenital- und GI-Tumoren

Bei einem Pan-Entitäten-Symposium beim DGHO ging es um die Anti-PD-1-Therapie mit Pembrolizumab bei urogenitalen Tumoren, Mammakarzinom und bei gastrointestinalen (GI) Tumoren. Wie Prof. Dr. Ulrich Keilholz, Berlin, in seiner Einführung berichtete, wurde 2016 für Pembrolizumab bei 11 Tumorarten Antitumoraktivität gezeigt, nur 3 Jahre später in mehr als 25 Tumorarten. In 7 Phase-III-Studien wurde bei 5 Tumorarten für eine Pembrolizumab-Monotherapie ein Vorteil im...

Metastasiertes Magenkarzinom: Erfolgreiche Drittlinienbehandlung mit Trifluridin/Tipiracil

Auch beim fortgeschrittenen Magenkarzinom werden inzwischen sequenzielle Therapiestrategien eingesetzt, die die Prognose der Patienten deutlich verbessert haben. Insbesondere in der Zweit- und Drittlinie hat es in den vergangenen Jahren Fortschritte gegeben. Als effektive und zudem gut verträgliche Option für die dritte Therapielinie steht seit einigen Monaten das Zytostatikum Trifluridin/Tipiracil (Lonsurf®) zur Verfügung.

Deutschlandweite Studie des Krankenhauses Nordwest zur interdisziplinären Behandlung des Magenkrebses

Die Deutsche Krebshilfe unterstützt die von Ärzten und Wissenschaftlern des Krankenhauses Nordwest ins Leben gerufene deutschlandweite Studie „FLOT-HIPEC/FLOT9“. In der sehr visionären Studie wird die moderne FLOT-Chemotherapie (Al-Batran et al. Lancet 2019) mit einer zusätzlichen, die Operation begleitenden Chemo-Wärme-Therapie der Bauchhöhle (sogenannte intraoperative hypertherme Chemotherapie) kombiniert.

Trastuzumab-Biosimilar: Biosimilars sind qualitativ hochwertige Medikamente

In Deutschland erkrankt ungefähr eine von acht Frauen an Brustkrebs. Der Anteil der Patientinnen mit HER2-positiven Tumoren macht ungefähr 15-25% aus. Zielgerichtete Therapien, wie das HER2-gerichete Trastuzumab, haben die Prognose der Brustkrebs-Patientinnen dramatisch verbessert. Mit der personalisierten Medizin ist die Antikrebstherapie allerdings nicht nur effektiver, sondern auch teurer geworden. In einem Pressegespräch im Vorfeld der Jahrestagung der ESMO sprachen...

Hohes und langanhaltendes Ansprechen auf Pembrolizumab-Monotherapie bei unterschiedlichen MSI-H-Tumoren

Im Rahmen des ESMO-Kongresses 2019 in Barcelona, Spanien, wurde eine aktualisierte Analyse der Phase-II-Studien KEYNOTE-164 und KEYNOTE-158 vorgestellt. Darin wurde der Erfolg einer Monotherapie mit dem Immuncheckpoint-Inhibitor Pembrolizumab (KEYTRUDA®) bei Patienten mit unterschiedlichen fortgeschrittenen soliden Tumoren und ausgeprägter Mikrosatelliteninstabilität (MSI-high, MSI-H) evaluiert. Die Analyse ergab, dass Pembrolizumab bei nahezu allen untersuchten...

ESMO: Konsensuspapier zur Therapie des fortgeschrittenen Magenkarzinoms diskutiert

Metastasierte Adenokarzinome des Magens und des gastroösophagealen Übergangs (AEG) weisen nach wie vor eine sehr schlechte Prognose auf (1). Wirkstoffe wie Ramucirumab (Cyramza®)* (2) können jedoch das Überleben in der Zweitlinie verlängern, sodass die Sequenztherapie eine erhebliche Bedeutung erhält. Ein wichtiger Aspekt auf dem diesjährigen Kongress der European Society of Medical Oncology (ESMO) in Barcelona war daher die Frage, wie die in...

Videos

  • 0/5 Sternen
    02:45

    Prof. Dr. med. Salah-Eddin Al-Batran, Frankfurt / PD. Dr. Sylvie Lorenzen, München / Prof. Markus Möhler, Mainz 
    Vorschau auf kommende CME-Videos 

    0/5 Sternen
    04:18

    Prof. Dr. med. Ralf-Dieter Hofheinz, Mannheim 
    Perioperative Behandlung von AEG/Magenkarzinom in der HerFLOT-Studie