Mittwoch, 24. April 2019
Navigation öffnen

Die Behandlungsstrategien beim Magenkarzinom werden vielfältiger

© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com.

Das Magenkarzinom ist weltweit die vierthäufigste Krebserkrankung und die zweithäufigste Krebstodesursache. In Deutschland ist das Magenkarzinom mit ca. 18.000 Neuerkrankungen pro Jahr eine der häufigsten Krebserkrankungen. Bei den krebsbedingten Todesursachen steht das Magenkarzinom bei Männern an der fünften und bei Frauen an der sechsten Stelle (1)

In der westlichen Welt nahm die Häufigkeit distaler Magenkarzinome (Karzinome im Antrum und Pylorus) ab. Dafür ist die Inzidenz der Adenokarzinome des ösophago-gastralen Übergangs in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch gestiegen. Grund für den Rückgang distaler Magenkarzinome sind die seltener gewordenen Infektionen mit dem Magenkeim Helicobacter pylori. Die Zunahme der Karzinome am Übergang von Speiseröhre zum Magen wird erklärt mit der Zunahme des Barrett-Ösophagus. Das Magenkarzinom entsteht vor allem bei Menschen im Alter über 55 Jahren. Das mediane Erkrankungsalter liegt bei 72 Jahren.

Das Magenkarzinom verursacht im Frühstadium keine oder nur wenig unspezifische Symptome. Deshalb werden die meisten Magenkarzinome erst im lokal fortgeschrittenen oder im metastasierten Stadium diagnostiziert.

Alarmsymptome einer fortgeschrittenen Erkrankung sind Gewichtsverlust, Erbrechen, anhaltende Inappetenz, gastrointestinale Blutungszeichen, Völlegefühl, Oberbauchschmerzen, Dysphagie. Patienten mit diesen Symptomen sollten frühzeitig endoskopiert werden. Bei der Endoskopie werden aus allen verdächtigen Arealen Biopsien entnommen.

Die Stadieneinteilung der Karzinome erfolgt nach der gültigen TNM-Klassifikation der UICC (Union International Contre le Cancer) 2009 (2).

Karzinome, die auf die Mukosa (Schleimhaut) begrenzt sind (T1a) können endoskopisch reseziert werden, da die Wahrscheinlichkeit der Lymphknotenmetastasierung noch sehr gering ist. In weiter fortgeschrittenen lokalisierten Stadien ist die chirurgische Entfernung des Karzinoms der einzige Ansatz, der eine Heilung versprechen kann. Die chirurgische Resektion sollte an erfahrenen Zentren durchgeführt werden. Das Ausmaß der Operation richtet sich an Tumorstadium und Tumorlokalisation. Ziel ist die komplette Tumorentfernung (R0-Resektion) mit den notwendigen Sicherheitsabständen.

Zusätzlich zur chirurgischen Therapie bei den lokal fortgeschrittenen Stadien (klinisch T3 und resektablen  T4) wird eine perioperative Chemotherapie durchgeführt (Chemotherapie vor und nach der Operation). In der britischen MAGIC-Studie führte die perioperative Chemotherapie zu einer signifikanten Verbesserung des Gesamtüberlebens (3).

Bei Vorliegen von Fernmetastasen kann eine Chemotherapie das Überleben verlängern und trotz der Nebenwirkungen die Kontrolle der Symptome sowie die Lebensqualität verbessern.

Chemotherapiestandard sind platinbasierte Kombinationstherapien, zum Beispiel Dreierkombinationen: ECF (Epirubicin, Cisplatin, 5-FU), EOX (Epirubicin, Oxaliplatin, Capecitabin), DCF (Docetaxel, Cisplatin, 5-FU) oder Zweierkombinationen: Cisplatin-Capecitabin, Cisplatin-S1, FLO (Oxaliplatin, Folinsäure, 5-FU).

Etwa jedes 5. Magenkarzinom ist HER2-positiv. Bei Patienten mit HER2-positivem Magenkarzinomen führt die Addition von Trastuzumab zur Chemotherapie zu einem besseren Tumoransprechens, einer Verlängerung der Zeit bis zur Tumorprogression und einem verbesserten Gesamtüberleben (4).

Zur Zweit- und Drittlinienchemotherapie werden vor allem Monotherapien eingesetzt (z.B. Docetaxel, Paclitaxel oder Irinotecan).

Der gegen den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor 2 (VEGFR2) gerichtete monoklonale humanisierte IgG1-Antikörper Ramucirumab ist zugelassen in Kombination mit Paclitaxel bei Patienten mit fortgeschrittenem Magenkrebs oder Adenokarzinomen am Übergang von Magen und Speiseröhre, wenn die Erkrankung trotz Erstlinienbehandlung fortschreitet. Ramucirumab kann auch als Monotherapie bei der gleichen Patientengruppe eingesetzt werden, wenn eine Therapie mit Paclitaxel nicht infrage kommt. In der Phase-III-Studie REGARD (5) verlängerte Ramucirumab das Überleben von Patienten mit metastasiertem Magenkarzinom, die nach der ersten Therapielinie eine Krankheitsprogression erlitten hatten im Vergleich zu Placebo. Noch bessere Behandlungsergebnisse mit Ramucirumab werden in der 2. Therapielinie durch die Kombination mit Paclitaxel erzielt (6).

Mit den Immun-Checkpoint-Inhibitoren (PD-1-Inhibitoren) kann nach ersten Studienergebnissen auch bei fortgeschrittenen Magenkarzinomen eine Ansprechrate von etwa 30% erzielt werden mit einer Ansprechdauer von mehr als 6 Monaten (7).

Literatur:

  1. www.krebsatlas.de
  2. Sobin LH, Gospodarowicz MK, Wittekind C. UICC: TNM classification of malignant tumors. 2009; 7th edition, Wiley-Blackwell, Oxford.
  3. Cunningham D, Allum WH, Stenning SP et al. Perioperative chemotherapy versus surgery alone for resectable gastroesophageal cancer. N Engl J Med. 2006; 355:11-20.
  4. Bang YJ, Van Cutsem E, Feyereislova A et al. Trastuzumab in combination with chemotherapy for the treatment of HER2-positive advanced gastric or gastro-esophageal junction cancer. Lancet 2010; 376:687-97.
  5. Fuchs CS, Tomasek J, Yong CJ et al. Ramucirumab monotherapy for previously treated advanced gastric or gastro-oesophageal junction adenocarcinoma (REGARD): an international, randomised, multicentre, placebo-controlled, phase 3 trial. Lancet 2014; 383:31-9.
  6. Wilke HJ, Muro K, Van Cutsem E et al. Ramucirumab plus paclitaxel versus placebo plus paclitaxel inpatients with previously treated advanced gastric or gastro-oesophageal junction adenocarcinoma (RAINBOW): a double-blind, randomised phase 3 trial. Lancet Oncol. 2014; 15(11):1224-35.
  7. Muro K et al. J Clin Oncol 2015; 33 (suppl 3; Abstract 3).

Registrieren Sie sich jetzt und nutzen Sie
das gesamte Angebot unserer Plattform

Jetzt registrieren
Anzeige:

News

Krebsoperationen: Minimalinvasive Verfahren möglich

Gallenblase und Blinddarm entfernen heute die meisten Chirurgen ohne langen Schnitt. Nun zeichnet sich in der Medizin ein weiterer Paradigmenwechsel ab: Immer mehr Studien belegen, dass minimalinvasive Operationen auch bei bösartigen Erkrankungen einerseits zu besseren Ergebnissen führen als offene Eingriffe, was den frühen Verlauf nach der Operation betrifft. Andererseits werden auch keine Nachteile beim Langzeitüberleben beobachtet. „Voraussetzung ist ausreichend...

Magenkarzinom/AEG: Hyponatriämie als Risikofaktor für eine Frühprogression unter Nivolumab

In der Phase-III-Studie ATTRACTION-2 zeigt Nivolumab eine überlegene Wirksamkeit bei Patienten mit refraktärem Magenkarzinom/Adenokarzinom des oesophagogastralen Übergangs (AEG) oder Patienten, die die Standardchemotherapie nicht vertragen. Trotzdem schreitet die Erkrankung bei ca. 50% der Patienten fort. In dieser Studie wurde Hyponatriämie als einer der Hauptfaktoren identifiziert, die nach der Gabe von Nivolumab zu einer frühen Progression führten.

Mangelernährung bei Krebspatienten wird zu selten diagnostiziert und zu spät behandelt

Etwa 40% aller onkologischen Patienten mit primär fortgeschrittener Tumorerkrankung weisen einen erheblichen Gewichtsverlust auf (1). Ein eingeschränkter Ernährungsstatus beim onkologischen Patienten ist nicht nur eng mit der Verschlechterung der Prognose korreliert: Bis zu 30% aller Krebspatienten versterben sogar an den direkten Folgen einer Mangelernährung. Durch eine bedarfsgerechte Ernährungsversorgung können Krebspatienten neben einer höheren...

ESMO 2018: Hohe Kosteneinsparungen durch Einsatz des Trastuzumab-Biosimilars möglich

Bei einem Satellitensymposium von Celltrion beim ESMO-Jahreskongress 2018 in München wurden aktuelle klinische Daten zum Trastuzumab-Biosimilar Herzuma® (1) bei Frauen mit frühem HER2-positiven Mammakarzinom vorgestellt, die die Biosimilarität zwischen Referenz-Trastuzumab und dem Biosimilar belegen (2-4). Die anwesenden Experten diskutierten zudem Fragen rund um die Zulassungsmodalitäten von Biosimilars, stellten laufende Studien zu Kombinationstherapien...

Immunonkologische Behandlung solider Tumoren: Checkpoint-Inhibitoren weiter im Aufwind

Die Liste der zugelassenen Indikationsgebiete für Immuncheckpoint-Inhibitoren wie Pembrolizumab wird immer länger. Zahlreiche positive Studiendaten bei verschiedenen soliden Tumoren lassen vermuten, dass dieser Trend unvermindert weitergeht. Bei einem Satellitensymposium von MSD beim DGHO 2018 wurden aktuelle Daten zu Pembrolizumab beim Lungenkarzinom, Kopf-Hals-Tumoren und gastrointestinalen Tumoren vorgestellt.

Videos

  • 0/5 Sternen
    02:45

    Prof. Dr. med. Salah-Eddin Al-Batran, Frankfurt / PD. Dr. Sylvie Lorenzen, München / Prof. Markus Möhler, Mainz 
    Vorschau auf kommende CME-Videos 

    0/5 Sternen
    04:18

    Prof. Dr. med. Ralf-Dieter Hofheinz, Mannheim 
    Perioperative Behandlung von AEG/Magenkarzinom in der HerFLOT-Studie