Donnerstag, 23. Januar 2020
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Ovarialkarzinom – bessere Überlebenschancen mit leitliniengerechter Therapie

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An einem Eierstockkrebs erkranken in Deutschland jedes Jahr fast 8.000 Frauen. Mehr als die Hälfte der epithelialen Ovarialkarzinome werden erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert weil Symptome häufig erst im fortgeschrittenen Stadium auftreten. Einen entscheidenden Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung haben Therapiequalität und die Einhaltung der Therapiestandards. Mit einer leitliniengerechten Therapie leben nach 4 Jahren noch über 60% der Patientinnen, bei einer nicht leitliniengerechten Therapie dagegen nur noch 25% (1).

Risikofaktoren sind Alter, Kinderlosigkeit, frühe Menarche/späte Menopause, belastende Familienanamnese (z.B. Verwandte ersten Grades mit Brust- oder Eierstockkrebs). Genetische Ursachen (BRACA1 und 2 Mutation). Protektive Faktoren sind: Schwangerschaften, Stillen, Einnahme von Ovulationshemmern.

Etwa 30% der Patientinnen haben ein frühes Ovarialkarzinom. Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung ist der Krebs noch auf die Ovarien (Stadium FIGO I) oder auf das kleine Becken (Stadium FIGO II) begrenzt. Diese Patientinnen haben eine gute Aussicht auf eine dauerhafte Heilung. Patientinnen im Stadium FIGO IA, G1 profitieren nicht von einer Chemotherapie im Anschluss an eine Operation (2). Für die Stadien FIGO IA, G2 und FIGO IB, G1 und G2 ist der Vorteil einer Chemotherapie nicht eindeutig belegt. Patientinnen mit den Stadien FIGO IC und IIA oder IA, IB mit gering differenzierten Tumoren (G3) sollten im Anschluss an die Operation eine platinhaltige Chemotherapie über 6 Zyklen erhalten. Die 5-Jahres-Überlebensrate von Frauen mit frühem Ovarialkarzinom liegt bei 60-90%.

Etwa 70% der Ovarialkarzinome werden erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt. Beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom hat sich das Karzinom in der Bauchhöhle ausgebreitet und/oder Lymphknotenmetastasen (FIGO III) oder bereits Fernmetastasen (FIGO IV) gebildet. Symptome im späten Stadium sind Gewichtsverlust bei Zunahme des Bauchumfanges, Obstipation und Völlegefühl.

Der stärkste unabhängige Prognoseparameter ist das Tumorstadium, der zweitstärkste ist der Tumorrest nach der Operation. Eine fertilitätserhaltende Operation ist nur im sehr frühen Stadium möglich (FIGO Ia G1). Bei höheren Stadien wird eine möglichst radikale Tumoroperation angestrebt. Ziel ist die makroskopische Tumorfreiheit. Standard im Anschluss an die Operation ist die platin- und taxanhaltige Chemotherapie über 6 Zyklen.

Die Mehrzahl der Patientinnen erleidet ein Rezidiv des Ovarialkarzinoms. Die Rezidivtherapie orientiert sich daran, ob es sich um ein Frührezidiv (=platinrefraktär) oder ein Spätrezidiv (=platinsensibel) handelt.

Beim platinsensiblen Rezidiv (Spätrezidiv, Rezidiv mehr als 6 Monate nach letzter Chemotherapie) kann eine erneute Operation durchgeführt werden, wenn eine komplette Tumorresektion möglich erscheint. Eingesetzt wird eine platinhaltige Chemotherapie (Caboplatin/Gemcitabin +/- Bevacizumab oder Carboplatin/pegyliertes liposomales Doxorubicin oder Carboplatin/Paclitaxel. Bei Kontraindikationen gegen Platin sind Trabectedin/pegyliertes Doxorubicin eine weitere Option.

Ein neuer Therapieansatz für das platinsensible Ovarialkarzinom ist der PARP-Inhibitor Olaparib, zugelassen als Monotherapie für die Erhaltungstherapie bei Patientinnen mit einer BRCA-Mutation, die auf eine platinhaltige Chemotherapie ansprechen.

Das platinresistente Rezidiv (Frührezidiv, Rezidiv innerhalb 6 Monate nach letzter Chemotherapie) wir mit Monochemotherapie (pegyliertes liposomales Doxorubicin , Paclitaxel, Topotecan, Gemcitabin) und bester supportiver Therapie behandelt. Seit August 2014 ist Bevacizumab auch für die Behandlung des platinresistenten Rezidivs zugelassen. Bevacizumab zusätzlich zur Chemotherapie gegeben verlängerte in der Phase-III-Studie AURELIA das progressionsfreie Überleben von 3,4 auf 6,7 Monate.

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