Donnerstag, 24. September 2020
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Harnblasenkarzinom: Hohe Rezidivneigung erschwert die Therapie

© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Das Harnblasenkarzinom (auch Blasenkrebs) macht etwa 3-4% aller Krebserkrankungen aus. Männer sind dabei häufiger betroffen als Frauen. Hauptrisikofaktor stellt dabei das Rauchen von Tabak dar. Darüberhinaus können berufliche Expositionen mit Schadstoffen (Nitrosamine, aromatische Amine) ursächlich sein.

 

Erste therapeutische Maßnahme ist die chirurgische Resektion des Tumors; dies geschieht mittels einer transurethralen Resektion der Harnblase (TURB). Da das Harnblasenkarzinom in etwa 70% der Fälle multilokulär auftritt, kommt es häufig zu Rezidiven. Daher ist mit der TURB oft nur ein Teil der oberflächlichen Tumoren kontrollierbar. Um die Tumorausbreitung beurteilen zu können, werden nach Möglichkeit aus der Umgebung der Resektionszone Biopsien entnommen. Bei Verdacht auf eine inkomplette Resektion ist nach 1-4 Wochen eine Nachresektion durchzuführen. Bei Tumoren in frühen Stadien (pTis-pT1) wird im Anschluss an die Resektion eine Frühinstillation mit Mitomycin C durchgeführt. Das heißt, die Blase wird mit einem Zytostatikum gespült, um das Einnisten von frei schwimmenden Tumorzellen zu verhindern. Je nach Staging-Befund kommt es nach 6 Wochen zu einer Nachresektion, ggf. gefolgt von einer erneuten intravesikalen Chemotherapie bzw. einer Instillation von BCG (Bacillus Calmette-Guérin), das als Immunmodulator fungiert, und eine örtliche Immunreaktion hervorruft, wodurch die weitere Entwicklung von Krebszellen verhindert werden soll.

 

Bei fortgeschrittenen Befunden (ab pT2) ist die TURB nicht ausreichend. In diesen Fällen ist zur kurativen Therapie meist eine radikale Zystektomie erforderlich. Im Anschluss daran muss eine geeignete Methode der dauerhaften Harnableitung (z.B. Ileum-Neoblase) gefunden werden. Alternativ wird in einigen Fällen eine Cisplatin-haltige Radiochemotherapie mit dem Ziel des Organerhalts durchgeführt. Wegen der hohen Rezidivneigung sind bei den Patienten regelmäßige (3-6-monatliche) Kontrolluntersuchungen notwendig.

 

Liegen bei Diagnosestellung bereits Metastasen vor, oder ist der Tumor inoperabel, wird – sofern der Patient fit genug ist – eine Kombinationschemotherapie angewendet. Bei einem zu schlechten Allgemeinzustand des Patienten werden Monotherapien mit beispielsweise Gemcitabin, Carboplatin, Paclitaxel oder anderen Substanzen verwendet. Als Kombinationstherapien bei fitten Patienten kommen entweder Cisplatin oder Carboplatin jeweils gemeinsam mit Gemcitabin zum Einsatz. Kommt es danach zum erneuten Krankheitsprogress ist noch eine Therapie mit Vinflunin möglich.

 

Neueste Erkenntnisse zu den Therapiemöglichkeiten beim Harnblasenkarzinom finden Sie immer aktuell hier unter www.journalonko.de.

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