Journal Onkologie

Aktuelles | Beiträge ab Seite 2

Für die Anwendung immunonkologischer und molekular zielgerichteter Therapieoptionen, die heute in nahezu allen Stadien des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) zur Verfügung stehen, sind die entsprechenden molekulargenetischen bzw. immunhistochemischen Testverfahren Grundvoraussetzung [1, 2]. Inwieweit die Empfehlungen der Leitlinien im klinischen Alltag tatsächlich umgesetzt werden, wurde 2025 zum 8. Mal in einer bundesweiten Umfrage unter Ärzt:innen an Universitätskliniken, nicht-universitären Kliniken, Lungenfachkliniken, onkologischen Praxen und medizinischen Versorgungszentren (MVZs) untersucht [3-8]. Dabei zeigten sich, den aktuellen Therapieempfehlungen folgend, unter anderem eine Verschiebung der Testraten in Richtung Neoadjuvanz sowie weiterhin hohe Testraten der jeweiligen Marker im Stadium IV. Leider beginnt jedoch nach wie vor ein Teil der Ärzt:innen mit einer Therapie, bevor alle molekularen Testergebnisse vorliegen. Dadurch wird den Betroffenen womöglich die für sie optimale Behandlung vorenthalten. Wie die Umfrage außerdem zeigt, werden größere Genpanels inzwischen häufiger für die Untersuchungen genutzt und auch die Relevanz molekularer Tumorboards sowie der stadienunabhängigen Reflextestung ist insbesondere in den frühen Stadien gestiegen.
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Die Behandlung der akuten lymphatischen Leukämie (ALL) im Kindesalter hat in den vergangenen Jahrzehnten zu beeindruckenden Fortschritten geführt. Heute liegen die Heilungsraten bei über 90%. Dies ist auf die standardisierte, an die Risikogruppe angepasste multimodale Polychemotherapie von ALL-Patient:innen und deutlich verbesserte Supportivmaßnahmen zurückzuführen [1]. Nur noch in wenigen Fällen ist eine hämatopoetische Stammzelltransplantation im Rahmen der Erstlinienbehandlung notwendig. Bei Patient:innen mit einer refraktären oder rezidivierten Erkrankung ist dies weiterhin ein wichtiger Baustein der Therapie [2]. Daneben sind in den letzten Jahren neue immuntherapeutische Therapieoptionen entwickelt worden, die zunehmend sowohl in der Rezidivsituation als auch in der Erstlinienbehandlung eingesetzt werden. Dieser Erfolg ist jedoch mit einem hohen Preis verbunden, da die intensive antileukämische Therapie nicht nur maligne Zellen zerstört, sondern auch gesunde Gewebe und Organe schädigt. Infolgedessen treten bei nahezu allen Patient:innen akute Nebenwirkungen während der Therapie auf, und ein großer Teil der Langzeitüberlebenden leidet unter Spätfolgen. Diese können entweder direkt im Zusammenhang der akuten Toxizitäten stehen oder sich erst Jahre nach Abschluss der Behandlung manifestieren (Abb. 1) [3]. Trotz der großen klinischen Bedeutung ist die systematische Erfassung dieser Spätfolgen bislang unzureichend standardisiert, was die Bewertung der Gesamtbelastung für die wachsende Gruppe von Überlebenden erschwert. Für den deutschsprachigen Raum fehlen bislang verlässliche Daten. Aus diesem Grund sind in diesem Artikel keine quantitativen Angaben zur Häufigkeit der auftretenden Spätfolgen angegeben.
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Ovarielle Keimzelltumoren (germ cell tumors, GCT) sind seltene Neoplasien, die etwa 5% der malignen Ovarialtumoren ausmachen, jedoch die häufigste Tumorentität bei Kindern und jungen Frauen darstellen. Sie entstehen aus pluripotenten Keimzellen und weisen eine große histologische Vielfalt auf. Klinisch präsentieren sie sich meist unspezifisch mit abdominellen Schmerzen oder einer rasch wachsenden Raumforderung, sodass die Diagnose häufig bereits in frühen Stadien erfolgt. Die Diagnostik umfasst neben Anamnese und Bildgebung insbesondere die Bestimmung tumorspezifischer Marker wie Alpha-Fetoprotein (AFP), humanes Choriongonadotropin (β-hCG) und Laktatdehydrogenase (LDH). Die Therapie basiert primär auf einer operativen Tumorresektion mit vollständigem Staging, wobei bei jungen Patientinnen ein fertilitätserhaltendes Vorgehen angestrebt wird. Abhängig von Stadium und Histologie erfolgt eine adjuvante Platin-basierte Chemotherapie, meist im Bleomycin + Etoposid + Cisplatin (BEP)-Schema. Trotz teils aggressiven Verlaufs ist die Prognose insgesamt sehr günstig mit Überlebensraten von über 90%. Rezidive sind selten und werden individuell multimodal behandelt.
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Keimzelltumoren des Hodens zählen zu den onkologischen Erkrankungen mit exzellenter Prognose, insbesondere bei jungen Patienten. Mit Heilungsraten von über 90% rückt die langfristige Lebensqualität zunehmend in den Fokus der klinischen Versorgung. Therapieassoziierte Spätfolgen betreffen vor allem kardiovaskuläre Risiken, Sekundärmalignome, metabolische Veränderungen, Neuro- und Ototoxizität sowie Fertilität und endokrine Funktion. Darüber hinaus spielen psychosoziale Aspekte eine zentrale Rolle. Die Art und Intensität der Therapie erweisen sich als entscheidende Einflussfaktoren auf die Langzeitmorbidität. Moderne Strategien zielen daher auf eine risikoadaptierte Therapie unter Vermeidung von Übertherapie sowie auf strukturierte Survivorship-Konzepte. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über die wichtigsten Einflussfaktoren auf die Lebensqualität und diskutiert deren Relevanz für die klinische Praxis.
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Entitätsübergreifend
 7 Min|
Patientin mit Fatigue sitzt im halbdunklen Zimmer auf dem Bett und hält sich den Kopf
Serie: Supportive Therapien – Teil 7

Tumorassoziierte Fatigue – Screening, Bewegung und psychotherapeutische Intervention mit positivem Effekt

Ein mit Krebs assoziiertes Gefühl von Erschöpfung lässt sich nicht unbedingt durch Ruhe und Schlaf aushebeln. Bewegung und psychologische Betreuung haben sich bewährt und werden übergreifend von den Leitlinien empfohlen, um die Lebensqualität der Patient:innen zu verbessern und ihre Krebstherapie nicht zu gefährden.
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Nierenzellkarzinom
 4 Min|

Systemtherapie beim nccRCC – Aktuelle Daten und klinische Implikationen

Das metastasierte, nicht-klarzellige Nierenzellkarzinom (nccRCC) macht etwa 25% aller RCC aus und umfasst mehr als 20 histologisch und molekular definierte Subtypen. Aufgrund des historischen Ausschlusses dieser Patient:innen aus prospektiven Studien bleibt die Evidenzgrundlage für die Systemtherapie begrenzt; Leitlinien empfehlen daher eine Therapiestrategie analog zum klarzelligen Nierenzellkarzinom (ccRCC). Die Studien SUNNIFORECAST, KEYNOTE-B61 und CheckMate-920 konnten zuletzt die Wirksamkeit Immuncheckpoint-Inhibitor (ICI)-basierter Regimes in einem reinen nccRCC-Kollektiv nachweisen, wobei der PD-L1-Status ein potenziell relevanter prädiktiver Biomarker zu sein scheint.
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Urologische Tumoren
 13 Min|
Hand in blauem Handschuh hält Röhrchen mit Beschriftung TUmormarker

M371-Test – ein Meilenstein in der Diagnostik und Therapiesteuerung testikulärer Keimzelltumoren

Die Serumtumormarker Alpha-Fetoprotein (AFP), β-humanes Choriongonadotropin (β-hCG) und Laktatdehydrogenase (LDH) sind seit Jahrzehnten ein unverzichtbares Hilfsmittel bei der Diagnostik und Therapieführung der testikulären Keimzelltumoren (KZT). Ein entscheidender Nachteil dieser Tumormarker ist jedoch deren limitierte Sensitivität und Spezifität. Mit der microRNA miR-371a-3p (M371-Test) steht inzwischen ein leistungsfähiger neuer Biomarker zur Verfügung, der das Potenzial hat, die Hodentumordiagnostik grundlegend zu verändern.
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Mammakarzinom
 5 Min|
Mammakarzinom: Was macht eine 
CDK4/6i-Therapie langfristig erfolgreich?

Mammakarzinom: Was macht eine CDK4/6i-Therapie langfristig erfolgreich?

Die Behandlung von Patient:innen mit metbastasiertem Mammakarzinom (mBC) wird zunehmend holistischer: Individuelle Bedürfnisse rücken stärker in den Fokus der Versorgungspraxis und spielen neben erkrankungsbezogenen Faktoren eine zentrale Rolle bei der Therapieentscheidung [1]. Bei der Auswahl des geeigneten CDK4/6-Inhibitors (CDK4/6i) sind Kriterien wie Verträglichkeit, Erhalt der Lebensqualität und Aspekte des Therapiemanagements von Bedeutung. Palbociclib bietet mit einer breiten Datenbasis und fast einem Jahrzehnt klinischer Erfahrung gute Voraussetzungen für eine patient:innenfreundliche Anwendung und damit für einen langfristigen Therapieerfolg.
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d-uo
 3 Min|
Sektorenübergreifende Behandlung des
Urothelkarzinoms

Sektorenübergreifende Behandlung des
Urothelkarzinoms – 5 Jahre UroNAT von d-uo

Das Urothelkarzinom ist der zweithäufigste urologische Tumor und in Deutschland der 5.-häufigste Tumor bei Männern bzw. der 12.-häufigste bei Frauen [1]. Im Jahr 2023 erkrankten in Deutschland 17.800 Personen an einem invasiven Harnblasenkarzinom, davon ca. ein Viertel Frauen, zusätzlich ca. 13.680 an nicht-invasiven papillären Karzinomen und In-situ-Tumoren der Blase, welche nach ICD-10 derzeit nicht zu den bösartigen Tumoren gezählt werden, obwohl sie ein erhöhtes Risiko für einen Progress und/oder ein Rezidiv des Tumors aufweisen [1]. Harnblasenkarzinome gehen wie die Tumoren der übrigen ableitenden Harnwege (Nierenbecken, Harnleiter, Harnröhre) überwiegend vom Urothel aus. Für die ambulante Diagnostik, Therapie und Nachsorge dieser häufigen und auch gesundheitsökonomisch bedeutsamsten Tumorentität im Bereich der Urologie gab es lange kein nationales Register zur Erfassung der Versorgungs­situation in Deutschland. Viele Fragen der ambulanten Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Urothelkarzinoms sind in Deutschland bisher nur unzureichend untersucht.
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BNGO
 3 Min|

14. BNGO-Hauptstadtkongress – Traditionelles und Neues

Alljährlich treffen sich die Mitglieder des Berufsverbands Niedergelassener und ambulant tätiger Gynäkologischer Onkologen in Deutschland e.V. (BNGO) und interessierte Gäste im Sommer in Berlin zu ihrem Jahresaustausch. Der diesjährige BNGO-Hauptstadtkongress fand wieder traditionsgemäß im Hotel Maritim Pro Arte statt und wurde abgerundet durch einen wissenschaftlichen Austausch auf der Spree. Rund 200 Teilnehmende erwartete ein buntes Programm aus Studiendaten von jüngsten Kongressen, aktuellen Therapieempfehlungen, praktischen Fragestellungen und speziellen Fokusthemen, die für Gynäkoonkolog:innen in der Niederlassung relevant sind. Dr. Jörg Schilling, der Vorsitzende des BNGO, gibt uns einen kurzen Einblick in die Highlights, und das neue Verbandsmitglied PD Dr. Peter Rusch aus Soest schildert seine Eindrücke vom Kongress. In der nächsten Ausgabe des JOURNAL ONKOLOGIE berichten wir ausführlich über die Kongressbeiträge.
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BNGO
 3 Min|
Ein neues BNGO-Mitglied stellt sich vor

Ein neues BNGO-Mitglied stellt sich vor: PD Dr. med. Peter Rusch

PD Dr. Peter Rusch führt gemeinsam mit seiner Frau Lena und ihrer Mutter eine echte „Familienpraxis“ in Soest/Westfalen. Obgleich internistische Onkolog:innen in vielen Regionen fachübergreifend auch an der Behandlung gynäkologischer Krebserkrankungen beteiligt sind, fehlt gerade in ländlichen Regionen wie dem Kreis Soest im niedergelassenen Bereich ein Gynäkologe/Gynäkologin mit onkologischem Expertenwissen. Nach jahrelanger Tätigkeit an Universitätskliniken und in gynäkologischen Krebszentren möchte PD Dr. Rusch gerade hier nun ein lebenslanger Wegbegleiter von Frauen mit gynäkologischen Krebserkrankungen sein.
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Urologische Tumoren
 13 Min|
Das Bild zeigt eine weiße Computer-Tastatur, auf der ein Stethoskop liegt und eine Taste mit "Testicular Cancer" in rot beschriftet ist.

Die retroperitoneale Lymphadenektomie in der Therapie testikulärer Keimzelltumoren – offen oder robotisch?

Die retroperitoneale Lymphadenektomie (RPLA) ist ein zentraler Baustein der kurativen Therapie testikulärer Keimzelltumoren. Dieser Artikel bewertet die offene und robotisch assistierte RPLA in Abhängigkeit von Tumorhistologie, Krankheitsstadium und Indikation. Die offene RPLA bleibt insbesondere bei komplexen Befunden und in der postchemotherapeutischen Situation der onkologische Standard. Robotische Verfahren sind bei streng selektierten Patienten mit geringer Metastasenlast und hoher chirurgischer Expertise sicher durchführbar, zeigen jedoch bislang keinen gesicherten onkologischen Vorteil. Aufgrund limitierter Evidenz sollte die robotische RPLA ausschließlich in spezialisierten Zentren erfolgen.
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Medizin
 3 Min|

Genetischer Hintergrund steuert individuelle Wege der Krebsentstehung

Warum entwickeln sich Krebserkrankungen bei verschiedenen Menschen unterschiedlich – selbst, wenn sie denselben Risikofaktoren ausgesetzt sind? Eine internationale Forschungsgruppe unter Beteiligung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) hat nun an Mäusen gezeigt, dass die genetische Ausgangsausstattung eines Organismus den Verlauf der Krebsentstehung maßgeblich beeinflusst. Die in Nature veröffentlichten Ergebnisse liefern neue Einblicke in die frühesten Phasen der Tumorentwicklung und könnten langfristig einen wichtigen Schritt hin zu einer präziseren personalisierten Krebsmedizin bedeuten [1].
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