Neuer Bluttest zur Früherkennung des Pankreaskarzinoms
David Meier M.Sc.Das Pankreaskarzinom gehört zu den Krebserkrankungen mit der schlechtesten Prognose – auch weil es meist erst spät erkannt wird. Einen klinisch etablierten Bluttest zur Früherkennung gibt es bislang nicht. Ein internationales Forschungsteam hat nun einen neuartigen Bluttest entwickelt, der eine Signatur aus zehn spezifischen microRNAs mit dem bekannten Tumormarker CA 19-9 kombiniert. In einer Studie mit 1.785 Teilnehmer:innen aus vier Ländern konnte Pankreaskrebs im Frühstadium mit hoher Genauigkeit nachgewiesen werden [1].
Pankreaskarzinom: Früherkennung als große Herausforderung
Das duktale Adenokarzinom des Pankreas (PDAC) ist eine besonders aggressive Krebserkrankung mit schlechter Prognose. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die Erkrankung meist erst spät diagnostiziert wird, wenn bereits fortgeschrittene Stadien vorliegen. Bislang gibt es keinen klinisch relevanten Bluttest, der Pankreaskrebs im Frühstadium zuverlässig erkennen kann – eine einfache, nicht-invasive Früherkennungsmethode, wie sie für andere Krebsarten existiert, fehlt.
Entwicklung eines kombinierten Biomarker-Tests
Eine internationale Forschergruppe entwickelte nun einen Bluttest, der auf microRNAs basiert. Die Wissenschaftler:innen identifizierten eine Signatur aus zehn spezifischen microRNAs, die besonders gut geeignet sind, um Pankreaskrebs zu erkennen. Zusätzlich entwickelten sie einen kombinierten Score namens PANXEON, der diese microRNA-Signatur mit dem bereits bekannten Tumormarker CA 19-9 kombiniert. CA 19-9 wird in der Klinik bereits verwendet, ist als alleiniger Früherkennungsmarker aber nicht ausreichend zuverlässig.
PANXEON: Kombination erhöht die Genauigkeit
Um den Test zu validieren, führten die Forschenden eine Studie mit 1.785 Personen aus vier Ländern durch. Eingeschlossen wurden sowohl Patient:innen mit einer Pankreaskarzinom-Diagnose als auch gesunde Kontrollpersonen und Personen mit erhöhtem Risiko.
Die microRNA-Signatur allein erreichte bereits eine hohe diagnostische Genauigkeit. In der Testkohorte lag die Sensitivität bei knapp 84% für Pankreaskrebs im Frühstadium. Dabei zeigte der Test kaum Kreuzreaktionen mit anderen Krebserkrankungen des Verdauungstrakts. Die Kombination der microRNA-Signatur mit CA 19-9 im PANXEON-Score steigerte die Sensitivität weiter. Diese lag für Pankreaskrebs im Stadium I und II bei knapp 87%. Gleichzeitig waren Fehlalarme selten: Bei gesunden Personen mit niedrigem Risiko betrug die Falsch-Positiv-Rate nur etwa 3%. Selbst bei Personen mit erhöhtem Risiko, beispielsweise aufgrund von Vorerkrankungen, lag sie bei unter 16%.
Test reagiert auf Therapie und Rezidive
In einer kleineren Subgruppe mit 19 Patient:innen untersuchten die Forscher:innen zusätzlich, wie sich die microRNA-Spiegel im Krankheitsverlauf verändern. Dabei zeigte sich, dass während einer Chemotherapie vor der Operation und nach der operativen Tumorentfernung die microRNA-Werte sanken, während sie vor einem Krankheitsrückfall anstiegen.
Erkennung von Hochrisiko-Vorstufen
PANXEON könnte darüber hinaus auch bei der Überwachung von Personen mit Pankreaszysten hilfreich sein, welche sich zu Krebs entwickeln können. Der Test erkannte hochgradige Dysplasien bei etwa 64% der untersuchten Hochrisiko-Patient:innen mit solchen Zysten.
Weitere Studien erforderlich
Trotz der vielversprechenden Ergebnisse betonen die Forscher, dass weitere groß angelegte prospektive Studien notwendig sind, bevor PANXEON in der klinischen Routine eingesetzt werden kann. Insbesondere muss geklärt werden, bei welchen Personengruppen und in welchen klinischen Situationen der Test am besten eingesetzt werden sollte.
Quelle:Xu C. et al. Liquid biopsy for early detection of pancreatic ductal adenocarcinoma. Nat Med (2026), DOI: 10.1038/s41591-026-04625-x.