Moderne Pankreaschirurgie: Standards, Innovationen und Zukunftsperspektiven
Prof. Dr. med. Ulrich Wellner und Prof. Dr. med. Dr. h.c. Tobias Keck MBA, FACSDas duktale Adenokarzinom des Pankreas (PDAC) ist eine der aggressivsten und tödlichsten Krebserkrankungen weltweit und wird aufgrund seiner späten, unspezifischen Symptomatik oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert [1]. Die chirurgische Resektion in Kombination mit einer systemischen Chemotherapie stellt bis heute den einzigen potenziell kurativen Therapieansatz dar [2]. Die traditionelle Beantwortung der Frage, wann ein:e Patient:in dem/der Pankreaschirurg:in vorgestellt werden sollte, war historisch betrachtet relativ eindimensional: Eine Vorstellung erfolgte zumeist dann, wenn die präoperative Bildgebung einen lokal resezierbaren Befund ohne Fernmetastasen zeigte, um eine sofortige Operation („Upfront Surgery“) durchzuführen. Dieses Paradigma hat sich in den letzten Jahren fundamental gewandelt. Die moderne Onkochirurgie begreift das Pankreaskarzinom als eine primär systemische Erkrankung, weshalb die chirurgische Vorstellung idealerweise unmittelbar nach der Diagnosestellung in einem interdisziplinären Tumorboard eines spezialisierten High-volume-Zentrums erfolgen sollte [3]. Der Zeitpunkt der tatsächlichen operativen Intervention hat sich jedoch stark individualisiert. Neue Aspekte in der Entscheidungsfindung umfassen die Abkehr von rein anatomischen Resektabilitätskriterien hin zu einem biologischen Verständnis der Erkrankung (das sog. A-B-C-Klassifikationssystem) [4]. Zudem hat die Etablierung effektiver neoadjuvanter Therapien (NAT) bei borderline-resezierbaren und lokal fortgeschrittenen Tumoren dazu geführt, dass Patient:innen, die früher als inoperabel galten, heute durch komplexe gefäßchirurgische Rekonstruktionen oder das „Arterial Divestment“ kurativ operiert werden können [5]. Gleichzeitig erfordern neue operative Zugänge, wie die robotische Pankreaschirurgie (RPD), sowie das essenzielle Management schwerer postoperativer Komplikationen zur Vermeidung eines „Failure to Rescue“, eine strenge Zentralisierung [6]. Dieser Übersichtsartikel diskutiert die neuesten Entwicklungen und Aspekte, die den optimalen Zeitpunkt der chirurgischen Vorstellung und Intervention beim Pankreaskarzinom definieren, anhand von 5 relevanten Hauptthemen.
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