Journal Onkologie
Prostatakarzinom

Mein familiärer Bezug

Die Generation meiner Eltern hat mir ein ambivalentes Verständnis zu Gesundheitsthemen mitgegeben. Auf der einen Seite wurden Krankheiten thematisiert. Wenn z.B. jemand ein „Schlägle“ hatte (die Bezeichnung der älteren Generation für einen Schlaganfall). Dann wurde so darüber gesprochen, als ob es sich um ein unvermeidbares Schicksal handelte. Herzinfarkt, Lungenkrebs, Raucherbein … das waren in meiner Kindheit Ereignisse, die einfach passierten und mit denen man sich abzufinden hatte.

Gesundheitsfürsorge und -vorsorge passierte in meiner Kindheit nicht – bis auf Impfungen und das Verabreichen von Lebertran oder – später – Multi­vitaminsirup.

Als ich meinen Vater Ende der 1990er Jahre nach seiner Prostata-OP im Krankenhaus besuchte, empfand ich es aus der Sicht des Sohnes traurig, aber es war eine „Ist-halt-so“-Traurigkeit, die in mir nichts Tieferes auslöste. Er sprach auch nicht darüber, was dahintersteckte, warum er operiert wurde, welche Diagnosen vorausgingen und was er in dieser Situation fühlte. Es war ein weiteres Fakt, das sich in seine Bio­grafie einreihte, es hatte nichts mit mir zu tun und löste nichts in mir aus.

Später, in den 2010er Jahren, erzählte er mir am Rande, dass er jetzt „Hormone“ nehme, die zu einem Wachstum seiner Brüste führten und dass das für ihn unerträglich sei, weil er eine schmerzende Spannung im Brustbereich verspürte. Auch damals: Das war „sein Ding“ und wir sprachen darüber auf der Ebene eines Einzelschicksals. Nicht „von Mann zu Mann“ und auch nicht über Fallzahlen, Risiken etc. Trotzdem machte ich mir so langsam für mich Gedanken. Es gab bereits die Möglichkeit, im Internet zu recherchieren und mit Mitte 40 begann ich, zur Vorsorge – oder besser gesagt „Früherkennung“ – zu gehen.

In den 2010er Jahren war es auch, dass ich in meinem beruflichen Umfeld mit einem australischen Kollegen zu tun hatte, der sich irgendwann unvermittelt einen Schnurrbart hat stehen lassen, was an ihm sehr lustig aussah. Immer, wenn wir uns begegneten, lachten wir uns an, bis wir uns schließlich bei einem Kaffee darüber unterhielten und er mir vom Movember erzählte. Und da wurde mir vieles klar.

Bis dahin waren Männergesundheitsthemen und besonders Prostatakrebs ganz weit von mir weg. Ich wusste, dass es das gibt und auch, dass mein Vater ihn in sich trug … Trotzdem war dieses Thema außerhalb meiner eigenen, persönlichen Lebensrealität. Aber klar: Mit 3 Kindern, einem anspruchsvollen Job und vielen zu bedienenden Hobbies kann die Motivation für eine Beschäftigung mit unangenehmen Gesundheitsthemen in der Attraktivität sogar noch hinter das Erstellen einer Steuererklärung zurückfallen.

Mein Vater starb am 26. Oktober 2022, einen Tag vor seinem 91. Geburtstag, an den Folgen eines Herzinfarkts. Seinen Krebsbefund zu diesem Zeitpunkt kenne ich nicht. Das Jahr davor haben wir jedoch intensive Gespräche geführt und seine Lebensgeschichte dokumentiert. Auch bei diesen Gelegenheiten haben wir nicht über seinen Prostatakrebs gesprochen, aber es war ihm immer wieder anzumerken, dass er litt. Bei einem dieser Gespräche präsentierte er mir eine Packung Enzalutamid als seine neuen Tabletten. Nachdem ich die Packungsbeilage gelesen und die Studienlage dazu recherchiert hatte, war das für mich der Einstiegspunkt in eine intensivere Beschäftigung mit dem Thema.

Mein diagnostischer Weg zum Krebsbefund

In der Woche nach dem Tod meines Vaters hatte ich wieder meine „reguläre“ Vorsorge-/Früherkennungs-Untersuchung bei der Urologin meiner Wahl. Es begann ein Diagnostik-Zyklus, der mein Leben veränderte.

Der Tastbefund war unauffällig und die Blutwerte gaben keinen Hinweis für eine Entzündung, aber der PSA-Wert lag plötzlich bei 12,63 ng/ml (f PSA 1,96 ng/ml Quotient 16%). Damit war klar, dass eine weitere Abklärung notwendig war.

Noch im November wurde ein multi­parametrisches Hochfeld-MRT der Pros­tata erstellt. In der Beurteilung hieß es: „(…) suspektes Areal in der peripheren Zone rechts dorsolateral in den mittleren bis basalen Drüsenabschnitten. Kein Anhalt für kapselüberschreitendes Tumorwachstum. Kein Anhalt für pathologisch vergrößerte Lymphknoten oder ossäre Filiae“.

Für mich als Laie hat sich das so gelesen, dass da etwas ist, das weiter untersucht werden sollte. Meine Aufregung war jedoch begrenzt, da sich offensichtlich noch alles in der Prostata selbst abspielte.

Meine Urologin legte mir nahe, der Empfehlung einer stanzbioptischen Abklärung zu folgen, die dann am 12.01.2023 stattfand. Die Therapie war eine „TRUS-geführte, transperineale-stereotaktische Computer-assistierte Fusionsbiopsie der Prostata mit 3D-Rekonstruktionen (…)“ und es handelte sich dabei um eine Erfahrung, die man sich im Leben nicht zwingend als Ziel vornehmen möchte. Ich war froh, als es vorbei war und ein paar Tage später kam dann auch der Befund aus der Pathologie:

„Adenokarzinom der Prostata in Zylinder 5/9. Prozentsatz der betroffenen Zylinder: 55%“

Das war für mich auf der einen Seite – neutral gesagt – ernüchternd, aber auf der anderen Seite empfand ich es noch nicht bedrohlich, denn im Arztbrief stand auch:

„UCSF Capra-Score: 4 points intermediate risk – D’Amico Score: low risk – ISUP 2014 und WHO 2016: Prognosegruppe 1: GISc=6“

Es schien also alles noch ohne großen Aufwand oder Einschränkung in der Lebensqualität „beherrschbar“ zu sein – jedenfalls stellte es sich für mich so dar.

Erst später, als ich mich noch intensiver mit meiner Thematik auseinandergesetzt hatte, wurde mir klar, dass an dieser Stelle die Diagnostik erstmal zu Ende hätte sein können. Sowohl MRT als auch Biopsie hätten so interpretiert werden können, dass eine „Active Surveillance“ gerechtfertigt gewesen wäre, zumal es keine dringenden Hinweise auf eine Metastasierung gab.

Trotzdem empfahl mir meine Urologin aufgrund des hohen PSA-Werts, zur Sicherheit ein PSMA-PET/CT durchzuführen. Dies erfolgte am 03.02.2023. Es war der Tag, der mein Leben veränderte.

Nach der Untersuchung empfing mich der Radiologe zur Nachbesprechung mit den Worten, ich solle meiner Urologin dankbar sein, dass sie mich geschickt hat, denn es hätte in 6 Monaten bereits ganz anders aussehen können. Long Story short: Der beunruhigende Teil des Arztbriefs lautet:

Multiple, teils kleine und kleinste Lymphknotenmetastasen mit aber starker PSMA-Expression iliaco extern und intern rechtsseitig sowie iliaco-commun rechtsseitig und ein einzelner kleiner Lymphknoten iliaco-commun linksseitig. Darüber hinaus mehrere kleine Lymphknotenmetastasen dorsal der V. cava inferior sowie um die Aorta und hochgradiger Verdacht auf 2 Lymphknotenmetastasen mediastinal zwischen Aorta descendens und Oesophagus und 3 kleine weitere Lymphknotenmetastasen im Virchow Abstromgebiet linksseitig retro-/supraklavikulär.

Kein eindeutiger Nachweis einer ossären Filialisierung. Es zeigt sich aber eine fokale mäßige PSMA-Expression ohne jegliches Korrelat in der Computertomographie in BWK 11. Falls von klinischer Relevanz, hier gegebenenfalls ergänzende MRT zur weiterführenden Beurteilung, um eine initiale Knochenmetastase möglichst frühzeitig erkennen zu können.

Das war mein Einstieg in meine Dia­gnose „fortgeschrittener Prostatakrebs“, aber es blieb die Frage offen, ob er nicht bereits schon weiter in den Bereich des BWK 11 gestreut hatte. Meine Urologin hatte sich in Vorbereitung unserer Nachbesprechung bereits mit weiteren Spezialisten vom Klinikum rechts der Isar in München besprochen und stellte die Frage in den Raum, ob es sein könne, dass ich noch etwas anderes habe. Zu untypisch ist das Ergebnis von MRT und Biopsie gegenüber dem Ergebnis des PSMA-PET/CT. Aber das Feedback vom Tumorboard in der Woche darauf war eindeutig. In dieser Konstellation mit Gleason-Score 3+3=6 ist eine Metastasierung bis zum Virchow-Lymphknoten zwar selten, aber nicht unmöglich und ich bin in diesem Fall einer derjenigen, der die Statistik mit Diagnosen geringer Wahrscheinlichkeit versieht.

Und dann? Mein Leben seither

Meine erste Reaktion nach dem PSMA-PET/CT war der Gedanke „Jetzt ist dieser Scheiß-Krebs auch in unserer Familie angekommen.“ Es tat weh. Ich war betroffen und habe mir direkt die Frage gestellt, wie mit dieser neuen Situation umzugehen ist. Im Grunde gab es 3 Perspektiven: Ich selbst, Family und Friends sowie mein Job.

Ich selbst habe für mich beschlossen, sehr offen mit meiner Erkrankung umzugehen. Anders als unsere Elterngeneration oder mein Vater habe ich die Diagnose nicht nur als persönliche Herausforderung verstanden, mit der ich allein fertig werden muss, sondern als Thema, bei dessen Bewältigung ich auf externe Hilfe angewiesen sein werde. Direkt nach der Diagnose habe ich einen Vertrauensmenschen eingebunden, um wenigstens einen Sparringspartner zu haben für das, was kommt. Es flossen viele Tränen, aber unser Blick richtete sich immer nach vorn. Und so war mein erster Schritt, einen Termin bei der psychosozialen Krebsberatungsstelle der Bayerischen Krebsgesellschaft e.V. [2] anzufragen. Dies ging auch sehr flott und die 2 Gespräche, die ich führen konnte, haben mich gut weitergebracht – ergänzend zu den ganzen medizinischen Themen, die noch parallel zu klären waren.

Meine Patchwork-Familie besteht hauptsächlich aus meinen 3 Kindern (zu dem Zeitpunkt 17, 19 und 20 Jahre), meiner in Freundschaft verbundenen Ex-Frau, meinen Geschwistern und meiner Mutter. Da meine Ex-Frau und ich „Lebensvertraute“ sind, war sie meine erste Ansprechpartnerin und wir haben uns gemeinsam überlegt, wie wir es den Kindern sagen. Wir waren uns schnell einig, dass ich es ihnen sagen sollte, wenn wir alle zusammen sind. Der richtige Zeitpunkt dafür war schwer zu finden, aber Anfang März waren schließlich alle Kinder wieder im Land und die Verkündung erfolgte im Rahmen eines Familienessens. Selbstverständlich waren sie geschockt und natürlich wollten sie alles wissen: die Befunde, Symptome, die Aufnahmen des PSMA-PET/CTs und alles, was erwachsene Kinder noch interessieren könnte. Es war ein sehr offenes und intensives, emotionales Gespräch, das uns miteinander verband. Für den Tag darauf hatte ich – wieder bei der Bayerischen Krebsgesellschaft e.V. – einen Beratungstermin gemeinsam mit den Kindern vereinbart, in dem wir die neue Information aufgearbeitet haben. Damit verbunden war eine kleine Familienaufstellung, die sehr eindrücklich gezeigt hat, dass uns dieses Ereignis einander nähergebracht hat. Das waren sehr bewegende Momente, die ich im Nachhinein nicht missen möchte und die uns als Familie sehr gutgetan haben.

Die Information der weiteren Familie, insbesondere meiner Geschwister, verlief emotional, aber ohne besondere Überraschungen. Nur meiner Mutter habe ich die Information bis heute erspart – sie würde es wohl am härtesten treffen.

Auch bei meiner Arbeit habe ich mich von Anfang an für Offenheit entschieden – zumal ich eh nicht der Typ bin, der sich verstellen kann – mir merkt man schon ganz gut an, wenn etwas ist. Dazu muss man wissen, dass ich in einer Business- und IT-Beratung und in einem exponierten Senioritäts-Level arbeite und zum Zeitpunkt der Diagnose in einem internationalen Projektumfeld als „Agile Master“ tätig war. Sobald die Diagnose bestätigt und die weiteren Therapieschritte besprochen waren, habe ich unsere Geschäftsleitung, meine disziplinarische Führungskraft und mein Team eingeweiht. Gegenüber dem Kunden hielt ich mich zunächst zurück, mir war aber klar, dass dies nicht auf Dauer durchzuhalten war.

Die Kolleg:innen waren einfach wunderbar. Wenn sie sagten, dass ich mir die Zeit nehmen solle, die ich brauche, dann war das nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern sie haben es genau so gemeint. Und bis heute (ja, ich bin noch immer im Arbeitsprozess) erfahre ich einen solchen Rückhalt – es ist einfach unglaublich und ich bin sehr, sehr dankbar, diese Unterstützung erfahren zu haben – wohlwissend, dass dies nicht die Regel ist.

Um darauf zurückzukommen, wie es nach der Diagnose weiterging: Nach der einhelligen Meinung des Tumorboards hat meine Urologin zügig eine erweiterte Hormontherapie mit Leuprorelinacetat und Apalutamid initiiert. Langsam hat sich mein Körper umgestellt und mit der neuen Situation vertraut gemacht. Ein signifikanter Meilenstein war, als ich nach ca. 4-6 Wochen den Verlust jeglicher Libido realisierte – verbunden mit dem, was im Fachbegriff als „erektile Dysfunktion“ bezeichnet wird. Aufgefallen ist mir das dadurch, dass die übliche morgendliche Erektion immer öfter ausblieb und mein sexuelles Interesse bis auf Null zurückging. Im Nachhinein muss ich froh sein, zu dieser Zeit und bis heute nicht in einer Beziehung zu sein und stelle es mir sehr schwierig vor, diese Transformation im Kontext einer Paarbeziehung oder Ehe vollziehen zu müssen. Nicht umsonst war der bestbesuchte Vortrag der Reha nach meiner OP im Jahr darauf genau der zu diesem Thema.

Für mich habe ich diese Veränderung in Richtung einer hormonbedingten Asexualität sehr interessiert wahrgenommen und finde es bis heute im Grunde nicht negativ, wobei ich wie gesagt in der „privilegierten“ Situation bin, nicht in einer Beziehung zu leben und die sich daraus ergebenden Erwartungen und Handlungen erfüllen zu müssen.

Nach einigen Monaten ergab sich jedoch eine schwierige Situation, die bei mir zu einem längeren Ausfall und damit auch zu einem Rückzug aus Projekten mit externen Kunden führte. Als es wieder wärmer wurde, stellte sich heraus, dass Apalutamid mit Nebenwirkungen verbunden war, mit denen ich nicht zurechtkam. Konkret ging es darum, dass meine Hände bei Hitze stark anschwollen und einen unerträglichen Juckreiz entwickelten. Darüber hinaus entwickelte ich extreme Hitzewallungen und Schweißausbrüche, die mich stark belasteten – insbesondere dann, wenn ich z.B. gerade einen Workshop für meine Kunden moderiert habe. Es kam vor, dass ich in einem 2-stündigen Meeting, bei dem ich einen aktiven Part hatte, 3x mein Hemd durchgeschwitzt habe und es auch dementsprechend roch.

Daraufhin hat meine Urologin die Therapie angepasst und Apalutamid ersetzt. Als ich die neuen Tabletten in der Apotheke entgegennahm und realisierte, um was es sich handelte, fiel ich in ein abgrundtiefes Loch. Es handelte sich nämlich um Enzalutamid: Genau jene Tabletten also, die mein Vater in den letzten Monaten vor seinem Tod genommen hat. Ich konnte mir noch so oft einreden, dass der therapeutische Kontext bei mir ein anderer war, es half alles nichts: Ich war am Boden, unfähig geradeaus zu denken und selbst die Termine mit der Psychoonkologin, mit der ich inzwischen gearbeitet hatte, konnte mit meinen „Fragen an das Leben“ dieses Tal, das ich durchschritt, nicht überbrücken. Am Ende war ich fast 6 Monate „außer Betrieb“. Nicht nur die psychischen Themen und deren Begleiterscheinungen waren belastend, auch die Diskussionen um die weitergehenden Therapieschritte führten zu Fatigue, Antriebslosigkeit, körperlicher Schwäche und allen anderen Nebenwirkungen, die auf den Beipackzetteln von Apalutamid, Enzalutamid & Co. zu finden sind.

Es stellte sich die Frage, ob nun eine Strahlentherapie oder eine Pros­tata-OP folgen solle. Zunächst war ich ein Freund der Strahlentherapie – die Belastung stellte sich jedoch als für mich nicht handhabbar dar. Und zwar aus einem einfachen Grund: Die mit der Strahlentherapie verbundene Anforderung „volle Blase – leerer Darm“ war für mich unerfüllbar. Allein bei der vorbereitenden Justierung der Systeme sprang ich bestimmt 3x vom Tisch, weil ich die Blase nicht halten konnte. Es war mir unvorstellbar, über einen Zeitraum von 7 Wochen jeden Tag mit voller Blase und leerem Darm bereit zu sein – zumal ich schon mein ganzes Leben lang mit den Eigenheiten einer sensiblen Blase (schwäbisch: „Konfirmandenbläsle“) zu tun hatte. Die Vorstellung, daran scheitern zu können, hat mich derart in Stress versetzt, dass ich meine Entscheidung noch einmal hinterfragte. So entschied ich mich – einen Tag, bevor die Strahlentherapie hätte beginnen sollen, doch noch für die Operation, die im Dezember 2023 unter Prof. Dr. Gschwend stattfand. Und das war wahrscheinlich gut so. Der pathologische Befund bestätigte die bisher diagnostizierte Metastasierung und ergab die Typisierung ypT2a ypN1.

Nach der OP folgte die Reha und die berufliche Wiedereingliederung im April 2024.

Leben und Arbeiten mit Prostatakrebs ist eine ganz besondere Erfahrung. Einer meiner Chefs meinte, als ich mich ihm offenbarte, dass ich mein „neues Normal“ finden müsse. Das ist mir in Erinnerung geblieben, denn meine Erkenntnis nach inzwischen fast 3 Jahren der Diagnose ist, dass es dieses „neue Normal“ nicht gibt. Mehr denn je kommt es mir so vor, als ob mein Leben aus kontinuierlicher Veränderung besteht. So ist meine Hormontherapie inzwischen weiter angepasst auf eine Kombination von Triptorelin und Darolutamid – und es wird nicht die letzte Stufe der Anpassung sein. Immer wieder kommt es mir so vor, als ob mein Körper anfangs gutmütig auf etwas Neues reagiert, bevor er feststellt, dass eh alles auf das Gleiche hinausläuft. Ich habe keine Angst und rechne vor jeder Quartalsuntersuchung mit allem – und selbst wenn meine Krebszellen nun so langsam die sog. „Kastrationsresistenz“ erreichen und sich wieder ausbreiten würden … ich wäre darauf vorbereitet. Die Krankheit hat mich Demut und Gleichmut gelehrt.

Ja, ich habe körperliche Einschränkungen, Stressresistenz und Konzentrationsfähigkeit sind nicht mehr so ausgeprägt wie vor der Diagnose und ich achte immer stärker darauf, dass das, was ich mache und wofür ich mich engagiere, Sinn ergibt.

Und so bin ich sehr froh, mich im Movember für Männergesundheit engagieren zu können. Mein Schwerpunkt liegt hierbei nicht nur darauf, Geld zu sammeln (was ich natürlich auch sehr gerne mache), aber mir geht es hauptsächlich darum, Männer zu sensibilisieren, RECHTZEITIG zum Arzt zu gehen. Schau Dir gern zum Beispiel den Fernsehbeitrag aus 2025 [3] oder die Dokumentation zu meiner Performance 2024 [4] an. Und wenn Du Lust und Interesse hast, dann lass uns doch für Movember 2026 eine gemeinsame Aktion planen. Ich teile meine Geschichte und meine Erfahrungen gern, und gebe auch gern Einblick in Problematiken, die üblicherweise tabuisiert werden. Schreib mich gerne an!

Thomas Funk

Thomas Funk

Movember-Botschafter und Prostatakrebs-Patient,

thomasfunk01@googlemail.com

Literatur:

(1)

Movember ist eine weltweit führende Initiative, die durch das Wachsenlassen von Oberlippenbärten im November Spenden und Aufmerksamkeit für die Männergesundheit generiert – insbesondere in den Bereichen Prostatakrebs, Hodenkrebs sowie mentale Gesundheit und Suizidprävention. Weitere Informationen unter www.movember.com.

(2)

Krebsberatung | Bayerische Krebsgesellschaft e.V., https://www.bayerische-krebsgesellschaft.de/krebsberatungsstellen/

(3)

Beitrag in der Abendschau des Bayerischen Rundfunks vom 6.11.2025, abrufbar unter: https://www.ardmediathek.de/video/abendschau/movember-mit-schnurrbart-fuer-maennergesundheit-werben/br/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9GMjAyNFdPMDE3MDk5QTAvc2VjdGlvbi9kNWUzODRiNC0yMjQ5LTQ5YjUtYmMzMy0xM2VlNWVmMjc3Yjc

(4)

Dokumentation über meine Performance 18:03:20 am ZKM in Karlsruhe 2024, abrufbar unter: https://youtu.be/jjb9E-0XLfQ?si

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