Chemoimmuntherapie bei fortgeschrittenen Ösophagus- und Magenkarzinomen in der klinischen Praxis
David Meier M.Sc.Chemoimmuntherapie hat in klinischen Studien das Überleben von Patient:innen mit fortgeschrittenen ösophagogastralen Karzinomen verbessert. Doch wie sehen die Ergebnisse in der täglichen klinischen Praxis aus? Eine multizentrische retrospektive britische Studie mit 76 Patient:innen liefert nun Antworten.
Chemoimmuntherapie mit Pembrolizumab oder Nivolumab
Chemoimmuntherapie hat in Phase-III-Studien bei fortgeschrittenen ösophagogastralen Karzinomen das Überleben im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie verbessert. Allerdings sind Real-World-Daten bislang begrenzt. Die Studie evaluierte die Wirksamkeit und Sicherheit einer Erstlinientherapie mit Pembrolizumab- oder Nivolumab-basierter Chemoimmuntherapie in der klinischen Routineversorgung.
Dazu wurde eine retrospektive, multizentrische Kohortenstudie durchgeführt mit Patient:innen, die an nicht resezierbaren oder metastasierten Karzinomen der Speiseröhre, des gastroösophagealen Übergangs oder des Magens litten. Die Patient:innen wurden zwischen April 2021 und Juli 2024 an zwei tertiären Zentren in Großbritannien mit Erstlinien-Chemoimmunotherapie behandelt. Insgesamt wurden 76 Patient:innen eingeschlossen. Von diesen waren 59,2% 65 Jahre oder älter, 81,6% hatten ein Adenokarzinom und 71,1% wiesen eine metastasierte Erkrankung auf.
Medianes OS von 16 Monaten
Bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von elf Monaten waren 46 Todesfälle aufgetreten. Das mediane OS betrug 16,0 Monate (95%-Konfidenzintervall (KI) 11,0–20,9 Monate), und das mediane PFS betrug 8,0 Monate (95% KI 6,8–9,2 Monate). Eine Krankheitskontrolle wurde bei 80,3% der Patient:innen erreicht. Diese war mit einem deutlich verbesserten Gesamtüberleben im Vergleich zu Patient:innen mit progressiver Erkrankung assoziiert (17,0 Monate versus 4,0 Monate; p<0,001). Die Überlebensergebnisse unterschieden sich nicht signifikant nach Tumorlokalisation, Histologie oder verwendetem Immuntherapeutikum (Pembrolizumab oder Nivolumab).
Immunvermittelte Nebenwirkungen bei 40,8% der Patient:innen
Immuntherapie-assoziierte unerwünschte Ereignisse traten bei 31 Patient:innen (40,8%) auf. Toxizitäten vom Grad ≥3 wurden bei 13,2% der Patient:innen beobachtet. Zwei Patient:innen verstarben an behandlungsbedingten Komplikationen. Insgesamt war die Toxizität jedoch handhabbar und vergleichbar mit den Sicherheitsprofilen aus klinischen Zulassungsstudien.
Explorative Analysen deuteten auf mögliche Zusammenhänge zwischen dem Überleben und der Lymphozytenzahl sowie dem Neutrophilen-Lymphozyten-Verhältnis zu Studienbeginn hin. Allerdings erreichten diese Assoziationen keine statistische Signifikanz.
Weitere Studien mit Biomarker-Evaluation nötig
In dieser Real-World-Studie zeigte die Erstlinien-Chemoimmunotherapie Überlebensergebnisse, die mit denen aus klinischen Zulassungsstudien vergleichbar sind, bei handhabbarer Toxizität. Diese Ergebnisse unterstützen den Einsatz von Chemoimmunotherapie in der klinischen Routinepraxis. Die Autoren betonen jedoch, dass prospektive kollaborative Studien mit Biomarker-Evaluation erforderlich sind, um die Patientenselektion zu optimieren und Prädiktoren für Therapieansprechen und Toxizität besser zu definieren.
Quelle:Birch-Ford J. et al. (2026) Real-Life Outcomes of First-Line Palliative Chemoimmunotherapy in Oesophago-Gastric Cancers: A Multi-Centre Retrospective Cohort Study, Cancers 18, no. 10: 1522, DOI: 10.3390/cancers18101522.