Journal Onkologie
Editorial
Prof. Dr. Axel Heidenreich
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Prof. Dr. Axel Heidenreich

Testikuläre Keimzelltumoren des Typs II, unterteilt in ­Seminome und Nicht-Seminome, sind die häufigste maligne Erkrankung junger Männer. Neue molekulare Erkenntnisse zur Tumorentstehung und Therapieresistenz präsentieren Prof. Dr. rer. nat. Daniel Nettersheim und Kolleginnen. Für die kurative Therapie testikulärer Keimzelltumoren stellt die retroperitoneale Lymphadenektomie (RPLA) einen zen­tralen Baustein dar.

In meinem Beitrag erörtere ich die offene und robotisch assistierte RPLA in Abhängigkeit von Tumorhistologie, Krankheitsstadium und Indikation. Die offene RPLA bleibt insbesondere bei komplexen Befunden und in der postchemotherapeutischen Situation der onkologische Standard. Robotische Verfahren sind bei streng selektierten Patienten in Zentren mit spezialisierter chirurgischer Expertise sicher durchführbar, zeigen jedoch bislang keinen gesicherten onkologischen Vorteil. Aufgrund der klinischen Vielfalt der Keimzelltumoren mit mehr als 20 verschiedenen Risikokonstellationen stellen Prof. Dr. Klaus-Peter Dieckmann und Dr. Markus Angerer in ihrem CME-Artikel differenzierte Nachsorgeempfehlungen vor. Diese unterscheiden sich von den S3-Leitlinien insbesondere durch den Ersatz der Computertomographie durch Magnetresonanztomographie aus Strahlenschutzgründen. Da die Heilungsrate bei testikulären Keimzell­tumoren v.a. bei jungen Patienten über 90% beträgt, steht heutzutage die langfristige Lebensqualität im Fokus: Zu den therapieassoziierten Spätfolgen gehören u.a. kardiovaskuläre Risiken, Sekundärmalignome, Neuro- und Ototoxizität sowie die psychische Belastung des Patienten. Dr. Jonas Beckmann et al. diskutieren den Einfluss von Behandlungsstrategie und Tumortyp auf die Langzeitmorbidität. Dr. Maren Wolf und Kolleg:innen widmen sich in einer CME-Fortbildung den ovariellen Keimzelltumoren, die etwa 5% der malignen Ovarialtumoren ausmachen, jedoch die häufigste Tumor­entität bei Kindern und jungen Frauen darstellen. Das Dysgerminom stellt den häufigsten malignen Subtyp dar. Trotz teils aggressiven Verlaufs ist die Prognose mit Überlebensraten von über 90% sehr günstig.

Im Hämatologie-Schwerpunkt befasst sich Prof. Dr. Gabriele Escherich mit den Spättoxizitäten nach Behandlung der akuten lymphatischen Leukämie im Kindesalter. Die Fortschritte in der Therapie hat Heilungsraten über 90% ermöglicht, doch Spätfolgen manifestieren sich häufig erst Jahre nach Therapieabschluss und die Erfassung dieser Spätfolgen ist bislang unzureichend standardisiert.

PD Dr. Johannes Lübke und Kolleg:innen stellen schließlich die differentialdiagnostische Abklärung klonaler Eosinophilien vor. Der Nachweis spezifischer Fusionsgene ist dabei von entscheidender therapeutischer Bedeutung, da bei definierten genetischen Aberrationen zielgerichtete Therapien angewendet werden können.

Eine informative Lektüre wünscht

Ihr Univ.-Prof. Dr. Axel Heidenreich