NSCLC: Protonenpumpenhemmer und Antibiotika können Immuntherapie beeinträchtigen
David Meier M.Sc.Protonenpumpeninhibitoren (PPI) und Antibiotika gehören zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten. Doch diese Begleitmedikamente könnten die Wirksamkeit von Immuntherapien beeinträchtigen. Dies zeigt eine Post-hoc-Analyse der PACIFIC-Studie mit Patient:innen mit nicht operablem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) im Stadium III. Die Einnahme von PPI oder Antibiotika kurz vor Beginn der Immuntherapie mit Durvalumab war mit einem schlechteren Krankheitsverlauf verbunden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass beide Medikamentengruppen die Darmflora verändern und dadurch die Immunantwort schwächen.
Durvalumab als Standardtherapie beim NSCLC
Die PACIFIC-Studie hatte vor einigen Jahren einen wichtigen Durchbruch bei der Behandlung des NSCLC gebracht. Patient:innen, die nach einer Radiochemotherapie keinen Krankheitsfortschritt zeigten, profitierten deutlich von einer anschließenden Immuntherapie mit Durvalumab. Diese Behandlungsstrategie wurde zum Standard. Doch nicht alle Patient:innen sprechen gleich gut auf diese Therapie an.
Einfluss häufig verwendeter Begleitmedikamente auf Durvalumab-Therapie
Ein internationales Forschungsteam untersuchte nun in einer nachträglichen Analyse der PACIFIC-Studie, ob zwei besonders häufig eingesetzte Medikamentengruppen die Wirksamkeit von Durvalumab beeinflussen: PPI, die bei Sodbrennen und Magenschutz eingesetzt werden, und Antibiotika gegen bakterielle Infektionen. Beide Medikamentengruppen werden sehr häufig verschrieben – auch bei Krebspatient:innen. Bekannt ist, dass sie die Zusammensetzung der Darmflora verändern können. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass das Darmmikrobiom eine wichtige Rolle für die Wirksamkeit von Immuntherapien spielt. Werden die Darmbakterien durch Medikamente verändert, könnte das die Immunantwort schwächen und damit auch den Erfolg der Immuntherapie beeinträchtigen.
Die Forscher:innen werteten die Daten von 713 Patient:innen mit nicht operablem NSCLC im Stadium III aus. Alle hatten nach einer Radiochemotherapie entweder Durvalumab oder Placebo erhalten. Untersucht wurde, ob in den 30 Tagen vor Beginn der Durvalumab-Behandlung Protonenpumpenhemmer oder Antibiotika eingenommen wurden, und ob sich das auf den Krankheitsverlauf auswirkte.
Negativer Einfluss von PPI und systemischen Antibiotika
Bei Patient:innen der Durvalumab-Gruppe ging die Einnahme von PPI mit einem kürzeren progressionsfreien Überleben (PFS) sowie Gesamtüberleben (OS) einher. Die Anwendung systemischer Antibiotika war in der Durvalumab-Gruppe mit einem kürzeren PFS, nicht aber mit einem kürzeren OS assoziiert:
PPI vs. kein PPI (Durvalumab-Gruppe)
PFS: 9,4 Monate vs. 17,2 Monate; Hazard Ratio (HR): 1,57; 95% Konfidenzintervall (KI): 1,28 – 1,93; p < 0,0001
OS: 3,0 Monate vs. 57,9 Monate; HR: 1,66; 95% KI: 1,30 – 2,13; p < 0,0001
Antibiotika vs. keine Antibiotika (Durvalumab-Gruppe)
PFS: 9,2 Monate vs. 15,6 Monate; HR: 1,50; 95 % KI: 1,08 – 2,10; p = 0,016
OS: 37,7 Monate vs. 49,2 Monate; HR: 1,33; 95 % KI: 0,90 – 1,97; p = 0,16
Der negative Effekt zeigte sich ausschließlich in der Durvalumab-Gruppe – nicht bei den Patient:innen, die Placebo erhalten hatten.
Empfehlung zu überlegtem Einsatz von PPI und Antibiotika
Da es sich hierbei um eine nachträgliche Analyse handelt, die bei der Planung der ursprünglichen PACIFIC-Studie nicht vorgesehen war, wurde auch nicht erfasst, wie lange die entsprechenden Medikamente eingenommen wurden und wie die genaue Dosierung aussah. Möglicherweise wurden die Medikamente häufiger bei ohnehin kränkeren Patient:innen eingesetzt. Die Autor:innen betonen daher, dass die Ergebnisse nicht als Empfehlung zu verstehen sind und PPI oder Antibiotika bei Patient:innen unter Durvalumab nicht grundsätzlich zu vermeiden sind. Vielmehr sollten PPI und Antibiotika zurückhaltend und nur bei klarer Indikation eingesetzt werden.
Quelle:Brunetti L. et al. Differential impact of proton pump inhibitors and antibiotics on immunotherapy efficacy after chemoradiotherapy in locally advanced non-small-cell lung cancer: a post-hoc analysis of the PACIFIC trial, the Lancet Oncology 2026, DOI: 10.1016/S1470-2045(26)00191-9.