Neuer Radiohybrid-Ansatz für passgenauere Prostatakrebs-Therapie
Prostatakrebs zählt weltweit zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Männern. Bei fortgeschrittenen, metastasierten Tumoren fehlen jedoch oft präzise Werkzeuge, um Strahlentherapien individuell zu planen. Ein Forschungsteam um Dr. Constantin Mamat vom Institut für Radiopharmazeutische Krebsforschung am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) hat nun einen neuartigen Diagnoseansatz erprobt, der zwei bildgebende Verfahren kombiniert und den Weg zu einer passgenauen Strahlentherapie ebnen könnte. Die Wilhelm Sander-Stiftung förderte die Studie mit 166.000 Euro. Die Ergebnisse wurden im Journal of Medicinal Chemistry veröffentlicht.
Zielgerichtete Alpha-Therapie braucht präzise Bildgebung
Bei metastasiertem Prostatakarzinom, das trotz hormoneller Behandlung fortschreitet, sind die Optionen begrenzt. Eine vielversprechende Methode ist die zielgerichtete Alpha-Therapie mit Actinium-225, die Krebszellen über das Oberflächenprotein PSMA gezielt von innen zerstört. Damit die Dosis individuell geplant werden kann, muss vorab bekannt sein, wie sich das Medikament im Körper verteilt – eine kurze PET-Sichtbarmachung reicht dafür oft nicht aus.
Radiohybrid-Ansatz kombiniert PET und SPECT
Das HZDR-Team entwickelte deshalb Verbindungen, die chemisch identisch mit dem Therapiemolekül sind, aber mit zwei verschiedenen Diagnosenukliden markiert werden können: Lanthan-133 für hochauflösende PET-Bilder und Iod-123 für die SPECT-Bildgebung, das dank längerer Halbwertszeit noch 44 Stunden nach der Injektion Aufnahmen erlaubt. „Mit unserem Radiohybrid-Ansatz können wir erstmals dasselbe Molekül mit zwei Diagnosenukliden markieren und beobachten, wie es sich im Körper verhält, ohne das Molekül selbst zu verändern“, fasst Studienleiter Dr. Constantin Mamat zusammen.
Tumoraufnahme ähnlich, Unterschiede im Blutkreislauf
In Zellkultur- und Mausexperimenten erkannten alle Verbindungen den Tumoranker PSMA zuverlässig, und die Tumoraufnahme war unabhängig vom verwendeten Radionuklid nahezu identisch – ein zentraler Beleg für den Radiohybrid-Ansatz. Überraschend blieben die Iod-markierten Verbindungen jedoch etwas länger im Blutkreislauf als ihre Lanthan-Pendants, wofür die genaue Ursache noch offen ist. „Das zeigt, dass selbst identische Moleküle je nach Position des Radionuklids unterschiedliche Eigenschaften besitzen können – ein wichtiger Hinweis, beide Diagnose-Strategien gründlich zu testen, bevor sie für die Dosisplanung genutzt werden“, erklärt Co-Autor Dr. Martin Ullrich.
Perspektive für personalisierte Krebsmedizin
Die Ergebnisse zeigen: Das Diagnosemolekül bildet die Tumoraufnahme des Therapeutikums zuverlässig ab. Wissen Ärzt:innen genau, wie sich das Medikament im Körper verteilt, lässt sich die Strahlendosis individuell berechnen – hoch genug für den Tumor, schonend genug für gesundes Gewebe. Das Dresdner Team plant, die vielversprechendste Verbindung schrittweise in Richtung klinischer Erprobung zu führen.
Quelle:Wilhelm Sander-Stiftung
Literatur:
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Krönke T et al. (2026) Diagnostic Twins: Exploring the Radiohybrid Concept with Iodine-123 and Lanthanum-133 for PSMA-Targeted SPECT and PET Imaging, Journal of Medicinal Chemistry, DOI: 10.1021/acs.jmedchem.6c00161