Hautkrebs finden, bevor er sichtbar wird
Forschende der FAU kombinieren optische Diagnosemethode mit KI-gestützter Bilderkennung
Bislang setzte die Diagnostik von Hauttumoren eine sichtbare Hautveränderung voraus. Dabei ist die sogenannte Line-Field Confocal Optical Coherence Tomography (LC-OCT) eine etablierte Untersuchungsmethode. Nun haben Forschende der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) um Dr. Moritz Ronicke von der Hautklinik des Uniklinikums Erlangen einen neuen Ansatz entwickelt: In einer Machbarkeitsstudie hat das Team ein Verfahren vorgestellt, bei dem mit KI-gestützter Bilderkennung systematisch die gesamte Gesichtshaut von Risikopatient/innen gescannt wird [1]. Erstmals konnten die Forschenden damit Basalzellkarzinome ohne sichtbare Hautveränderung detektieren.
Das Basalzellkarzinom: weltweit häufigste Hautkrebsart
Das Basalzellkarzinom ist weltweit die häufigste Hautkrebsart, die die lokal zerstörerisch wächst und daher besonders im Gesicht im Verlauf Strukturen wie Nase oder Augen schädigen kann. „Wird ein Basalzellkarzinom allerdings frühzeitig entdeckt, sind meist schonendere Behandlungsoptionen möglich“, sagt Dr. Moritz Ronicke. „In manchen Fällen würde zum Beispiel bereits eine Creme zur Behandlung ausreichen.“
LC-OCT liefert dreidimensionale Aufnahmen der Haut in hoher Auflösung
Die LC-OCT kombiniert zwei Techniken: die optische Kohärenztomographie (OCT), mit der sich Tumordicke und Ausdehnung erkennen lassen, und die konfokale Mikroskopie (LC: Line-field Confocal Microscopy), die scharfe Bilder auf zellulärer Ebene ermöglicht. Das Ergebnis sind vertikale, horizontale und dreidimensionale Aufnahmen der Haut in Echtzeit mit einer Auflösung im Mikrometerbereich, also einem Tausendstel Millimeter. Zum Vergleich: ein menschliches Haar ist rund 50 Mikrometer dick.
Die Rolle der Künstlichen Intelligenz
Die KI liefert dabei in Echtzeit einen farbcodierten Wahrscheinlichkeitswert für das Vorliegen eines Basalzellkarzinoms. Damit können Ärzt:innen verdächtige Areale auf einen Blick erkennen. Die Diagnose stellen weiterhin aber die Ärzt:innen selbst.
Zukünftige Einsatzbereiche
Die Früherkennung von Basalzellkarzinomen und Erfolgskontrolle nichtinvasiver Therapien mittels LC-OCT findet bereits im Alltag statt. „Mit unserem neuen Ansatz des sogenannten SUBSCANS würden Patient/-innen mit hohem Hautkrebsrisiko noch frühzeitigere Diagnosen erhalten“, erklärt Moritz Ronicke. „Würde der SUBSCAN zukünftig routinemäßig durchgeführt, könnte dies dazu führen, dass mehr Basalzellkarzinome mittels Cremetherapie behandelt und in den Fällen somit auch auf eine Operation verzichtet werden könnte.“ Momentan kann solch ein SUBSCAN allerdings noch nicht im Routinebetrieb angeboten werden, da Daten zur Sensitivität der Methode fehlen und der zeitliche Aufwand noch zu hoch ist.
Quelle:Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Literatur:
- (1)
Ronicke M et al. (2026) AI-Assisted Line-Field Confocal Optical Coherence Tomography to Detect Subclinical Basal Cell Carcinoma, JAMA Dermatology, DOI: 10.1001/jamadermatol.2026.2992