Leichter Anstieg bei Darmkrebs unter 50 Jahren
Darmkrebs gilt als Erkrankung des höheren Lebensalters. Eine neue Auswertung deutscher Krebsregister zeigt jedoch, dass die Zahl der Darmkrebs-Neuerkrankungen bei jüngeren Erwachsenen in den vergangenen zwei Jahrzehnten leicht angestiegen ist. Betroffen sind vor allem Menschen zwischen 20 und 39 Jahren. Die Ergebnisse beruhen auf Daten aus zehn deutschen Krebsregistern und umfassen den Zeitraum von 2003 bis 2023.
Als „früh auftretende" Darmkrebserkrankungen (Early-Onset Colorectal Cancer, EOCRC) gelten Erkrankungen vor dem 50. Lebensjahr. Doch Berichte über steigende Darmkrebs-Fallzahlen bei jüngeren Menschen – insbesondere aus den USA – motivierten Wissenschaftler:innen der deutschen Landeskrebsregister, die Erkrankungssituation in Deutschland unter die Lupe zu nehmen.
Ausgeprägter Anstieg bei den Jüngsten
Für die aktuelle Analyse werteten die Expert:innen mehr als 28.000 Darmkrebsfälle bei Menschen im Alter von 20 bis 49 Jahren aus. Dabei fanden sie, dass die Darmkrebsinzidenz bei 20- bis 29-Jährigen sowie bei 30- bis 39-Jährigen zunahm. Besonders ausgeprägt war der Anstieg in der jüngsten Altersgruppe. Bei den 40- bis 49-Jährigen blieb die Erkrankungshäufigkeit dagegen insgesamt weitgehend stabil.
Deutschland deutlich unter US-Niveau
Ein wichtiger Teil der Studie war der Vergleich mit den Vereinigten Staaten, wo die Zunahme von Darmkrebs bei jüngeren Erwachsenen bereits seit Jahren intensiv diskutiert wird. Die Forschenden zeigen, dass die Erkrankungsraten in Deutschland sowohl zu Beginn des Untersuchungszeitraums als auch aktuell deutlich niedriger liegen als in den USA. Zudem verlief der Anstieg hierzulande wesentlich langsamer.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Anstieg von Darmkrebs bei jungen Erwachsenen in Deutschland real ist, aber zumindest bislang deutlich moderater ausfällt als in den USA", sagt Volker Arndt vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und dem Epidemiologischen Krebsregister Baden-Württemberg, einer der beiden Seniorautoren der Arbeit.
Ursachen noch nicht vollständig geklärt
Die Ursachen sind bislang nicht vollständig geklärt. Als mögliche Einflussfaktoren werden Veränderungen des Lebensstils diskutiert, darunter Übergewicht, Bewegungsmangel und Ernährungsgewohnheiten. Auch Veränderungen der Darmflora könnten eine Rolle spielen. Die Ergebnisse deuten zugleich darauf hin, dass ein Teil des beobachteten Anstiegs auf eine frühere und verbesserte Diagnostik zurückzuführen sein könnte. Besonders häufig nahmen Tumoren mit vergleichsweise günstiger Prognose zu, die oft in einem frühen Stadium entdeckt werden.
Kein Anlass für eine generelle Absenkung des Screening-Alters
Trotz der beobachteten Entwicklung sehen die Autor:innen derzeit keinen ausreichenden Grund, die Altersgrenze für das Darmkrebs-Screening in der Allgemeinbevölkerung unter 50 Jahre abzusenken. „Darmkrebs vor dem 50. Lebensjahr bleibt in Deutschland insgesamt selten„, betont Jacqueline Müller-Nordhorn vom Landesinstitut Bayerisches Krebsregister des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. „Von jährlich rund 56.000 neuen Darmkrebsfällen entfallen lediglich etwa fünf% auf Menschen unter 50 Jahren. Dennoch sollte darauf hingewiesen werden, dass bei Symptomen natürlich auch jüngere zeitnah individuell ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Vorrangig ist es, bekannte Risikogruppen – etwa Menschen mit familiärer Vorbelastung – konsequent zu identifizieren und ihnen die empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen anzubieten.“
Weitere Beobachtung und künftige Studien empfohlen
Die Wissenschaftler:innen empfehlen, die Entwicklung der Erkrankungszahlen weiterhin genau zu beobachten. Künftige Studien sollen insbesondere klären, welche Rolle frühe Lebensstilfaktoren, Übergewicht, der Konsum von hochverarbeiteten Lebensmitteln, Antibiotikaeinsatz und/oder Veränderungen der Darmflora für die Entstehung von Darmkrebs in jungen Jahren spielen.
Quelle:Deutsches Krebsforschungszentrum
Literatur:
- (1)
Voigtländer S et al. (2026) Incidence trends of early-onset colorectal cancer in Germany: A registry-based study from 2003 to 2023 International Journal of Cancer, DOI: 10.1002/ijc.70600