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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

17. Oktober 2020 Neoadjuvante Therapieschemata kombiniert mit adjuvanter Therapie bei muskelinvasivem Blasenkrebs vor bzw. nach radikaler Zystektomie

H. Rexer, AUO Geschäftsstelle, Schwarz, Prof. Dr. H. Kübler, Leiter der klinischen Prüfung (LKP), Universitätsklinik Würzburg, Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie, Prof. Dr. M. Retz, Organgruppensprecherin der Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie in der Deutschen Krebs­gesellschaft e.V., Berlin

Eine randomisierte, offene, multizentrische, globale Phase-III-Studie zur Bestimmung der Wirksamkeit und Sicherheit von Durvalumab in Kombination mit Gemcitabin + Cisplatin für die neoadjuvante Behandlung, gefolgt von Durvalumab allein für die adjuvante Behandlung bei Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs (NIAGARA) – AB 74/20 der AUO.
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Die Standardtherapie des muskelinvasiven Blasenkarzinoms (MIBC) ist eine radikale Zystektomie. In mehreren Studien zeigte eine vorherige neoadjuvante Cisplatin-basierte Kombinationschemotherapie eine Verbesserung von kompletter pathologischer Remission (pCR), ereignisfreiem Überleben (EFS) und Gesamtüberleben (OS) im Vergleich zur alleinigen Zystektomie.

Auch für den adjuvanten Therapieansatz nach radikaler Zystektomie konnte in mehreren Studien ein verbessertes OS nachgewiesen werden. Erste Phase-I- und Phase-II-Studiendaten zum Einsatz von PD-1- oder PD-L1-Inhibitoren in der adjuvanten oder neoadjuvanten Situation zeigten eine vielversprechende Wirksamkeit bei geringer bis moderater Nebenwirkungsrate.

Durvalumab ist von der FDA als Zweitlinientherapie für das lokal fortgeschrittene oder metastasierte Urothelkarzinom zugelassen. In der NIAGARA-Studie soll Durvalumab kombiniert mit Platin-haltiger Kombinationschemotherapie im neoadjuvanten und adjuvanten Therapieansatz geprüft werden.

Patienten mit einem MIBC (mind. pT2) werden in die 2 Therapiearme 1:1 randomisiert:
In Arm A erhalten Blasenkarzinom-Patienten als Neoadjuvanz 4 Zyklen Chemotherapie mit Gemcitabin/Cisplatin (Gem/Cis) kombiniert mit Durvalumab im 3-Wochenintervall. Nach der Zystektomie wird adjuvant Durvalumab als Monotherapie über 8 Zyklen im 4-Wochenintervall verabreicht.

In Arm B erhalten Blasenkarzinom-Patienten im Standard-Arm als Neoadjuvanz 4 Zyklen Chemotherapie mit Gem/Cis im 3-Wochenintervall. Nach der Zystektomie erfolgt eine reguläre Nachsorge ohne weitere Therapie.

Die Ergebnisse werden nach Tumorstadium (pT2 vs. > pT2), PD-L1-Status (high vs. low/negative) und Nierenfunktion (adäquat vs. mäßig eingeschränkt) stratifiziert.

Primäres Ziel der Studie ist die pCR-Rate und der Vergleich des EFS. Sekundäre Studienziele sind weitere Untersuchungen von EFS und pCR-Raten in verschiedenen Subgruppen sowie das metas­tasenfreie Überleben (MFS) und das OS.
 
Tab. 1: Teilnehmende Zentren für Patientenzuweisungen.
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Tab. 1: Teilnehmende Zentren für Patientenzuweisungen.

In die internationale Studie sollen ca. 1.050 Patienten eingeschlossen werden, davon ca. 59 Patienten in 14 deutschen Zentren (Abb. 1). Kontaktdaten für Patientenzuweisungen finden sich in Tabelle 1. Im Folgenden sind die für die Vorauswahl geeigneter Patienten wichtigsten Ein- und Ausschlusskriterien aufgeführt.

Einschlusskriterien
•    Muskelinvasives Urothelkarzinom der Harnblase
•    T2 N0 M0 bis T4a N0 M0
•    Prädominante Histologie eines Urothelkarzinoms
•    Geplante radikale Zystektomie zum Zeitpunkt der Randomisierung
•    Keine vorherige systemische Chemo­therapie oder Immuntherapie im muskelinvasiven Stadium
•    ECOG-Performance-Status 0-1
•    Lebenserwartung von mind. 12 Wochen

Ausschlusskriterien
•    Nachweis einer lymphogenen oder viszeralen Metastasierung
•    Nachweis eines cT4b-Stadiums zum Zeitpunkt des Screenings
•    Vorherige Strahlentherapie des Becken­bereichs
•    Vorherige Immuntherapie mit anderen CTLA-4-, PD-(L)1- oder PD-L2-Inhibitoren (Ausnahme Bacillus-Calmette Guerin (BCG))
•    Aktuelle oder vorherige Einnahme (bis zu 14 Tage vor Beginn der Studienmedikation) immunsuppressiver Medikation
•    Erkrankung des oberen Harntraktes

 
Abb. 1: Studienzentren in Deutschland.
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Abb. 1: Studienzentren in Deutschland.

Leiter der klinischen Studie (LKP) ist Prof. Dr. Hubert Kübler; seine Aufgaben liegen in der medizinischen Durchführung der Studie, der Abwägung von Nutzen-Risiko der Studie, Umsetzung des Prüfplans in ärztlichen Belangen in Deutschland. Er ist Ansprechpartner für Ethikkommission und Behörden in Deutschland und mit zuständig für die abschließende ärztliche Bewertung der Ergebnisse. Sponsor der Studie ist die AstraZeneca AB in Södertälje, Schweden. Die Studie ist unter der Nummer NCT03732677 bei clinicaltrials.gov ­registriert.


Weitere Details zur Studie unter www.med4u.org/17679

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