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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

26. Juni 2020 Einsatz von Nivolumab und Ipilimumab + Chemotherapie beim NSCLC: „Ich erwarte einen deutlichen Effekt im Bereich des Langzeitüberlebens“

Interview mit Prof. Dr. Martin Reck, Großhansdorf.

Profitieren Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) von einer Immunkombinationstherapie? Die Ergebnisse der CheckMate-9LA-Studie (ASCO Abstract 9501) lassen dies vermuten. Prof. Dr. Martin Reck, LungenClinic Großhansdorf, stellt die Daten vor und geht auf Besonderheiten der Studie ein.
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Prof. Dr. Martin Reck
Prof. Dr. Martin Reck
Wie sah das Studiendesign der CheckMate-9LA-Studie aus?

In der Studie wurden 719 unbehandelte Patienten mit einem fortgeschrittenen NSCLC eingeschlossen. Die Teilnehmer des Prüf-Arms erhielten 2 Zyklen Chemotherapie in Kombination mit einer Immuntherapie, bestehend aus Nivolumab und Ipilimumab – wobei letzteres mit 1 mg/kg alle 6 Wochen sehr niedrig dosiert war. Die Teilnehmer des Kontroll-Arms bekamen die Standardchemotherapie. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben (OS). Daneben wurden unter anderem Tumorkontrolle, progressionsfreies Überleben (PFS) und Ansprechrate (ORR) überprüft.


Welche Ergebnisse lieferte die Studie bezüglich OS?

Zurzeit liegen die Daten der Interimsanalyse vor. Patienten des Prüf-Arms lebten signifikant länger als Teilnehmer, die nur die Chemotherapie erhalten hatten. Insgesamt verringerte sich das Sterberisiko mit der Kombination aus Immun- und Chemotherapie um 31%, was einer Hazard Ratio von 0,69 entspricht. Erstaunlich war insbesondere, dass sich die Kaplan-Meier-Kurven der beiden Studiengruppen sehr früh trennten und sich zu keinem Zeitpunkt überschnitten.

Nach 4 Monaten weiterer Nachbeobachtung wurden die Daten erneut analysiert und es zeigte sich eine Bestätigung der Wirksamkeit der Immun-Chemotherapie-Kombination. Diese war sogar noch ein wenig besser als in der ersten Auswertung. Ich erwarte hier einen deutlichen Effekt im Bereich des Langzeitüberlebens.


Wurden auch die sekundären Endpunkte erreicht?

Das PFS lag bei median 6,7 Monaten im Prüf-Arm und war damit signifikant länger als in der Kontrollgruppe mit median 5 Monaten Progressionsfreiheit. Das Risiko für eine Progression verringerte sich um 32%. Wichtiger ist aber die Langzeitkontrolle: Die 1-Jahres-PFS-Rate betrug 33% unter Immun-Chemotherapie und 18% in der Kontroll-Gruppe. Die Rate an primären Progressionen wiederum war im Prüf-Arm niedriger, mit Raten von 9% vs. 13%. Auch die ORR verbesserte sich signifikant unter der Kombinationstherapie mit 38% vs. 25%. Das mag auf den ersten Blick nicht viel erscheinen, allerdings wurde dies sehr streng mit einem unabhängigen radiologischen Review kontrolliert.


Gab es unerwartete Nebenwirkungen?

In der Studie wurden bisher keine neuen und insbesondere keine neuen immunvermittelten Nebenwirkungen beobachtet. Es mussten mehr Teilnehmer des Prüf-Arms die Studientherapie oder zumindest einen Teil der Kombination aufgrund von Nebenwirkungen beenden. Einer der Gründe dafür lag sicherlich auch in der unterschiedlichen Therapiedauer: Die Kontrollgruppe hatte nur 3-4 Zyklen Chemotherapie erhalten, während Studienteilnehmer, die die Kombination aus Immun- und Chemotherapie bekamen, teilweise immer noch in Behandlung sind.


Was bedeuten die Ergebnisse für die klinische Praxis?

Eine Besonderheit der Studie lag unter anderem in der Wirksamkeit der Immunkombination über alle Patienten-Subgruppen hinweg. Es war z.B. egal, welche Histologie sie aufwiesen oder ob sie PD-L1 exprimierten oder nicht – die Effektivität zeigte sich konsistent über alle Charakteristika. Die Kombination ist daher auch sehr attraktiv für Patienten, die PD-L1 nicht exprimieren. Auch für die Therapie von Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung, bei denen schnell eine Krankheitskontrolle erreicht werden muss, ist die Kombination sinnvoll.

Immuntherapien und deren Kombinationen werden in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Allerdings muss die Therapie mit Bedacht gewählt werden, denn sie ist sehr intensiv – aber eben auch sehr wirksam. Ich erhoffe mir, dass ein großer Anteil der Patienten mehrere Jahre mit einer stabilen Erkrankung überleben kann und dass wir die Krankheit Lungenkrebs immer mehr in eine chronische Erkrankung überführen können. Noch vor 10 Jahren gab es das kaum – damals sind die meisten Patienten innerhalb eines Jahres verstorben.


Vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Dr. Miriam Sonnet

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