Wieso Typ-2-Diabetes das Krebs-Risiko erhöht – mit Prof. Scherübl und Prof. Herzig
Prof. Dr. med. Hans Scherübl, Prof. Dr. Stephan Herzig, Günter Nuber und Nicole FinkenauerDass Menschen mit Typ-2-Diabetes ein erhöhtes Herzinfarktrisiko haben, ist weithin bekannt – doch dass Krebs inzwischen die häufigste Todesursache bei Typ-2-Diabetes ist, überrascht viele. In dieser Folge von O-Ton Onkologie beleuchten Prof. Hans Scherübel von der Charité Berlin und Prof. Stefan Herzig vom Helmholtz Diabetes Center München diese oft unterschätzte Verbindung: Welche Krebsarten sind besonders häufig, welche gemeinsamen Risikofaktoren spielen eine Rolle und warum ist Prävention der entscheidende Schlüssel? Denn die gute Nachricht lautet: Bis zu 50% aller Krebserkrankungen wären durch Lebensstiländerungen vermeidbar.
Krebs als häufigste Todesursache bei Typ-2-Diabetes
Tumorerkrankungen haben Herz-Kreislauf-Erkrankungen als häufigste Todesursache bei Menschen mit Typ-2-Diabetes abgelöst – ein Fakt, der in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist. Prof. Hans Scherübel von der Charité Berlin und Prof. Stefan Herzig vom Helmholtz Diabetes Center München erklären, warum: Einerseits hat die kardiovaskuläre Medizin enorme Fortschritte erzielt, andererseits treiben Übergewicht und Insulinresistenz das Krebsrisiko erheblich an. Besonders betroffen sind Tumoren des Magen-Darm-Trakts – Leber-, Bauchspeicheldrüsen-, Darm- und Magenkrebs – sowie gynäkologische und urologische Krebserkrankungen. Das Risiko ist je nach Tumorentität um 20 bis 400% erhöht. Erschwerend kommt hinzu, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes trotz dieses erhöhten Risikos seltener an Krebsvorsorgeuntersuchungen teilnehmen als die Allgemeinbevölkerung.
Prävention als Schlüssel – gemeinsame Risikofaktoren gezielt angehen
Übergewicht, Bewegungsmangel und unausgewogene Ernährung sind die zentralen gemeinsamen Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes und Krebs. Die gute Nachricht: Wer seinen Stoffwechsel durch Lebensstiländerungen verbessert, betreibt gleichzeitig Tumorprävention. Langzeitdaten zeigen, dass eine nachhaltige Gewichtsreduktion – etwa durch bariatrische Chirurgie – das erhöhte Krebsrisiko wieder auf das Niveau der Allgemeinbevölkerung senken kann. Die 2021 gegründete Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Krebs der Deutschen Diabetes-Gesellschaft setzt sich dafür ein, dieses Wissen in der Fachgemeinschaft und darüber hinaus zu verankern – bei Hausärzt:innen, Diabetolog:innen und Patient:innen gleichermaßen. Denn bis zu 40–50% aller Krebserkrankungen wären durch Lebensstiländerungen prinzipiell vermeidbar.
Hören Sie rein!
Das sind die Highlights dieser Folge
(Minuten:Sekunden)
03:36 Entstehung der AG Diabetes und Krebs – die Hintergründe
04:56 Krebs als häufigste Todesursache bei Typ‑2‑Diabetes
06:38 Gemeinsame Risikofaktoren und Mechanismen
08:14 Fehlendes Bewusstsein in Fachwelt und Öffentlichkeit
10:11 Prävention und Vorsorge
21:20 Erhöhtes Krebsrisiko und häufige Tumorarten
37:34 Ziele der AG Diabetes und Krebs für die kommenden Jahre
Shownotes zur Podcastfolge „Wieso Typ-2-Diabetes das Krebs-Risiko erhöht – mit Prof. Scherübl und Prof. Herzig“
DDG-AG Diabetes und Krebs: https://www.ddg.info/die-ddg/arbeitsgemeinschaften/diabetes-krebs
Klinik für Gastroenterologie, Infektiologie und Rheumatologie an der Charité Berlin: gastro.charite.de/
Institute for Diabetes and Cancer, Helmholtz Munich: www.helmholtz-munich.de/en/idc
O-Ton Diabetologie, Staffel 1, Folge 6 mit Prof. Scherübl vom 03.08.2022: www.diabetologie-online.de/o-ton-diabetologie#6
Website von Journal Onkologie: www.journalonko.de/
Bereich Onkologie & Hämatologie auf medical-tribune.de: https://www.medical-tribune.de/medizin/onkologie
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Quelle:Medical Tribune Onkologie · Hämatologie / JOURNAL ONKOLOGIE