Umfrage von DGS und DSL zeigt massive Defizite in der Behandlung von Tumorschmerzen
Anlässlich des Weltkrebstags am 4. Februar präsentierten die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) und die Deutsche Schmerzliga (DSL) die Ergebnisse einer bundesweiten Patientenbefragung mit über 12.000 Krebspatient:innen. Die Erhebung offenbart erhebliche Defizite in der schmerzmedizinischen Versorgung: Fast jeder zweite Betroffene leidet trotz moderner Medizin über Jahre hinweg unter tumorbedingten Schmerzen – oft als Langzeitfolge erfolgreicher Tumortherapien.
Chronische Tumorschmerzen bei über der Hälfte der Befragten
Nahezu 50% der Befragten berichten von Schmerzen seit über fünf Jahren (Mittelwert: >3 Jahre), rund 45% weisen neuropathische Schmerzanteile auf – häufig durch Chemotherapie, Bestrahlung oder Operationen bedingt. Ein Drittel leidet unter unzureichend kontrollierten Dauerschmerzen, fast die Hälfte unter extremen Durchbruchschmerzen; nur jeder Dritte erhält eine adäquate Notfalltherapie. Mehr als die Hälfte der Betroffenen gibt eine stark eingeschränkte Lebensqualität an, mit Schlafstörungen, Isolation und Depressionen.
Schmerzen müssen als eigenständige Erkrankung systematisch behandelt werden
„Tumorschmerz ist kein vorübergehendes Symptom, sondern für viele ein chronisches Langzeitproblem. Gerade bei Langzeitüberlebenden fehlen strukturierte Konzepte“, betont Studienleiter PD Dr. Michael A. Überall, Präsident der Deutschen Schmerzliga (DSL), der größten Dachorganisation für Menschen mit chronischen und therapieschwierigen Schmerzen in Deutschland, und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS), der größten schmerzmedizinischen Versorgergesellschaft. „Krebs wird heute häufiger überlebt – Schmerzen müssen als eigenständige Erkrankung systematisch behandelt werden.“
Aus diesem Grund fordern DGS und DSK eine konsequente routinemäßige Schmerzerfassung in der Onkologie, auch bei Langzeitüberlebenden, eine bessere Aus- und Weiterbildung von Ärzt:innen in moderner Schmerztherapie, sowie einen niedrigschwelligen Zugang zu wirksamen Medikamenten, insbesondere bei Durchbruchschmerzen.
Quelle:Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS)