10 Jahre TREFFPUNKTE: Junge Erwachsene mit Krebs gestalten ihr eigenes Netzwerk
Als 2016 der erste TREFFPUNKT in Jena entstand, ging es um eine einfache Idee: Junge Menschen mit Krebs sollten auf andere treffen können, die verstehen, was es bedeutet, in jungen Jahren mit Krebs zu leben. Zehn Jahre später ist daraus ein bundesweites Netzwerk mit knapp 40 regionalen Treffpunkten und vier überregionale Angebote mit mehr als 1.000 jungen Betroffenen geworden. Was alle Treffpunkte verbindet: Sie werden maßgeblich von jungen Menschen mit eigener Krebserfahrung getragen und weiterentwickelt.
Krebs in jungen Jahren: Austausch auf Augenhöhe
Eine Krebserkrankung trifft junge Menschen in einer Lebensphase, in der Ausbildung, Berufseinstieg, Partnerschaft, Familienplanung und finanzielle Unabhängigkeit zentrale Themen sind. Neben der medizinischen Behandlung entstehen viele Fragen, für die im klinischen Alltag häufig wenig Raum bleibt. Die Treffpunkte schaffen genau diesen Raum: für ehrlichen Austausch, gegenseitige Unterstützung und Begegnung jenseits des medizinischen Alltags. Dabei gestalten die Betroffenen ihre Gruppen selbst: Sie setzen eigene Schwerpunkte und entwickeln Aktivitäten, die zu ihnen und ihrer Lebenssituation passen. Eine medizinische Fachperson steht den Gruppen beratend zur Seite.
„Das Besondere an den Treffpunkten ist, dass junge Betroffene nicht nur Teilnehmende sind, sondern selbst Verantwortung übernehmen und das Angebot mitgestalten“, so Janine Schulze, Projektleiterin der TREFFPUNKTE. Schulze weiter: „Dieses ehrenamtliche Engagement ist über die vergangenen zehn Jahre zu einer tragenden Säule des gesamten Netzwerks geworden. Die jungen Menschen bringen ihre eigenen Erfahrungen ein, unterstützen sich gegenseitig und geben der Stiftung immer wieder wichtige Impulse für ihre Arbeit.“
Mit den Jahren hat sich auch das Angebot weiterentwickelt. Neben den fast 40 regionalen Gruppen gibt es inzwischen vier überregionale Formate.
Recht auf Vergessenwerden: Krebserkrankung soll kein Nachteil sein
Die enge Verbindung zu jungen Betroffenen prägt die gesamte Arbeit der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs. Durch den regelmäßigen Austausch mit Menschen aus ganz Deutschland erfährt die Stiftung unmittelbar, welche Fragen und Herausforderungen junge Erwachsene während und nach einer Krebserkrankung beschäftigen. Denn auch nach der Behandlung können körperliche und psychische Spätfolgen, die Rückkehr in Arbeit oder Studium, Beziehungen und Familienplanung sowie finanzielle und gesellschaftliche Benachteiligungen eine Rolle spielen. Ein Beispiel dafür ist das Recht auf Vergessenwerden, für das sich die Stiftung gemeinsame mit ihrer Stifterin, der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und medizinischer Onkologie e.V. (DGHO), seit vielen Jahren einsetzt. Eine überstandene Krebserkrankung sollte nicht ein Leben lang darüber entscheiden, welche Möglichkeiten einem Menschen offenstehen. Dennoch erleben Betroffene beispielsweise bei Versicherungen, Krediten, Adoption oder Verbeamtungen weiterhin Benachteiligungen. Das Recht auf Vergessenwerden soll dafür sorgen, dass eine frühere Krebserkrankung der medizinischen Heilungsbewährung von fünf Jahren nicht mehr angegeben werden muss und nicht länger zum Nachteil der Betroffenen verwendet werden darf.
„Die Arbeit mit den Treffpunkten zeigt uns jeden Tag, wie unterschiedlich die Lebensrealitäten junger Menschen nach einer Krebserkrankung sind“, sagt Prof. Dr. med. Inken Hilgendorf, Kuratoriumsvorsitzende der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs. „Deshalb müssen wir nicht nur dafür sorgen, dass junge Menschen während und nach der Erkrankung Unterstützung finden. Wir müssen auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verändern, die ihnen den Weg zurück ins Leben erschweren. Das Recht auf Vergessenwerden ist dafür ein wichtiger Schritt.“
Quelle:Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs