Journal Onkologie
Medizin

Immer noch sterben jeden Tag in Deutschland etwa 600 Menschen an Krebs und insgesamt ca. 250.000 pro Jahr – das entspricht der Einwohnerzahl von Städten wie Freiburg oder Augsburg. „Das ist eine Katastrophe, die wir uns nicht länger leisten dürfen“, sagte Prof. Dr. Christof von Kalle, Luxemburg und Berlin, Vision Zero.  Dass das Vision Zero-Konzept kein unerfüllbarer Traum sei, würden die enormen Erfolge von Großstädten wie Helsinki oder Bologna zeigen, die im vergangenen Jahr mit null Verkehrstoten aus der Statistik hervorgegangen seien – und das mit einfachen Maßnahmen wie beispielsweise Tempo 30 innerstädtisch und breiten Radwegen. Kluge Planung und klare Strategien könnten somit Leben retten.

Kernbausteine der Vision Zero Oncology

Übertragen auf die Krebsmedizin heißt das, dass es klare Entscheidungen und den Mut zum verantwortungsvollen Einsatz neuer Technologien wie z.B. Präzisionsmedizin und KI, sowie transparente, evidenzbasierte Bewertungs- und Implementierungsprozesse braucht. Kernbausteine der Vision Zero in der Onkologie sind dabei neben der Prävention auch die Früherkennung und das Ermöglichen von Präzisionsmedizin für alle Patient:innen sowie der Aufbau einer sicheren Dateninfrastruktur mit zentralen, vernetzten Datenbanken. Es müsse sichergestellt sein, dass eine adäquate Versorgung exzellent, flächendeckend und gerecht verfügbar ist, damit soziale oder regionale Unterschiede nicht zu schlechteren Resultaten führen.

Exzellenz in Schlüsseltechnologien

„Was wir in Deutschland dringend brauchen, ist internationale Wettbewerbsfähigkeit, Exzellenz in Schlüsseltechnologien und eine aktive, intelligente Politik, die Prioritäten setzt und eine echte Willkommenskultur für Innovationen aus Deutschland bietet. Diese Politik muss vor allem auch wieder im Sinne der Patient:innen gedacht werden, denn die Orientierung an ihnen ist entscheidend“, so Prof. von Kalle. Nur durch klare Strategien, Prioritätensetzung und Zusammenarbeit von Forschung, Politik und Praxis lasse sich das Ziel einer Vision Zero in der Krebsmedizin erreichen.

Präventive Maßnahmen wie Impfungen fördern

Diesen Aussagen schloss sich Judith Gerlach, Bayerische Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention, an. Sie führte an, dass durch Fortschritte wie Immuntherapien heute mehr Menschen länger und mit besserer Lebensqualität nach einer Krebsdiagnose leben würden. Zudem würden Digitalisierung und KI große Chancen für weniger belastende Diagnostik und präzisere Therapien bieten. Sie gab jedoch auch zu bedenken, dass trotz dieser Fortschritte Krebs weiterhin eine ernste Herausforderung und nach wie vor die zweithäufigste Todesursache in Deutschland sei. Umso wichtiger sei es daher, präventive Maßnahmen praxisnah in Gemeinden und Schulen durch niederschwellige Angebote zu verankern, z.B. durch kostenlose Sportangebote, bessere Schulverpflegung und Impfangebote. Sie hob dabei die Impfempfehlungen gegen Humane Papillomviren (HPV) hervor – einen effektiven, immer noch häufig unterschätzten Schutz vor Krebserkrankungen; hier müssten die Hürden für eine Inanspruchnahme gesenkt werden. „Lassen Sie uns auch im neuen Jahr 2026 gemeinsam dafür arbeiten, vermeidbare Krebserkrankungen zu reduzieren und Betroffene bestmöglich zu behandeln, sodass sie im Bestfall geheilt werden können“, resümierte die bayerische Gesundheitsministerin.

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Quelle:

Vision Zero Neujahrsempfang „RIDING HIGH IN TURBULENT TIMES“, München, 22. Januar 2026, Veranstalter: Vision Zero e.V.