Living Guideline Lungenkarzinom aktualisiert: Neue Empfehlungen zu Immuntherapie und Operabilität
Die S3-Leitlinie „Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms“ ist jetzt in einer aktualisierten Fassung abrufbar. Die wichtigsten Neuerungen betreffen die Systemtherapie beim kleinzelligen Lungenkarzinom (SCLC), die Bewertung der Operabilität beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) sowie interventionelle Therapieverfahren. Unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) haben 29 weitere Fachgesellschaften und Organisationen an der Überarbeitung mitgewirkt [1].
„Auch 2026 gibt es zahlreiche neue und überarbeitete Empfehlungen, die dazu beitragen, moderne Therapien noch gezielter einzusetzen und die Versorgung unserer Patienten weiter zu verbessern“, erklärt Prof. Wolfgang Schütte, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin II am Krankenhaus Martha-Maria Halle-Dölau. Gemeinsam mit Dr. Sylvia Gütz, Chefärztin der Abteilung Innere I am St. Elisabeth-Krankenhaus Leipzig, und Dr. Wiebke Nehls, Chefärztin der Klinik für Palliativmedizin und Geriatrie am Helios Klinikum Emil von Behring in Berlin, koordinierte Schütte die Leitlinienarbeit. Als Living Guideline wird die Leitlinie seit 2024 fortlaufend aktualisiert und an neue wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst.
Operabilität erstmals systematisch in drei Dimensionen bewertet
Ein Schwerpunkt der Aktualisierung betrifft die Therapieentscheidung beim NSCLC in den Stadien II und III. Die Leitlinie empfiehlt weiterhin die Operation als bevorzugten kurativen Ansatz, sofern diese möglich ist. Neu ist eine strukturierte Bewertung der Respektabilität und Operabilität anhand technischer, funktioneller und onkologischer Kriterien. „Die Frage, ob ein Tumor operiert werden kann, lässt sich heute nicht mehr mit einem einzelnen Parameter beantworten“, erläutert Dr. Sylvia Gütz. „Die neuen Empfehlungen schaffen eine fundierte Grundlage für individuelle Therapieentscheidungen und stärken die Rolle interdisziplinärer Tumorboards.“
Ergänzt wurden zudem standardisierte diagnostische Abläufe zur Beurteilung der Operabilität sowie Empfehlungen zu multimodalen Therapiekonzepten. Das Lebensalter allein soll künftig nicht mehr als Ausschlusskriterium für eine Operation herangezogen werden.
Große Fortschritte in der Systemtherapie des SCLC inkludiert
Auch für das SCLC wurden wichtige Neuerungen aufgenommen. Für Patient:innen im fortgeschrittenen Stadium kann laut neuer Leitlinie das gute Ansprechen auf Checkpoint-Inhibitoren in Kombination mit einer Chemotherapie durch eine Erhaltungschemotherapie konsolidiert werden. „Durch die Einführung des T-Cell-Engagers Tarlatamab nach Versagen der ersten Therapielinie gibt es eine vollkommen neue Therapieoption, die ein langfristiges Ansprechen in dieser bisher schwierigen Behandlungssituation ermöglicht“, sagt Prof. Wolfgang Schütte.
Darüber hinaus wurden die Empfehlungen durch die Zulassung neuer Substanzen und Substanzkombinationen in der Behandlung früher und fortgeschrittener Stadien des NSCLC aktualisiert.
Neue Empfehlungen unterstützen eine noch individuellere Therapieplanung
„Die Therapie des Lungenkarzinoms wird immer individueller“, betont Dr. Wiebke Nehls. „Die aktualisierte Leitlinie unterstützt dabei, Therapieentscheidungen noch stärker an den individuellen Bedürfnissen und Zielen der Patientinnen und Patienten auszurichten.“
Die aktualisierte ist über die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) sowie das Leitlinienprogramm Onkologie abrufbar [1].
Quelle:Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V.
Literatur:
- (1)
S3-Leitlinie „Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms“, abrufbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/020-007OL, letzter Zugriff: 22.06.2026.