Protein KDM2B als mögliche neue Angriffsstelle bei Medulloblastomen entdeckt
Forschende am Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg und am St. Jude Children's Research Hospital in Memphis haben eine mögliche neue Schwachstelle bei Medulloblastomen, den häufigsten bösartigen Hirntumoren bei Kindern, entdeckt. Die Wissenschaftler:innen fanden heraus, dass ein bestimmtes Protein Tumorzellen offenbar dabei unterstützt, in einem unreifen Zustand zu bleiben und weiter zu wachsen. Schalteten sie dieses Protein in Laborversuchen aus, wuchsen die Tumorzellen deutlich schlechter. Auch bei Mäusen verlangsamte sich das Tumorwachstum. Die Ergebnisse könnten langfristig dazu beitragen, neue gezielte Therapien für bestimmte Formen des Medulloblastoms zu entwickeln.
Gensteuerung als Schlüssel zum Verständnis der Tumorentstehung
Das Medulloblastom ist ein bösartiger Hirntumor, der vor allem bei Kindern auftritt. Heute weiß man, dass es verschiedene Formen dieser Erkrankung gibt. Sie unterscheiden sich unter anderem darin, welche Veränderungen in den Tumorzellen auftreten und wie die Erkrankung verläuft. Das internationale Forschungsteam untersuchte nun genauer, wie die Erbinformation in den Tumorzellen gesteuert wird. Denn nicht nur Veränderungen im Erbgut selbst können für die Entstehung von Krebs wichtig sein. Entscheidend ist auch, welche Gene eine Zelle an- oder ausschaltet.
Protein KDM2B besonders aktiv in Gruppe-4-Medulloblastomen
Dabei entdeckten die Forschenden bei zwei häufigen Formen des Medulloblastoms eine Besonderheit: Gene, die normalerweise dabei helfen, dass unreife Zellen zu spezialisierten Nervenzellen heranreifen, waren in den Tumorzellen auffällig wenig aktiv. Bei der Suche nach der Ursache stieß das Team auf ein Protein mit der Bezeichnung KDM2B. Dieses Protein war vor allem in Gruppe-4-Medulloblastomen besonders aktiv. Diese Gruppe gehört zu den häufigsten Formen des Medulloblastoms.
Ausschaltung von KDM2B verlangsamt Tumorwachstum deutlich
Die Forschenden vermuten, dass KDM2B dazu beiträgt, dass die Tumorzellen in einem unreifen Zustand bleiben. Entfernten sie das Protein, wurden Gene für die normale Reifung der Zellen wieder aktiver. Besonders wichtig war die Frage, was passiert, wenn die Tumorzellen ohne KDM2B auskommen müssen. In verschiedenen Versuchen schalteten die Forschenden das Protein gezielt aus. Daraufhin wuchsen die untersuchten Tumorzellen deutlich langsamer. Auch bei Mäusen verlangsamte sich das Tumorwachstum und die Tiere lebten länger.
Interessanter Kandidat für zukünftige Behandlungsoptionen
„Für Medulloblastome der Gruppen 3 und 4 gibt es bislang keine wirksamen zielgerichteten Therapien“, sagt Stefan Pfister, Direktor am Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ), Leiter der Abteilung Pädiatrische Neuroonkologie am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), Kinderonkologe am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) und Professor an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg. „Die neuen Ergebnisse machen KDM2B und die von ihm gesteuerten molekularen Prozesse deshalb zu interessanten Kandidaten, um Kindern und Jugendlichen mit diesen Hirntumoren zukünftig neue Behandlungsoptionen anbieten zu können.“
Weitere Forschung notwendig
In Zukunft könnte deshalb untersucht werden, ob sich KDM2B gezielt angreifen oder aus Tumorzellen entfernen lässt. Bis daraus eine Behandlung für Patient:innen entstehen kann, ist jedoch noch weitere Forschung notwendig.
Stefan Pfister betont, dass die Ergebnisse zunächst ein wichtiger Schritt in der Grundlagenforschung sind: „Die bisherigen Untersuchungen wurden an Tumorzellen und Mäusen durchgeführt. Sie zeigen einen möglichen therapeutischen Angriffspunkt. Die Wirksamkeit einer KDM2B-gerichteten Therapie bei Kindern mit Medulloblastom muss aber erst noch belegt werden.“
Quelle:Deutsches Krebsforschungszentrum
Literatur:
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Tao R. et al. Divergent medulloblastoma chromatin states disclose KDM2B as a selective dependency, Nature Genetics, DOI: 10.1038/s41588-026-02745-1.