Neoadjuvante Olaparib-Therapie zeigt hohe pathologische Komplettremissionsraten bei BRCA-mutiertem Mammakarzinom
Anika Mifka M.Sc.Die neoadjuvante Behandlung mit Olaparib allein oder in Kombination mit Durvalumab erreichte hohe pathologische Komplettremissionsraten von 68% bzw. 80% bei Patient:innen mit frühem BRCA-mutiertem, HER2-negativem, Estrogenrezeptor (ER)-negativem/-niedrigem Mammakarzinom. Dies zeigten die Ergebnisse der multizentrischen Phase-II-Studie OlympiaN, die beim 48. San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS) präsentiert wurden.
Neoadjuvante Kombinationstherapie bei BRCA-mutierten Tumoren
PARP-Inhibitoren (PARPi) sind für die Behandlung von Patient:innen mit frühem oder fortgeschrittenem Mammakarzinom mit einer Keimbahn-pathogenen/wahrscheinlich pathogenen Variante in BRCA1 und/oder BRCA2 (gBRCAm) zugelassen. PARPi, einschließlich Olaparib, haben eine vielversprechende Wirksamkeit in der neoadjuvanten Therapie gezeigt, und die Zugabe des Anti-PD-L1-Antikörpers Durvalumab könnte die durch PARPi geförderten Antitumor-Immunantworten verstärken. Die OlympiaN-Studie wurde entwickelt, um die Wirksamkeit und Sicherheit von neoadjuvantem Olaparib und Olaparib plus Durvalumab bei Stadium-I- und Stadium-II-BRCAm-HER2-negativem Mammakarzinom zu bewerten.
Stadienspezifische Behandlungsarme der OlympiaN-Studie
Patient:innen mit frühem BRCA-mutiertem, ER-negativem oder -niedrigem (≤10%) sowie HER2-negativem Mammakarzinom erhielten eine neoadjuvante Olaparib-Monotherapie in einer Dosierung von 300 mg zweimal täglich (Kohorte A: Stadium T1b-c/N0) oder Olaparib mit 300 mg zweimal täglich plus 1.500 mg intravenösem Durvalumab alle vier Wochen (Kohorte B: Stadium T2/N0 oder T1/N1) für vier bis sechs Zyklen, gefolgt von einer Operation. Der primäre Endpunkt war die pathologische Komplettremission (pCR), definiert als ypT0/Tis ypN0 durch eine unabhängige zentrale pathologische Beurteilung. Sekundäre Endpunkte umfassten die verbleibende Krebslast, das durch Magnetresonanztomographie bewertete Tumorvolumen sowie Sicherheit und Verträglichkeit.
Hohe pCR-Rate von 68% unter Olaparib-Monotherapie
Zum Datenstichtag vom 20. November 2024 waren 25 Patient:innen in Kohorte A (5 T1b/N0, 20 T1c/N0; medianes Alter 46 Jahre) und 25 in Kohorte B (alle T2/N0; medianes Alter 44 Jahre) eingeschlossen. Eine Patientin in Kohorte A hatte eine somatische BRCA1-Mutation; alle anderen Patient:innen in beiden Kohorten hatten gBRCAm. In Kohorte A beendeten 23 (92%) Patient:innen die Therapie mit neoadjuvantem Olaparib, eine (4%) brach die Behandlung aufgrund einer unerwünschten Wirkung (Grad-2-Neutropenie) ab, und eine (4%) zeigte eine Krankheitsprogression; 24 (96%) Patient:innen unterzogen sich einer Operation. Die pCR-Rate betrug 68% (n=17/25; 95%-KI: 47-85%) und 72% (n=18/25; 95%-KI: 51-88%) der Teilnehmer:innen hatten einer verbleibende Krebslast der Klasse 0/I.
Noch höhere pCR-Rate von 80% durch Olaparib-Durvalumab-Kombination
In Kohorte B beendeten 21 (84%) Patient:innen die Behandlung mit neoadjuvantem Olaparib plus Durvalumab und zwei (8%) brachen die Behandlung aufgrund unerwünschter Wirkungen ab. Zwei der Teilnehmer:innen (8%) zeigten eine progressive Erkrankung und 22 (88%) Patient:innen unterzogen sich einer definitiven Operation. Die pCR-Rate betrug 80% (n=20/25; 95%-KI: 59-93%) und 84% (n=21/25; 95%-KI: 64-95%) der Proband:innen wiesen eine verbleibende Krebslast der Klasse 0/I auf. Unerwünschte Wirkungen des Grades ≥3 traten bei fünf (20%) Patient:innen in Kohorte A und sechs (24%) in Kohorte B auf. Eine durch Olaparib verursachte Anämie Grad ≥3 trat bei drei (12%) Patient:innen in Kohorte A auf. Es traten keine Todesfälle während des Studienzeitraums auf.
Vielversprechende Ergebnisse unterstützen weitere PARPi-Forschung
Die Autor:innen schlussfolgern, dass neoadjuvantes Olaparib, allein oder in Kombination mit Durvalumab, hohe pCR-Raten (68% bzw. 80%) bei Patient:innen mit frühem BRCA-mutiertem, HER2-negativem, ER-negativem/-niedrigem Mammakarzinom zeigte. Die Sicherheitsdaten waren konsistent mit den bekannten Sicherheitsprofilen der Olaparib-Monotherapie sowie der Olaparib-Durvalumab-Kombinationstherapie. Diese Ergebnisse ermutigen zu zukünftiger Forschung und Entwicklung der PARPi-Therapie in der neoadjuvanten Behandlung.
Quelle:SABCS 2025