INSEMA-Studie: Geringere axilläre Strahlendosis ohne Sentinel-Lymphknoten-Biopsie
Anika Mifka M.Sc.Eine sekundäre Analyse der INSEMA-Studie zeigt, dass bei brusterhaltender Operation ohne Sentinel-Lymphknoten-Biopsie (SLNB) eine geringere unbeabsichtigte axilläre Strahlendosis und seltener eine regionale Lymphknotenbestrahlung verabreicht wurde. Die Ergebnisse wurden beim 48. San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS) präsentiert und liefern wichtige Erkenntnisse zur Strahlentherapie-Praxis bei der Deeskalation der axillären Chirurgie.
INSEMA-Studie dokumentiert axilläre Dosisverteilung
Die INSEMA-Studie randomisierte zwischen September 2015 und April 2019 in Deutschland und Österreich Patient:innen bezüglich des SLNB-Verzichts bei einem frühen invasiven Mammakarzinom und brusterhaltender Operation. Das Protokoll sah eine Ganzbrustbestrahlung vor, während eine regionale Lymphknotenbestrahlung nur bei Patient:innen mit vier oder mehr befallenen Lymphknoten zulässig war. Diese sekundäre Analyse umfasst 5.154 Patient:innen aus 108 Strahlentherapie-Einrichtungen. Die Lymphknotenregionen auf der betroffenen Seite wurden nach den standardisierten Definitionen der Radiation Therapy Oncology Group eingeteilt und abgegrenzt.
Höhere axilläre Strahlendosis nach SLNB
Von 5.154 Patient:innen erhielten 4.890 (95,7%) eine postoperative Ganzbrustbestrahlung gemäß INSEMA-Protokoll. Die Mehrheit der Patient:innen (n=2.800, 58,0%) wurde mit 3D-konformaler Strahlentherapie unter Verwendung herkömmlicher Tangentialfelder behandelt, andere Patient:innen erhielten verschiedene moderne intensitätsmodulierte Strahlentherapien. Konventionelle Fraktionierung war häufiger (n=3.163, 66,0%) als moderate Hypofraktionierung (n=1.630, 34,0%). Ein Boost wurde bei 3.807 Patient:innen (74,9%) verabreicht. Die mediane und durchschnittliche Dosis für jedes axilläre Level unterschieden sich signifikant zwischen den Gruppen, mit höheren medianen Dosen in der SLNB-Gruppe im Vergleich zur Nicht-SLNB-Gruppe für Level I (91,4% vs. 86,3%; p<0,001), Level II (37,8% vs. 24,3%; p<0,001) und Level III (5,2% vs. 4,5%; p=0,003).
Unbeabsichtigte axilläre Mitbestrahlung bei über 50% der Patient:innen
Bei über 50% der Patient:innen erreichte die axilläre Region Level I unbeabsichtigt eine mediane Dosis von ≥85% der verschriebenen Brustdosis. Eine regionale Lymphknotenbestrahlung einschließlich supra-/infraklavikulärer und/oder parasternaler Lymphknoten wurde bei 87 (4,0%) Patient:innen mit SLNB gegenüber 5 (0,9%) Patient:innen ohne SLNB durchgeführt (p<0,001). Bei 264 Patient:innen ohne postoperative Strahlentherapie unterschied sich das invasive krankheitsfreie Überleben nicht signifikant zwischen den Gruppen (Hazard Ratio für Nicht-SLNB zu SLNB = 1,43; 95%-KI: 0,75-2,72; p=0,28).
Implikationen für die strahlentherapeutische Praxis
Die Autor:innen schlussfolgern, dass etwa 50% aller INSEMA-Patient:innen eine potenziell therapeutische Dosis in Level I erhielten. Eine höhere unbeabsichtigte axilläre Dosis und ein vermehrter Einsatz regionaler Lymphknotenbestrahlung wurden in der SLNB-Gruppe im Vergleich zu Patient:innen ohne SLNB beobachtet. In der Nicht-SLNB-Gruppe wurde eine regionale Lymphknotenbestrahlung bei weniger als 1% der Patient:innen angewendet. Diese Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis der strahlentherapeutischen Praxis bei der chirurgischen Deeskalation und können zur Optimierung der Behandlungsstrategien beim frühen Mammakarzinom beitragen.
Quelle:SABCS 2025
Literatur:
- (1)
Hildebrandt G et al. Insights of applied radiotherapy among patients undergoing breast-conserving surgery with or without axillary sentinel lymph node biopsy: secondary results from the INSEMA trial. SABCS 2025, #GS2-03.