Journal Onkologie
Kolorektales Karzinom
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Erhöhen systemische Glukokortikoide das Darmkrebs-Risiko?

Systemische Glukokortikoide sind entzündungshemmende Medikamente, die bei schweren entzündlichen Erkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder rheumatoider Arthritis eingesetzt werden. Ziel dieser Studie war es zu untersuchen, ob die Anwendung systemischer Glukokortikoide mit einem erhöhten Risiko für kolorektale Karzinome insgesamt (diagnostiziert in jedem Lebensalter) und für früh auftretende kolorektale Karzinome (Early-Onset CRC, EOCRC; diagnostiziert vor dem 50. Lebensjahr) assoziiert ist. Dazu wurde eine Kohortenstudie von 2005 bis 2018 durchgeführt, die Daten aus mehreren landesweiten Registern in Schweden nutzte. Die Studie umfasste 10.921.991 Personen, von denen 2.174.744 Glukokortikoide verwendeten. Unter allen Teilnehmer:innen wurden 54.443 neu mit einem kolorektalen Karzinom diagnostiziert.

Erhöhtes Darmkrebsrisiko durch verschiedene Glukokortikoide

Das Risiko für kolorektale Karzinome bei Glukokortikoid-Anwendern im Vergleich zu Nicht-Anwendern wurde mittels standardisierter Inzidenzraten (SIR) verglichen. Die Analyse wurde nach Medikamententyp und Dosis stratifiziert. Im Vergleich zu Personen, die keine systemischen Glukokortikoide verwendeten, wurde ein signifikant erhöhtes Risiko für kolorektale Karzinome bei Anwendern folgender Substanzen beobachtet:

  • Dexamethason: Das höchste Risiko zeigte sich bei Dexamethason-Anwendern mit einer SIR von 2,9 (95%-Konfidenzintervall (KI) 2,0–4,2) für Darmkrebs insgesamt. Besonders hoch war das Risiko in jungen Jahren mit einer EOCRC-SIR von 27 (95%-KI 5,5–79).

  • Betamethason: Die SIR für Darmkrebs insgesamt betrug 1,5 (95%-KI 1,4–1,5), die EOCRC-SIR lag bei 2,3 (95%-KI 2,0–2,7).

  • Prednisolon: Hier betrug die SIR für Darmkrebs insgesamt 1,2 (95%-KI 1,2–1,3), die EOCRC-SIR lag bei 1,8 (95%-KI 1,4–2,3).

  • Andere systemische Glukokortikoide: Die SIR für Darmkrebs insgesamt betrug 1,4 (95%-KI 1,3–1,5), die EOCRC-SIR lag bei 2,2 (9595%-KI 1,5–3,2).

Erhöhtes Risiko bei familiärer Vorbelastung und Dosisabhängigkeit

Ähnliche Muster wurden auch bei Personen mit einer Familiengeschichte von kolorektalen Karzinomen beobachtet. Eine hohe kumulative Dosis von Betamethason war zudem mit einem weiter erhöhten Risiko für kolorektale Karzinome assoziiert.

Bedeutung für die klinische Praxis

Die Studie identifiziert neue Hochrisikogruppen, die Kandidaten für ein früheres, risikoadaptiertes Darmkrebs-Screening oder präventive Interventionen sein könnten. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, bei Patient:innen unter langfristiger systemischer Glukokortikoid-Therapie an ein erhöhtes Darmkrebsrisiko zu denken und gegebenenfalls entsprechende Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen.

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Quelle:

Zehui C. et al. (2026) Systemic Glucocorticoid Use and Risk of Colorectal Cancer, Especially Early-Onset Type: A Nationwide Cohort Study, Journal of the National Comprehensive Cancer Network 24, 3 (2026), DOI: 10.6004/jnccn.2025.7113.