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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

27. Januar 2020
Seite 1/3
Abschied von der systematischen Lymphonodektomie beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom

A. Schnelzer1, T. Fehm2, C. Jackisch3 für die AGO-Studiengruppe. 1RoMed Klinikum Rosenheim, Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Rosenheim, 2Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Universitäts-klinikum Düsseldorf, Düsseldorf, 3Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, SanaKlinikum Offenbach, Offenbach.

Bei der primären Debulking-Operation des Ovarialkarzinoms ist das korrekte Ausmaß der Radikalität weiterhin Gegenstand zahlreicher Diskussionen. Die kürzlich von Harter et al. im New England Journal of Medicine publizierte europäische LION (Lymphadenectomy in Ovarian Neoplasms)-Studie der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) zeigte in einem prospektiv-randomisierten multizentrischen europäischen Studienkonzept, dass die systematische Lymphonodektomie von klinisch unauffälligen Lymphknoten beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom (FIGO IIB-IV) weder das Gesamtüberleben (OS) noch das progressionsfreie Überleben (PFS) verbessert, sondern die Morbidität und sogar die Mortalität der Patientinnen erhöht (1).
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Epidemiologie und Prognose des Ovarialkarzinoms
 
Eine von 72 Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens an einem Ovarialkarzinom (2). Meist wird die Erkrankung erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert, da der Großteil der Patientinnen erst bei ausgedehnter intra-abdominaler Tumorlast symptomatisch wird. Die Prognose hängt im Wesentlichen davon ab, ob der Tumorbefall im Abdomen operativ entfernt und die Erkrankung im weiteren Verlauf kontrolliert werden kann. Therapie- und lebenslimitierend sind im weiteren Verlauf der Erkrankung sehr häufig Darmobstruktionen und/oder Malnutrition (2). Die Prognose der Patientinnen in der Primärsituation wird entscheidend von der Tatsache bestimmt, ob es gelingt, das intraabdominelle Kompartiment und die retroperitonealen pelvinen und paraaortalen Lymphknoten komplett zu resezieren (3). Da in der Literatur der Nachweis von Tumorzellen in unauffälligen pelvinen und paraaortalen Lymphknoten berichtet worden war, wurden bisher leitliniengemäß auch diese Lymphknoten unter der Idee der Tumormassenreduktion systematisch entfernt (4-6). Optimalerweise umfasst die Primärtherapie eine Platin-basierte Chemotherapie unter Einschluss von Bevacizumab oder einem PARP-Inhibitor.
 
 
Therapie des Ovarialkarzinoms
 
Die Therapie eines fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms besteht laut internationalen Leitlinienempfehlungen in der primären Operation, die eine makroskopische Komplettresektion aller makroskopisch sichtbaren Läsionen zum Ziel hat. Im Anschluss erhalten die Patientinnen eine adjuvante Chemotherapie mit Carboplatin und Paclitaxel ggf. mit Hinzunahme von Bevacizumab oder eine Erhaltungstherapie mit dem PARP-Inhibitor Olaparib, falls eine BRCA1/2-Mutation im Tumor oder in der Keimbahn vorliegt (2). Seit den 80er Jahren war die systematische pelvine und paraaortale Lymphonodektomie bis zum Nierenstiel ein obligater Bestandteil der Debulking-Operation (7). Retrospektive Studien hatten auch in nachfolgenden Untersuchungen einen Überlebensvorteil postuliert, auch wenn klinisch unauffällige Lymphknoten entfernt worden waren (4-6, 8, 9). Eine prospektiv-randomisierte Studie zeigte bereits in der Vergangenheit einen fehlenden Überlebensvorteil für die Lymphonodektomie, methodisch wurde hier die systematische Lymphonodektomie mit der Entfernung einzelner vergrößerter Lymphknoten (Sampling) verglichen (10). Ebenso wurde kritisiert, dass in diese Studie Patientinnen unabhängig vom Resektionsstatus eingeschlossen werden konnten und keine Evaluation der teilnehmenden Zentren erfolgte.
 
 
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