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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
26. April 2021

Supportivtherapie: Besonderes Augenmerk auf Diarrhoe-Mangement und Knochenschutz

Bei einem virtuellen Fachpresse-Workshop zum Thema Supportivtherapie standen u.a. die Knochengesundheit und das Diarrhoe-Management von onkologischen Patienten im Mittelpunkt. Dabei legte Prof. Dr. Florian Schütz, Speyer, den Fokus auf die Knochenprotektion beim Hormonrezeptor-positiven Mammakarzinom. Prof. Dr. Joachim Drevs, Sickte, beklagte, dass über Diarrhoen selten gesprochen werde, obwohl sie häufig sogar therapielimitierend seien.
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Bei Brustkrebs-Patientinnen wirken anti­hormonelle Therapien negativ auf die Knochendichte und erhöhen die Frakturgefahr. Insgesamt gilt, je stärker die ovarielle Hormonbildung durch verschiedene endokrine Therapeutika allein oder in Kombination unterdrückt wird, desto höher ist die Osteoporose-Rate (1). Daher benötigen Frauen mit diesen Therapien unbedingt einen risikoadaptierten Knochenschutz, appellierte Schütz.

Leitlinie Osteoporose beachten

Bei jeder Patientin mit Indikation für eine endokrine Therapie sollte zunächst ihr Osteoporose- bzw. Frakturrisiko bestimmt werden. Liegt bereits vor Therapiebeginn eine verminderte Knochendichte im Sinne einer Osteoporose vor, ist das Risiko für eine Fraktur doppelt so hoch als bei Frauen ohne Osteoporose (2). Ob eine knochenschützende Therapie notwendig ist, sollte immer individuell anhand der Leitlinie „Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose“ des Dachverbands für Osteologie (DVO) nachgeschlagen werden (3).

Zu den Präventions- und Therapiemaßnahmen mit dem höchsten Evidenzgrad gehören Nikotinverzicht, mäßiger Alkoholkonsum und die Vermeidung von Untergewicht (< 20 kg/m2). Sehr wichtig sind auch körperliche Aktivität, die Vermeidung von Immobilisation und die Zufuhr von Kalzium und Vitamin D3. Medikamentös sind Bisphosphonate oder der Anti-RANK-Ligand-Antikörper Denosumab (Prolia®), der die Osteoklastenaktivität inhibiert, indiziert. Beide sind von der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) Mamma als Doppel-Plus-Empfehlung gekennzeichnet, und damit geeignet, einer tumortherapieinduzierten Osteoporose entgegenzusteuern bzw. diese zu behandeln (4).

Diarrhoe bei Tumorpatienten

Bei Tumorpatienten treten Diarrhoen mit einer Inzidenz von bis zu 80% auf, wovon es sich bei 30% um schwere Fälle handele, erläuterte Drevs. Diese sind nicht nur chemo- oder strahlentherapiebedingt, sondern auch die neueren Immun- und zielgerichteten Therapien können – zwar mit anderen Pathomechanismen, aber deswegen nicht minder nachteilig – den Gastrointestinaltrakt schädigen.

Grundsätzlich sollten bei einer Diarrhoe Flüssigkeits- und Elektrolytverluste oral oder intravenös substituiert werden. Liegt eine therapieassoziierte Diarrhoe vor, ist Loperamid die Therapie der ersten Wahl. Hat sich die Symptomatik nach 48 Stunden nicht gebessert, kann als eine wirksame und unbedenkliche Zweitlinientherapie auf Opiumtinktur umgestellt werden. Bei den Wirkstoffen der Opiumtinktur handelt es sich um verschiedene Alkaloide wie Morphin, Codein, Narcotin, Papaverin und Narcein. Laut DGHO-Leitlinie sind Opiat-Antidiarrhoika eine wesentliche Stütze der symptomatischen Therapie, wenn eine zielgerichtete Behandlung nicht möglich ist (5). Allerdings ist ein BtM-Rezept erforderlich. Drevs wies darauf hin, dass es im Darm und im enterischen Nervensystem nach Opiatgabe keine Toleranzentwicklung gegenüber der obstipierenden Opiatwirkung gebe.

Seit kurzem gibt es ein GMP (Good Manufacturing Practice)-konformes Opiumtinktur-Fertigarzneimittel unter dem Handelsnamen Dropizol®. Es ist auf 10 mg/ml Morphin standardisiert und enthält als weitere synergistisch wirkende Bestandteile Codein, Papaverin und Thebain. Damit basiert es auf der jahrelang unveränderten eingestellten Opiumtinktur (5). Bei den meisten Patienten genüge eine Dosis von morgens und abends 5 Tropfen (entspricht 5 mg Morphin täglich; Umrechnung: 10 mg Morphin = 20 Tropfen = 1 ml Dropizol®) (6), um die Diarrhoe einzustellen, erläuterte Drevs. Er empfahl abschließend, die Patienten gezielt nach Durchfall zu fragen, um rechtzeitig und leitliniengerecht behandeln zu können.

Dr. rer. nat. Carola Göring

Quelle: Fachpresse-Workshop „Onkologische Supportivtherapie im Fokus“, 17.03.2021; Veranstalter: POMME-med

Literatur:

(1) Francis PA et al. N Engl J Med 2018;379:122-37.
(2) Bouvard et al. Ann Oncol 2014;25(4):843-7.
(3) www.dv-osteologie.org – Leitlinien, Kitteltaschenversion, S.4, Tabelle 4.2.
(4) AGO Mamma, Guidelines Breast, Version 2021.1D; www.ago-online.de
(5) Schmidt-Hieber M et al. Ann Hematol 2018; 97(1):31-49.
(6) Fachinfo Dropizol®, Stand August 2019.


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