Freitag, 18. September 2020
Navigation öffnen

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

09. September 2016 mCRC: Optimierungen sind in allen Behandlungslinien möglich

Trotz ständig verbesserter Behandlungsoptionen beim metastasierten kolorektalen Karzinom (mCRC) in den letzten 15 Jahren, gibt es in allen Behandlungslinien, auch jenseits der Zweitlinie, Raum für Therapieverbesserungen. Eine neue Behandlungsmöglichkeit für vorbehandelte mCRC-Patienten ist die zytostatisch wirkende Kombination aus Trifluridin und Tipiracil (LONSURF®), die Experten zufolge mit einem deutlichen Überlebensvorteil im Vergleich zu Placebo assoziiert ist – bei vergleichsweise guter Verträglichkeit.
Anzeige:
Fachinformation
Prof. Dr. Dirk Arnold, Lissabon, stellte die jüngst aktualisierten Leitlinien der ESMO zu dieser Thematik vor. Diese empfehlen, alle Patienten bei der Diagnose auf RAS zu testen, ferner auf BRAF sowie auf Mikrosatelliten-Instabilität. Für die systemische Erstlinientherapie des mCRC empfehlen die Leitlinien für die Patietenten meist Biologicals – außer wenn diese kontraindiziert sind (I, A) – in Kombination mit einer Chemotherapie. Für geeignete Patienten, die etwa eine FOLFOX oder CAPOX plus Bevacizumab-basierte Therapie als Induktion erhalten haben, ist im Anschluss eine Maintenance-Therapie geeignet, idealerweise mit einer Kombination aus Fluoropyrimidin plus Bevacizumab (I, B). Versagt die Erstlinientherapie, sollte laut Arnold im Rahmen einer systemischen Zweitlinientherapie bei Bevacizumab-naiven Patienten eine antiangiogene Zweitlinientherapie mit Bevacizumab oder Aflibercept in Erwägung gezogen werden (I, A). Tritt im Rahmen eines Oxaliplatin-haltigen Regimes ein Progress auf, sollte Aflibercept nur mit FOLFIRI kombiniert werden (I, A). Patienten, die eine Erstlinientherapie mit Bevacizumab erhalten haben, können mit Bevacizumab weiterbehandelt werden (Post-Continuation-Strategy) (I, A), nach firstline Oxaliplatin mit Aflibercept oder Ramucirumab (in Kombination mit FOLFIRI) (I, A) und bei RAS-Wildtyp (BRAF-Wildtyp) mit EGFR-Antikörper zusammen mit FOLFIRI.

Erleiden die Patienten auch nach diesen Behandlungsstrategien einen Progress, sollte in einer systemischen Drittlinientherapie bei RAS- und BRAF-Wildtyp-Patienten, die noch keine EGFR-Antikörper-Therapie bekommen haben, eine Behandlung mit Cetuximab oder Panitumumab erwogen werden. Der Tyrosinkinase-Inhibitor Regorafenib wird bei Patienten, die mit einem Fluoropyrimidin, Oxaliplatin, Irinotecan, Bevacizumab und – bei RAS-Wildtyp – mit EGFR-Antikörpern vorbehandelt sind, eingesetzt (I, B). Die Substanz bietet den Patienten einen Überlebensbenefit, doch bestehen Bedenken hinsichtlich der Toxizität bei gebrechlichen Patienten. Die Kombination Trifluridin/Tipiracil ist laut den aktuellen Leitlinien eine neue Therapieoption für Patienten, die mit Fluoropyrimidinen, Oxaliplatin, Irinotecan, Bevacizumab und – bei RAS-Wildtyp – mit EGFR-Antikörpern vorbehandelt sind (I, B). Das oral einzunehmende Medikament ist gemäß den Leitlinien mit einem signifikanten Überlebensvorteil bei Patienten mit refraktärem mCRC assoziiert, der dem von Regorafenib entspricht – allerdings bei limitierter Toxizität.

„Nach einer Zweitlinientherapie ist ein signifikanter Anteil von Patienten fähig und bereit, weitere Behandlungen zu erhalten“, sagte Prof. Dr. Eric van Cutsem, Leuven. Einer Untersuchung in US-amerikanischen onkologischen Praxen zufolge erreichen knapp 30% der Patienten, die eine Erstlinientherapie erhalten haben, die dritte Therapielinie. Trotz aller Fortschritte sei jedoch die Prognose von Patienten, die mit allen verfügbaren Substanzen vorbehandelt seien, schlecht. Es bestehe demnach ein hoher Bedarf an weiteren Therapieoptionen, so van Cutsem. Aktive Behandlungen in späteren Therapielinien seien allerdings „fitten“ Patienten mit vergleichsweise gutem ECOG-Performance-Status vorbehalten. Mit der Kombination aus Trifluridin und Tipiracil sei nun eine neue Therapieoption für Patienten mit vorbehandeltem mCRC verfügbar, die bereits Eingang in die Behandlungsleitlinien des NCCN und der ESMO gefunden habe, so van Cutsem.

Den ausführlichen Bericht finden Sie hier

Dr. Claudia Schöllmann, Grasbrunn

Quelle: Satellitensymposium „Metastatic Colorectal Cancer Treatment in 2016: There is still room for improvement“, im Rahmen d. 18th ESMO WCGIC 2016, Barcelona; Veranstalter. SERVIER


Anzeige:
Fachinformation

Das könnte Sie auch interessieren

Typ-2-Diabetes-Risiko senken – weniger Krebsgefahr

Typ-2-Diabetes-Risiko senken – weniger Krebsgefahr
© Fotolia / oneinchpunch

Der Weltgesundheitstag am 7. April 2016 stellt das Thema Diabetes in den Mittelpunkt. In Deutschland sind fast 7,3 Millionen Menschen von dieser Krankheit betroffen. Insbesondere Übergewicht und Bewegungsmangel begünstigen Typ-2-Diabetes. Typ-2-Diabetiker haben zudem ein erhöhtes Krebsrisiko. Ein ungesunder Lebensstil kann jedoch nicht nur zu Diabetes führen, er ist auch grundsätzlich ein Risikofaktor für verschiedene Krebserkrankungen. Die Deutsche Krebshilfe...

Der lange Weg bis zur Zulassung eines Arzneimittels

Die Zulassung eines neuen Arzneimittels und die Erweiterung der Indikation eines bereits zugelassenen Arzneimittels sind streng geregelt. Die europäische oder deutsche Zulassungsbehörde fordert den Nachweis von Wirksamkeit und Unbedenklichkeit, wofür das Arzneimittel verschiedene Phasen der klinischen Prüfung durchlaufen muss. Wie die Arzneimittelprüfung durchzuführen ist, legt das Arzneimittelgesetz (AMG) von 1976 fest, das zuletzt durch die 15. Novelle von...

Internetplattform „Stärker gegen Krebs“: ergänzende, stärkende Angebote für Krebspatienten in Corona-Zeiten

Internetplattform „Stärker gegen Krebs“: ergänzende, stärkende Angebote für Krebspatienten in Corona-Zeiten
©Frantab - stock.adobe.com

Krebspatienten mit einem geschwächten Immunsystem haben laut DGHO (Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie) und Robert Koch-Institut ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der Erkrankung Covid-19. Umso sinnvoller sind begleitende Maßnahmen zur Stärkung des körpereigenen Abwehrsystems, die gleichzeitig das physische und psychische Wohlbefinden und damit die Lebensqualität erhöhen. Das Portal...

José Carreras Leukämie-Stiftung lobt Best Paper Award 2018

José Carreras Leukämie-Stiftung lobt Best Paper Award 2018
© Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

„Nur über medizinische Forschung wird es uns gelingen, Leukämie und andere bösartige Blut- oder Knochenmarkserkrankungen bei jedem und immer heilbar zu machen. Nach 2016 und 2017 zeichnet die José Carreras Leukämie-Stiftung deshalb auch in diesem Jahr wieder herausragende wissenschaftliche Arbeiten aus. Dotiert ist der 3. Best Paper Award mit 10.000 Euro, über die der Preisträger für seine weitere wissenschaftliche Arbeit frei verfügen kann“,...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"mCRC: Optimierungen sind in allen Behandlungslinien möglich"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA25 virtuell
  • Real-life-Daten zur CAR-T-Zell-Therapie bei r/r DLBCL und BCP-ALL zeigen hohe Ansprechraten – neuer Prädiktor für Ansprechen identifiziert
  • CAR-T-Zell-Therapie bei Patienten mit r/r DLBCL: TMTV als Prädiktor für frühen Progress
  • Sichelzellerkrankung: Verbesserung der Lebensqualität ist wichtigstes Therapieziel aus Sicht der Patienten – neue Behandlungsoptionen erwünscht
  • PV: Ruxolitinib senkt Hämatokrit und erhöht Phlebotomie-Unabhängigkeit im Real-world-Setting
  • Neuer BCR-ABL-Inhibitor Asciminib bei bisher unzureichend therapierten CML-Patienten in Phase-I-Studie wirksam
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin in Kombination mit Chemotherapie für jüngere und ältere Patienten vergleichbar sicher
  • Real-world-Daten zeigen: Eltrombopag auch bei sekundärer ITP wirksam
  • CML: Hohe Rate an tiefem molekularen Ansprechen nach 24-monatiger Therapie mit Nilotinib in der Zweitlinie
  • Systemische Mastozytose: neuer Prädiktor für das OS entdeckt
  • MF: Real-world-Daten bestätigen relevante Reduktion des Mortalitätsrisikos unter dem Einfluss von Ruxolitinib