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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
31. Mai 2017

Komplikationen im Rahmen der rekonstruktiven Mammachirurgie

Interview mit Dr. med. Stefan Paepke, Interdisziplinäres Brustzentrum der Technischen Universität München, Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Roman Herzog Comprehensive Cancer Center.
Operateure müssen sich mit dem Thema Komplikationen intensiv auseinandersetzen. Dass dies insbesondere für die rekonstruktive Mammachirurgie gilt, liegt auf der Hand. Hier fließen die Anforderungen an die onkologische Sicherheit und die damit verbundenen Komplikationen wie befallene Schnittränder, mit den allgemeinen Operationsrisiken wie Infektion, Nachblutung und Wundheilungsstörungen mit der patientinnenseitigen Problematik der Kosmetik zusammen. JOURNAL ONKOLOGIE sprach zu diesem Thema mit Dr. Stefan Paepke, Leitender Oberarzt am ­Interdisziplinären Brustzentrum München.
Dr. med. Stefan Paepke
Stefan Paepke
JOURNAL ONKOLOGIE: Herr Dr. Paepke, wie hoch sind die Komplikationsraten bei der rekonstruktiven Mammachirurgie heute im Vergleich zu früher?

Paepke: Über die letzten Jahre konnten wir ein hohes Maß an Erfahrungen sammeln. Die Komplikationsraten heute haben sich im Vergleich zu vor 10 Jahren mehr als halbiert. In der Phase der Lernkurve mit den Implantat-basierten, netzunterstützten Rekonstruktionen hatten wir eine Komplikationsrate von über 20% – heute liegt sie um die 6-8%.

Hervorzuheben für unsere Situation in Deutschland ist, dass wir Fachgesellschaften wie die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) und die Arbeitsgemeinschaft für ästhetische, plastische und wiederherstellende Operationsverfahren in der Gynäkologie e.V. (AWO-Gyn) im Hintergrund haben. Dadurch wurden neue Operationstechniken sowie die Verwendung neuer Materialien frühzeitig in der Zusammenarbeit mit vielen Kollegen geprüft und Daten gemeinsam erhoben. Ich verweise hier auf das Implantat- und Netzregister der AWO-Gyn* und die insgesamt sehr hohe Studienaktivität.

JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Komplikationen stehen bei der rekonstruktiven Mammachirurgie im Vordergrund?

Paepke: Dies sind in erster Linie solche Komplikationen, die beim Operieren allgemein zum Tragen kommen: Infektionen, Nachblutungen, Hämatome und Wundheilungsstörungen – aber eben auch spezifische Komplikationen, die durch die Verwendung von Fremdmaterialien wie Implantate, synthetische Netze und azelluläre dermale Matrices (ADMs), verstärkt werden. Gerade letztere führten in der ersten Zeit zu erheblichen Problemen mit langer Drainageliegedauer, häufigen Serompunktionen und Folgeproblemen.

Einige Materialien sind aufgrund der materialspezifischen Komplikationen bereits wieder von der Bildfläche verschwunden oder mit Warnhinweisen belegt, sodass sie wohl niemand mehr einsetzen wird. Nach meiner Einschätzung – auch abgelesen an den Daten unserer Klinik – hat jedoch die Verwendung neu entwickelter ADMs zu einer deutlichen Verbesserung geführt. Allerdings fehlen mir hier noch Studiendaten, um das abschließend beurteilen zu können. Im Bereich der synthetischen Netze sehen wir z.B. unterschiedliche Seromraten, was mit den Materialien und ihren unterschiedlichen Oberflächen in einem deutlichen Zusammenhang stehen dürfte.

Insgesamt sind all die materialunterstützten rekonstruktiven Operationstechniken ebenso wie die autologen Lappenplastiken Bestandteil der operativen Routine; alle genannten Techniken sind von der AGO in Abstimmung der AWO-Gyn empfohlen, die Materialien als gleichwertig eingestuft worden, die Komplikationsraten sind zufriedenstellend gering. Die Patientinnen äußern im Übrigen zu ungefähr 95% Zufriedenheit mit den kosmetischen Ergebnissen. Und das ist das, was zählt.

Vielen Dank für das Gespräch!


*https://www.awogyn.de/das-neue-implantat-und-netzregister

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