Journal Onkologie
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Krebszellen nehmen verstärkt Kupfer auf

Die Cuproptose unterscheidet sich grundlegend von allen bisher bekannten Mechanismen des Zelltods: Der entscheidende Auslöser ist ein Überschuss an Kupfer in der Zelle. Es bindet an bestimmte Proteine in den Mitochondrien, die normalerweise für die Energiegewinnung zuständig sind. Diese Proteine verklumpen dadurch, die Zelle gerät in schweren Stress und stirbt schließlich ab. „Was diese Form des Zelltods so besonders macht, ist ihre Spezifität gegenüber der Energieproduktion der Zelle“, erklärt Prof. Karges. „Krebszellen haben häufig einen veränderten, besonders intensiven Stoffwechsel und nehmen mehr Kupfer auf als gesundes Gewebe.“

Wirkstoff zeigt hohe Wirksamkeit gegen Tumorzellen

Dem Team um Prof. Karges ist es gelungen, einen Kupferkomplex zu entwickeln, der gezielt die Cuproptose auslöst. Er ist etwa 100-mal wirksamer als etablierte Platin-Derivate, die derzeit klinisch eingesetzt werden. „Allerdings war die Substanz zunächst nicht selektiv und wirkte auch auf gesunde Zellen tödlich“, berichtet Prof. Karges. „Dieses Problem konnten wir nun durch die Integration des Wirkstoffs in lichtaktivierbare Nanopartikel lösen.“

Nanopartikel ermöglichen gezielte Wirkstofffreisetzung

Der eigentliche Wirkstoffkomplex wird in polymere Nanopartikel eingebettet. Aufgrund des gesteigerten Stoffwechsels von Krebszellen reichern sich diese Partikel in Tumoren an. So wird der Wirkstoff gezielt dorthin transportiert, wo er auch wirken soll. Zudem verhindert die Polymerummantelung, dass der Kupferkomplex vorzeitig unkontrolliert freigesetzt wird.

Erst auf einen Lichtimpuls hin wird der Wirkstoff an Ort und Stelle freigesetzt. „Das Freisetzungsprinzip basiert auf einer photoresponsiven Bindung innerhalb des polymeren Grundgerüsts“, erklärt Prof. Karges. „Bei Lichtbestrahlung wird diese spezifische Bindung selektiv gespalten, woraufhin die Nanopartikel sich auflösen und der Kupferkomplex lokal freigesetzt wird.“ Dadurch lässt sich eine hochpräzise und selektive Behandlung von Krebszellen erreichen. „Darüber hinaus konnten wir zeigen, dass dieser Ansatz auch in therapieresistenten Krebszellen wirksam ist – also gerade dort, wo konventionelle Chemotherapien an ihre Grenzen stoßen“, sagt der Forscher.

Klinische Anwendung erfordert weitere Forschung

Bis zu einem klinischen Einsatz ist allerdings noch viel Forschungsarbeit zu leisten: „Wir haben das Prinzip bislang an resistenten Krebszellen im Labor gezeigt, nicht am Menschen“, unterstreicht Prof. Karges. „Bis zu einer echten Behandlung sind noch viele Schritte nötig.“

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Quelle:

Ruhr-Universität Bochum

Literatur:

(1)

Zimmermann R et al. (2026) Light Activated Induction of Cuproptosis in Resistant Cancer Cells Using Polymeric BODIPY Nanoparticles for Photoactivated Chemotherapy, in: Advanced Functional Materials, DOI: 10.1002/adfm.202531605