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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
31. Mai 2017

Das Mammakarzinom – aktuelle Aspekte

Prof. Scharl
Die Heilungschancen der jährlich 70.000 neuen Brustkrebspatientinnen in Deutschland verbesserten sich in den letzten 2 Jahrzehnten jedes Jahr um 1%. Heute werden 4 von 5 Frauen gesund – ein Erfolg der Früherkennung und Therapieoptimierung. Diese Ausgabe von JOURNAL ONKOLOGIE liefert einen exzellenten Überblick über aktuelle Aspekte dieser Erkrankung.

Unabdingbare Voraussetzung für eine sinnvolle Früherkennung ist die minimal-invasive Abklärung sus-pekter Befunde. Nur so wird die Belastung der Patientinnen auf ein akzeptables Maß reduziert (Paepke). Das Wissen über die Biologie des Mammakarzinoms hat sich in den letzten 2 Jahrzehnten vervielfacht: Immer länger wird die Liste der Suszeptibilitätsgene, deren Mutationen das Brustkrebsrisiko erhöhen (Grill). Das öffnet Perspektiven für Prävention und individualisierte Früherkennung und beeinflusst die Therapie, macht die Beratung aber auch ungleich komplizierter.  

Adjuvante systemische Therapien verbessern die Heilungschancen. Die Indikationsstellung erfordert eine Voraussage über die Prognose, aber „Prognosen sind schwierig, v.a. wenn sie die Zukunft betreffen“, sagte bereits Karl Valentin. Genexpressions-analysen ergänzen die bisher ausschließlich auf dem Phänotyp der Tumoren basierenden Prognose- und Prädiktionsfaktoren (Scharl). Meist bleibt bei der Operation die Brust erhalten. Muss sie aber doch entfernt werden, bestehen unterschiedliche Optionen zur Rekonstruktion (Paepke), ein gutes operatives Nebenwirkungsmanagement ist dabei essentiell. Zielgerichtete Targeted-Therapie-optionen nutzen die „Achillesfersen“ des Karzinoms. Zusammen mit endokriner oder Chemotherapie hemmen sie Signalkaskaden und durchbrechen Resistenzen. CDK4/6-Inhibitoren greifen in den Zellteilungszyklus ein und sind die aktuellsten Innovationen – neues Wirkprinzip, aber auch neues Nebenwirkungsspektrum (Bischoff). Komplementäre Therapieverfahren halten zunehmend Einzug in die Schulmedizin (Voiß). Klinische Studien zeigten, dass die jahrzehntelang verordnete Inaktivität von Krebspatientinnen grundfalsch und Bewegung essentiell ist (Baumann).

Größere Heilungschancen bedeuten für mehr Patientinnen ein langes „Leben nach dem Krebs“. Nebenwirkungen und Therapiefolgen müssen behandelt, Ängste bearbeitet, ein Leben „als Geheilte“ erlernt werden. Dies ist heute in der Nachsorge für mehr Patientinnen relevant als die Erkennung von Rezidiven (Schlimok). Endokrine Therapien werden für bis zu 10 Jahre empfohlen. Der nachsorgende Arzt hat hier eine immense Chance, die Heilungsraten zu verbessern: Nur 50% der Krebspatientinnen führen die empfohlenen endokrinen Therapien ausreichend lange durch. Bereits eine Therapieadhärenz von weniger als 60% vervierfacht aber die Brustkrebsmortalität. Eine verbesserte Compliance kann bei Rezeptor-positiven Tumoren oft mehr Leben retten als eine zusätzliche Chemotherapie!

Ihr Prof. Dr. Anton Scharl

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