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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
26. April 2021
Seite 1/4

Adjuvante Therapie des Kolonkarzinoms bei älteren Patienten

M. Oette, Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Gastroenterologie und Infektiologie, Krankenhaus der Augustinerinnen, Köln.
Ältere Menschen unterscheiden sich in Bezug auf bösartige Neubildungen in vielerlei Hinsicht von jüngeren. Bei ihnen treten Malignome nicht nur häufiger auf, auch die Behandlung ist problematischer. Bedeutsam sind nicht nur Unterschiede wie verschiedene Komorbiditäten oder eingeschränkte Organfunktionen, sondern auch die häufigeren Komplikationen der Grunderkrankung und die erhöhte Toxizität der verschiedenen Behandlungsmodalitäten. Aufgrund dieser Befunde sowie unzureichender Studiendaten unterbleibt oft eine konsequente Anti-Tumortherapie. Hinsichtlich des kolorektalen Karzinoms (CRC) bei älteren Patienten ist diese Zurückhaltung nicht berechtigt, da auch diese Patientengruppe von der adjuvanten Therapie profitieren kann. Für eine erfolgreiche adjuvante Therapie sind jedoch Besonderheiten zu beachten: Mit Hilfe geriatrischer Assessments soll das Behandlungskonzept an das Alter angepasst werden, Kontraindikationen sind zu beachten, zudem sind die Behandlungsdauer und die Dosisintensität altersentsprechend zu modifizieren. Die Indikation zur adjuvanten Chemotherapie des CRC unterscheidet sich somit bei älteren Patienten nicht prinzipiell von jüngeren, es ist jedoch ein vermehrtes Engagement in der Individualisierung der Medikamentenauswahl und -dosierung notwendig. Unter Berücksichtigung dieser Besonderheiten gelingt eine adjuvante Therapie auch bei betagten Patienten.
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Mit mehr als 60.000 Neuerkrankungen und mehr als 25.000 Todesfällen ist das CRC weiterhin auf Platz 2 der Krebsstatistik für Frauen und Platz 3 für Männer (1, 2). Mit 15.830 verstorbenen Patienten rangierte das CRC im Jahr 2019 auf Platz 13 der allgemeinen Todesursachenstatistik des statistischen Bundesamtes (3). Dies entspricht Platz 3 der nationalen Krebsregisterdaten von 2016 für beide Geschlechter (2). Auf der anderen Seite wird in Deutschland seit Anfang der Nullerjahre eine rückläufige Inzidenz in der Altersgruppe ab 55 Jahre beobachtet, insbesondere bei Tumoren des distalen Kolons (1). Dieser positive Trend zeigt sich ebenfalls in den USA – in mehreren europäischen Ländern jedoch nicht. Da in dieser Zeit Krebsvorstufen angestiegen sind und die Endoskopiestudien positive Resultate gezeigt haben, kann davon ausgegangen werden, dass sich hier ein vorteilhafter Effekt der Vorsorge­koloskopie zeigt. Ein Beispiel für ein CRC in einer Endoskopie ist in Abbildung 1 dargestellt. Das Analkarzinom als seltener Tumor zeigt in den letzten Jahren eine steigende Inzidenz (4).
 
Abb. 1: Maligner Polyp im Colon sigmoideum (© Prof. Dr. M. Oette).
Abb. 1: Maligner Polyp im Colon sigmoideum (© Prof. Dr. M. Oette).

Die besondere Situation älterer Patienten

Das mittlere Erkrankungsalter beträgt bei Frauen 72,9 Jahre, bei Männern 70,3 Jahre (1). Mit einem hohen mittleren Sterbealter von 78,1 Jahren (Frauen) und 74,0 Jahren (Männer) (1) lohnt ein separater Blick auf die betagte Patientengruppe, die einen erheblichen Anteil der täglich zu versorgenden Patienten ausmacht. Andererseits sind Patienten im höheren Alter traditionell in CRC-Studien unterrepräsentiert, entweder durch restriktive Einschlusskriterien oder durch zahlenmäßig geringere Rekrutierung (5). Es ist Allgemeinwissen, dass die Malignominzidenz mit zunehmendem Alter ansteigt und bei zunehmender Lebenserwartung der Bevölkerung mit einer weiteren Steigerung der Neu­erkrankungen in den nächsten Jahren zu rechnen ist. Erst in der jüngeren Vergangenheit konzentrieren sich Fragestellungen von Studien auch auf die älteren Patienten, sodass bessere Aussagen zur rationalen Versorgung getätigt werden können. Beispielsweise überleben Patienten über 80 Jahre im Stadium II im Median 53 Monate, im Stadium III immerhin 28 Monate (6). Bei Verzicht auf eine Chemotherapie im Stadium III verschlechtert sich die Prognose auch bei sehr betagten Patienten erheblich (HR für Mortalität 1,81; 95%-KI: 1,02-1,83) (6). Die Kurven für das Gesamtüberleben von älteren CRC-Patienten liegen erwartungsgemäß niedriger im Vergleich zu jüngeren Patienten, bei Betrachtung des tumorspezifischen Überlebens verschwindet dieser Unterschied jedoch (5). Diese Befunde sollen unterstreichen, dass bei betagten Patienten kein Raum für therapeutischen Nihilismus besteht. Dennoch ist die klinische Erfahrung, dass in dieser Patientengruppe frühzeitig eine Dosisreduktion in der Chemotherapie vorgenommen oder ganz auf diese verzichtet wird. Um diesem Trend entgegenzuwirken, arbeitet z.B. ein Arbeitskreis zur geriatrischen Onkologie in der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (DGHO) (7). Entsprechend konnten in die aktuell gültige S3-Leitlinie zum Kolonkarzinom differenzierte Empfehlungen für ältere Personen eingearbeitet werden (8).
 
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