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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

27. Juli 2018
Seite 1/3
Rezidiviertes Ovarialkarzinom: Niraparib wirkt unabhängig vom BRCA-Status

Konferenzbericht zur Wissenschaftlichen Tagung der Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie (AGO) der OEGGG 2018

Die Rolle der PARP-Inhibition in der Therapie des Ovarialkarzinoms entwickelt sich derzeit mit großer Dynamik. Für die Erhaltungstherapie des Platin-sensiblen high-grade serösen Ovarialkarzinomrezidivs steht mit Niraparib (Zejula®) ein PARP-Inhibitor zur Verfügung, der unabhängig vom BRCA-Mutationsstatus eingesetzt werden kann. Mittlerweile gibt es auch vielversprechende erste Daten zur Kombination von Niraparib mit dem PD-1-Inhibitor Pembrolizumab beim Platin-resistenten Ovarialkarzinomrezidiv. Relevante Aspekte in der Therapie des Ovarialkarzinomrezidivs und aktuelle Daten zu Niraparib wurden auf einem Symposium von Tesaro Bio im Rahmen der 27. Wissenschaftlichen Tagung der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie (AGO) 2018 unter dem Vorsitz von Univ.-Prof. Dr. Christian Marth, Innsbruck, vorgestellt. Marth präsentierte auch den Fallbericht einer Patientin mit rezidiviertem Ovarialkarzinom ohne BRCA-Mutation, die sich seit über 3 Jahren unter Erhaltungstherapie mit Niraparib in kompletter Remission befindet.
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Der EMA-Zulassung des ersten PARP-Inhibitors Olaparib beim Ovarialkarzinom im Oktober 2014 für die Erhaltungstherapie beim Platin-sensiblen Rezidiv eines high-grade serösen Ovarialkarzinoms (HGSOC) mit BRCA-Mutation folgte im November 2017 die Zulassung von Niraparib (Zejula®) in der fast identischen Indikation mit dem wichtigen Unterschied, dass die rezidivierte Erkrankung zwar Platin-sensibel sein, der BRCA-Mutationsstatus aber laut Zulassung nicht berücksichtigt werden muss.


NOVA-Studie: Wirksamkeit bei Patientinnen ohne BRCA-Mutation

Die Daten für diese hinsichtlich des Biomarkerstatus uneingeschränkte Zulassung von Niraparib stammen aus der internationalen Phase-III-Studie AGO-OVAR 2.22/ENGOTOV16/NOVA. Die doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie untersuchte Niraparib als Erhaltungstherapie bei Frauen mit Platin-sensiblem Rezidiv eines high-grade serösen Ovarialkarzinoms (1). 553 Frauen wurden in 2 prospektiv gebildete, unabhängige Kohorten eingeteilt: 203 Frauen in die Kohorte mit BRCA-Keimbahnmutation (gBRCAmut) und 350 in die Kohorte ohne BRCA-Keimbahnmutation (non-gBRCAmut). „Die NOVA-Studie ist bislang die einzige Phase-III-Studie in der Größe, die qualitativ hochwertige Aussagen zu BRCA-nicht-mutierten Patientinnen ermöglicht; diese 2 prospektiv gebildeten Kohorten sind ein absolutes Unikum der Studie“, erklärte Prof. Dr. Christoph Grimm, Wien. Grimm betonte weiter, dass in der NOVA-Studie auch die Wirksamkeit der Folgetherapie untersucht wurde. Damit wurde geprüft, ob der Vorteil durch die PARP-Inhibition in die weiteren Therapielinien mitgenommen werden kann oder ob Patientinnen nach der Erhaltungstherapie schlechter auf weitere Therapien ansprechen. Die Patientinnen, die im Rahmen der Studie Niraparib und jene, die Placebo erhalten hatten, sprachen in der Folge identisch auf weitere Therapien an, was Grimm als besonders wichtige Information für die klinische Praxis wertete. Hier bestätigt sich, dass auch nach einer Niraparib-Erhaltungstherapie der Behandlungserfolg einer Folgetherapie nicht eingeschränkt ist (2).


Alle Subgruppen profitieren

„Im Rahmen der NOVA-Studie wurden aufwändige Subgruppenanalysen durchgeführt, um Erkenntnisse darüber zu erlangen, welche Patientinnengruppen von einem PARP-Inhibitor profitieren“, so Grimm. Bei den 203 Frauen mit BRCA-Keimbahnmutation war das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) unter Niraparib mit 21,0 Monaten signifikant länger als unter Placebo mit 5,5 Monaten (HR=0,27; p<0,001). Das entspricht einer Reduktion des Progressions- oder Sterberisikos um 73%. „Wir sehen häufig bei PARP-Inhibitoren, dass die Kurve gegen Ende hin abflacht, d.h. dass wir gewisse Patientinnen haben, die extrem lange von dem PARP-Inhibitor profitieren“, kommentierte Grimm. Auch bei den 350 Frauen ohne BRCA-Keimbahnmutation wurde eine signifikante Verlängerung des medianen PFS beobachtet (9,3 Monate unter Niraparib vs. 3,9 Monate unter Placebo, HR=0,45; p<0,001). „Besonders spannend sind die Kurven zu den Subgruppenanalysen, wo man ebenfalls einen durchgängigen Effekt von Niraparib beobachten kann“, sagte Grimm. In der vorab definierten exploratorischen Analyse der Subgruppe der HRD-positiven Patientinnen, die eine somatische BRCA-Mutation aufwiesen (n=47), führte die Niraparib-Erhaltungstherapie vs. Placebo zu einer Verlängerung des medianen PFS von 11,0 auf 20,9 Monate und damit zu einer ähnlichen Reduktion des Progressionsrisikos wie in der Kohorte der 203 Frauen mit BRCA-Keimbahnmutation (HR=0,27). „Für das Ansprechen auf die PARP-Inhibitor-Therapie ist es relativ unerheblich, ob es sich um eine BRCA-Keimbahnmutation oder eine BRCA-Mutation im Tumorgewebe handelt“, kommentierte Grimm. Bemerkenswerterweise führte Niraparib in der exploratorischen Analyse der Subgruppe von 134 Patientinnen, bei denen keine BRCA-Mutation identifiziert wurde und die auch keine Defizienz der homologen Rekombination aufwiesen, ebenfalls zu einer signifikanten Verlängerung des PFS von 3,8 Monaten unter Placebo auf 6,9 Monate (p=0,0226). „Das ist die Gruppe von Frauen, von der wir am wenigsten annehmen würden, dass sie von einem PARP-Inhibitor profitieren, aber auch bei diesen Patientinnen sieht man einen Unterschied im medianen PFS.“
 
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