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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

16. Februar 2016 Radikale Resektion vs. Fortführung der Chemoradiotherapie als Boost bei Patienten mit resektablem NSCLC (IIIA/B) nach Induktionschemotherapie und Chemoradiotherapie*

Zwischen 2004 und 2013 wurden insgesamt 246 Patienten (medianes Alter 59 J., Bereich 33-74) mit histologisch gesichertem und potenziell resektablem nicht kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) im Stadium IIIA/B in die Studie eingeschlossen. Das mediane Follow up betrug 78 Monate.

Alle Patienten erhielten 3 Zyklen Induktionschemotherapie mit Cisplatin/Paclitaxel (Wdh. 3-wöchentlich) sowie im Anschluss eine neoadjuvante konkomitante hyperfraktionierte akzelerierte Chemoradiotherapie (2x 1,5 Gy/Tag) mit kumulativ 45,0 Gy und Cisplatin/Vinorelbin. 161 von den eingeschlossenen 246 Patienten wurden letztlich randomisiert zwischen der Fortführung der Chemoradiotherapie als Boost (Arm A, n=80) versus einer radikalen Resektion (Arm B, n=81). 

Mit einem 5-Jahres-Gesamtüberleben von 34,1% (alle 246 Patienten) in der Gesamtauswertung liegen historisch sehr gute Ergebnisse vor. Zwischen den beiden randomisierten untersuchten Armen zeigte sich kein signifikanter Unterschied (40% Arm A vs. 44% Arm B; p=0,34) bezüglich des 5-Jahres-Gesamtüberlebens. Im progressionsfreien 5-Jahres-Überleben liegt ebenfalls kein signifikanter Unterschied vor (35% Arm A vs. 32% Arm B; p=0,75). Die Therapieverträglichkeit und die Nebenwirkungsrate waren in beiden Behandlungsarmen vergleichbar.

*Eberhardt WEE et al. Phase III Study of Surgery Versus Definitive Concurrent Chemoradiotherapy Boost in Patients With Resectable Stage IIIA (N2) and Selected IIIB Non-Small-Cell Lung Cancer After Induction Chemotherapy and Concurrent Chemoradiotherapy (ESPATUE). J Clin Oncol 2015.

 

 

 

F. Manapov, MünchenTrimodale Therapie bei Patienten mit lokal-fortgeschrittenem NSCLC im Stadium IIIA/B


Kommentar von F. Manapov, Leiter der Arbeitsgruppe Lungenkarzinom, Klinik und Poliklinik für Radioonkologie LMU, München.


Beeindruckendes Ansprechen auf die Induktionstherapie und exzellentes Gesamtüberleben ohne Unterschied zwischen den beiden Behandlungsarmen.


Bei nahezu 30% aller NSCLC-Patienten liegt eine lokal fortgeschrittene Erkrankungssituation bzw. UICC-Stadium IIIA/B vor. In bisher publizierten Daten zeigte sich historisch für diese Patientenkohorte ein eingeschränktes 5-Jahres-Gesamtüberleben von ca. 10-25%. Die leitliniengerechte Therapie besteht zurzeit aus einer Induktionschemotherapie gefolgt von einer radikalen Resektion, einer primären radikalen Resektion mit adjuvanter sequenzieller Chemoradiotherapie oder einer primären definitiven konkurrenten Chemoradiotherapie.

In der aktuell publizierten multizentrischen Phase-III-Studie von Eberhardt et al. (2015) wurden insgesamt 246 potenziell resektable Patienten mit NSCLC im Stadium IIIA/B eingeschlossen. Von den 161 (65%) Patienten, welche in die Behandlungsarme Induktionschemo- und Chemoradiotherapie gefolgt von einem definitiven Chemoradiotherapie-Boost (Arm A) versus Induktionschemo- und Chemoradiotherapie gefolgt von radikaler Operation (Arm B) randomisiert wurden, lag bei über 60% ein UICC-Stadium IIIB vor. Dennoch zeigte sich im operativen Behandlungsarm eine historisch höchste Rate an pathologischen Komplettremissionen. Das 5-Jahres-Überleben war für die vorliegende Patientenkohorte exzellent mit 40% (Arm A: definitive Chemoradiotherapie) und 44% (Arm B: radikale Operation). Vergleichbare Langzeit-Ergebnisse lagen in bisher publizierten randomisierten Studien nicht vor. Jedoch konnte hier wie in der Intergroup-0139-Studie kein Überlebensvorteil für die radikale Operation gezeigt werden. 

 

Welche Aspekte der Durchführung der publizierten Studie benötigen besondere Aufmerksamkeit?

Die Durchführung multimodaler Therapien bei Patienten mit lokal-fortgeschrittenem NSCLC erfordert eine strenge multidisziplinäre Therapieführung mit hohen Erfahrungswerten des Behandlungsteams, eine gute Patientenselektion (kein relevanter Gewichtsverlust, Performance Status ECOG 0-1) sowie ein umfangreiches prätherapeutisches Staging (FDG-PET/CT und craniales MRT obligat, pathologische Sicherung der N2-Situation empfehlenswert). Dies stellte eine entscheidende Qualitätssicherung mit damit einhergehenden niedrigen Akuttoxizitätsraten, beeindruckender Therapiecompliance (92% komplettierten die Induktionstherapie) und sehr hoher Rate der kompletten Resektionen dar. Durch fehlende Therapieunterbrechungen wird eine hohe Dosisdichte der multimodalen Behandlung erzielt.

 

Welche Ergebnisse der Studie benötigen besondere Aufmerksamkeit?

Bereits nach durchgeführter multimodaler Induktionstherapie zeigten sich im Vergleich mit anderen randomisierten Studien (Intergroup-0139-, EORTC-08412- und SAKK-Studie) sehr hohe Raten an R0-Resektionen und pathologischen Komplettremissionen. Wie kann die im historischen Vergleich ungewöhnlich hohe Rate an pathologischen Komplettremissionen erklärt werden? Eine plausible Argumentation könnte lauten: Dosis-dichte Induktionschemotherapie gefolgt von einer intensivierten Chemoradiotherapie. Ist die Cisplatin-haltige Chemotherapie und Akzelerierung der thorakalen Bestrahlung die mögliche Ursache für eine optimale lokale Radiosensibilisierung und hervorragende systemische Kontrolle? Ergebnisse dieser randomisierter Studie erlauben uns, einen Zusammenhang zwischen beiden oben genannten Faktoren und der höchsten pathologischen Komplettremissionsrate und dem exzellenten Langzeitüberleben zu vermuten.


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