Freitag, 26. April 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

02. August 2017 Androgendeprivation plus Abirateron/Prednison beim metastasierten Hormon-sensitiven Prostatakarzinom

C.-H. Ohlmann, K. Miller, J. Gschwend.

Mit der Publikation der CHAARTED-Studie zur kombinierten Hormonchemotherapie hat sich die Therapie beim metastasierten, Hormon-sensitiven Prostatakarzinom (mHSPC) entscheidend verändert (1). Mit der Studie STAMPEDE wurde erstmalig ein Überlebensvorteil bei frühem Einsatz einer Docetaxel-basierten Chemotherapie berichtet (2). Infolgedessen wird die Kombination aus Androgendeprivation + Docetaxel (75mg/m2, 3-wöchentlich über 6 Zyklen) in der S3-Leitlinie Prostatakarzinom als Standardtherapie bei Patienten mit einem guten Allgemeinzustand (ECOG 0-1) empfohlen (3). Lediglich für Patienten, für die eine Docetaxel-basierte Chemotherapie nicht in Frage kommt, wird die alleinige, konventionelle Androgendeprivation empfohlen.
Anzeige:
Auf dem diesjährigen Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) wurden nun die Ergebnisse von 2 Studien zur Kombination aus Androgendeprivation (ADT) + Abirateron/Prednison beim mHSPC vorgestellt und zeitgleich im N Engl J Med publiziert (4, 5). In beiden Studien führt die Addition von Abirateron + Prednison (Abi/Pred) zur konventionellen ADT zu einer deutlichen Verlängerung des progressionsfreien und Gesamtüberlebens (Tab. 1).
 
Für den Arbeitskreis Onkologie (AKO) der DGU Für die Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie (AUO) der DKG
Prof. Dr. Kurt Miller, Vorsitzender
Prof. Dr. Peter Albers
Prim. Prof. Doz. Dr. Walter Albrecht
Prof. Dr. Frank vom Dorp
Prof. Dr. Jan Fichtner
Prof. Dr. Claus Fischer
Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm
Prof. Dr. Jürgen Gschwend
Prof. Dr. Oliver Hakenberg
Prof. Dr. Susanne Krege
Prof. Dr. Hubert Kübler
Prof. Dr. Markus Kuczyk
Prof. Dr. Gerd Lümmen
Prof. Dr. Axel Merseburger
Prof. Dr. Gerald Mikisch
Prof. Dr. Carsten-H. Ohlmann
Prof. Dr. Hans-Peter Schmid
Prof. Dr. Arnulf Stenzl
Prof. Dr. Thomas Steuber
Prof. Dr. Johannes Wolff
Prof. Dr. Jürgen Gschwend, Sprecher
Prof. Dr. Jens Bedke
Prof. Dr. Christian Doehn
Prof. Dr. Markus Graefen
Dr. Peter H. Gratzke
Prof. Dr. Peter Hammerer
Prof. Dr. Sabine Kliesch
Prof. Dr. Susanne Krege
Prof. Dr. Axel Merseburger
Prof. Dr. Carsten-H. Ohlmann
Priv-Doz. Dr. Chris Protzel
Prof. Dr. Margitta Retz
Prof. Dr. Mark Schrader
Prof. Dr. Michael Siebels
Prof. Dr. Thomas Steiner
Priv-Doz. Dr. Henrik Suttmann
Prof. Dr. Christian Wülfing



Stellungnahme des AKO und der AUO

Basierend auf den Ergebnissen der LATITUDE- und der STAMPEDE-Studie besteht eine ausreichende Evidenz (Level Ib), um eine Empfehlung zum kombinierten Einsatz von ADT und Abirateron/Prednison auszusprechen. Danach kann Patienten mit einem Hormon-sensitiven, metastasierten Prostatakarzinom alternativ zur Docetaxel-basierten Chemotherapie die Kombination aus ADT und Abirateron/Prednison angeboten werden. Dabei kommen für diese Kombinationstherapie auch Patienten in Frage, die keine Chemotherapie erhalten können. Eine weitergehende Differenzierung der Patienten ist aufgrund der unterschiedlichen Einschlusskriterien und Stratifizierung in den Studien nicht möglich. Darüber hinaus kann anhand der Datenlage nicht differenziert werden, welcher Patient eher von der Kombination aus ADT + Abi/Pred bzw. von ADT + Docetaxel profitiert. Für Patienten ohne ossäre oder viszerale Metastasen, die nur in STAMPEDE eingeschlossen wurden (46% M0N0 oder M0cN+), ist der absolute Gesamtüberlebensgewinn nach 40 Monaten Nachbeobachtungszeit noch sehr gering (8 Patienten weniger mit Kombinationstherapie verstorben), sodass die Empfehlung zur Kombinationstherapie aus klinischer Sicht hier nur mit Einschränkung gegeben werden kann.

Aufgrund der derzeit noch ausstehenden Zulassung von Abirateron für Patienten mit einem Hormon-sensitiven Prostatakarzinom stellt der Einsatz in dieser Indikation aktuell einen „Off-Label-Use“ dar, sodass im konkreten Fall bei der zuständigen Krankenkasse vor Therapiebeginn mit Hinweis auf die Studie eine Kostenübernahme einzuholen ist.

 
Tab. 1: Teilnehmende Studienzentren
  LATITUDE STAMPEDE
  ADT ADT + Abi   ADT ADT + Abi  
N 602 597   957 960  
medianes Follow-Up (Monate)     30,4     40
Therapie ADT ADT
Abirateron 1.000 mg
Prednison 5 mg
  ADT ADT
Abirateron 1.000 mg
Prednison 5 mg
 
Patientenkollektiv metastasiert, high risk
(2 von 3 der folgenden Faktoren):
- Gleason-Score ≥ 8
- ≥ 3 Läsionen im Knochenscan
- messbare viszerale Läsionen
- keine neuroendokrinen oder
kleinzelligen Tumoranteile
  neu diagnostiziert metastasiert (cN+ oder high risk)
high risk = ≥ 2 von: Stadium T3/4, PSA ≥ 40 ng/ml, Gleason 8-10 Rezidiv
nach vorheriger RP oder RT mit ≥ 1 der folgenden Aspekte:
- PSA ≥ 4 ng/ml und Anstieg mit Verdopplungszeit < 6 Monate oder
- PSA > 20 ng/ml oder
- Lymphknoten-positiv oder metastasiert
- oder < 12 Monate ADT mit > 12 Monate ohne Behandlung
medianes Gesamt-Überleben (Monate) 34,7 nicht erreicht HR=0,62; 95%-KI: 0,51-0,76; p<0,001 nicht erreicht nicht erreicht  
3-Jahres Gesamt-Überleben (%) 49% 66%   76% 83% HR=0,63; 95%-KI: 0,52-0,76; p<0,001
medianes radiographisch progressionsfreies Überleben (Monate) 14,8 33 HR=0,47; 95%-KI: 0,39-0,55; p<0,001      
3-Jahres progressionsfreies Überleben
(radiographischer, klinischer oder PSA-Progress oder Tod)
      62% 80% HR=0,40; 95%-KI: 0,34-0,47; p<0,001


 
Carsten-H. Ohlmann Prof. Dr. med. Carsten-H. Ohlmann

Klinik für Urologie und Kinderurologie
Universität des Saarlandes
Kirrerer Straße
66421 Homburg/Saar
E-Mail: carsten.ohlmann@uks.eu








 

Literatur:

(1) Sweeney C ESMO Congress 2016.
(2) James ND et al. Lancet 2016;387:1163-1177.
(3) DKG; Krebshilfe; AWMF (2016) Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms.
(4) Fizazi K et al. N Engl J Med 2017; doi: 10.1056/NEJMoa1704174.
(5) James ND et al. Engl J Med 2017; doi: 10.1056/NEJMoa1702900.


Das könnte Sie auch interessieren

Fortschritte durch hoch spezialisierte Medikamente

Analysenroboter, Hochleistungs-Computer, modernste Labore, Kreativität und enorme Forschungsgelder - es müssen viele Faktoren zusammenkommen, damit ein neues Medikament auf den Markt kommen kann. Die Suche nach neuen Wirkstoffen setzt bei der Krankheit an: Gibt es bestimmte Botenstoffe, Enzyme oder Hormone, die zum Beispiel bei einem bestimmten Tumor das Krebswachstum antreiben? Oder spielen bestimmte Strukturen auf der Zelloberfläche eine Rolle, sogenannte Rezeptoren,...

Übergewicht als Krebsrisiko

Übergewicht als Krebsrisiko
© Creativa Images / fotolia.com

Fettleibigkeit könnte bald dem Rauchen den ersten Rang als Hauptursache für Krebs ablaufen. Denn während die Anzahl der Krebserkrankungen aufgrund von Tabakkonsum in Deutschland stetig sinkt, nimmt die Zahl übergewichtiger Menschen mit Krebs statistisch gesehen zu. Auf die Entstehung aller Krebskrankheiten gerechnet hat die Fettleibigkeit einen Anteil von schätzungsweise 16%. Würden alle Menschen das Normalgewicht einhalten, könnten allein in Deutschland...

Biologie der Tumore besser verstehen, Fortschritte auch bei eher seltenen Krebserkrankungen

Fortschritte wurden in den vergangenen Jahren vor allem beim Brustkrebs, Darm- und Lungenkrebs und insbesondere bei den Lymphomen gemacht. Nun richtet sich das Augenmerk der Forscher verstärkt auf seltenere Tumore. Auch bei diesen mehren sich Berichte über Therapiefortschritte. Ein Paradebeispiel ist das maligne Melanom, der schwarze Hautkrebs. Das wurde bei dem diesjährigen weltgrößten Krebskongress in Chicago, dem ASCO, deutlich. "Wir stehen damit vor einer...

Starke Hilfe: 7,65 Millionen Euro für den Kampf gegen Leukämie

Starke Hilfe: 7,65 Millionen Euro für den Kampf gegen Leukämie
© RTimages / Fotolia.com

Die Mitgliederversammlung des José Carreras Leukämie-Stiftung e.V. beschließt eine Mittelauskehr für zahlreiche Forschungs- und Projekt-Förderungen. Der Geschäftsführende Vorstand Dr. Gabriele Kröner sagt dazu: „Leukämie muss heilbar werden. Immer und bei jedem. Dieses große Ziel unseres Initiator José Carreras streben wir mit der Förderung der medizinischen Forschung und Finanzierung von Infrastrukturprojekten an.“

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Androgendeprivation plus Abirateron/Prednison beim metastasierten Hormon-sensitiven Prostatakarzinom"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.