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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

02. August 2017 Androgendeprivation plus Abirateron/Prednison beim metastasierten Hormon-sensitiven Prostatakarzinom

C.-H. Ohlmann, K. Miller, J. Gschwend.

Mit der Publikation der CHAARTED-Studie zur kombinierten Hormonchemotherapie hat sich die Therapie beim metastasierten, Hormon-sensitiven Prostatakarzinom (mHSPC) entscheidend verändert (1). Mit der Studie STAMPEDE wurde erstmalig ein Überlebensvorteil bei frühem Einsatz einer Docetaxel-basierten Chemotherapie berichtet (2). Infolgedessen wird die Kombination aus Androgendeprivation + Docetaxel (75mg/m2, 3-wöchentlich über 6 Zyklen) in der S3-Leitlinie Prostatakarzinom als Standardtherapie bei Patienten mit einem guten Allgemeinzustand (ECOG 0-1) empfohlen (3). Lediglich für Patienten, für die eine Docetaxel-basierte Chemotherapie nicht in Frage kommt, wird die alleinige, konventionelle Androgendeprivation empfohlen.
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Fachinformation
Auf dem diesjährigen Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) wurden nun die Ergebnisse von 2 Studien zur Kombination aus Androgendeprivation (ADT) + Abirateron/Prednison beim mHSPC vorgestellt und zeitgleich im N Engl J Med publiziert (4, 5). In beiden Studien führt die Addition von Abirateron + Prednison (Abi/Pred) zur konventionellen ADT zu einer deutlichen Verlängerung des progressionsfreien und Gesamtüberlebens (Tab. 1).
 
Für den Arbeitskreis Onkologie (AKO) der DGU Für die Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie (AUO) der DKG
Prof. Dr. Kurt Miller, Vorsitzender
Prof. Dr. Peter Albers
Prim. Prof. Doz. Dr. Walter Albrecht
Prof. Dr. Frank vom Dorp
Prof. Dr. Jan Fichtner
Prof. Dr. Claus Fischer
Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm
Prof. Dr. Jürgen Gschwend
Prof. Dr. Oliver Hakenberg
Prof. Dr. Susanne Krege
Prof. Dr. Hubert Kübler
Prof. Dr. Markus Kuczyk
Prof. Dr. Gerd Lümmen
Prof. Dr. Axel Merseburger
Prof. Dr. Gerald Mikisch
Prof. Dr. Carsten-H. Ohlmann
Prof. Dr. Hans-Peter Schmid
Prof. Dr. Arnulf Stenzl
Prof. Dr. Thomas Steuber
Prof. Dr. Johannes Wolff
Prof. Dr. Jürgen Gschwend, Sprecher
Prof. Dr. Jens Bedke
Prof. Dr. Christian Doehn
Prof. Dr. Markus Graefen
Dr. Peter H. Gratzke
Prof. Dr. Peter Hammerer
Prof. Dr. Sabine Kliesch
Prof. Dr. Susanne Krege
Prof. Dr. Axel Merseburger
Prof. Dr. Carsten-H. Ohlmann
Priv-Doz. Dr. Chris Protzel
Prof. Dr. Margitta Retz
Prof. Dr. Mark Schrader
Prof. Dr. Michael Siebels
Prof. Dr. Thomas Steiner
Priv-Doz. Dr. Henrik Suttmann
Prof. Dr. Christian Wülfing



Stellungnahme des AKO und der AUO

Basierend auf den Ergebnissen der LATITUDE- und der STAMPEDE-Studie besteht eine ausreichende Evidenz (Level Ib), um eine Empfehlung zum kombinierten Einsatz von ADT und Abirateron/Prednison auszusprechen. Danach kann Patienten mit einem Hormon-sensitiven, metastasierten Prostatakarzinom alternativ zur Docetaxel-basierten Chemotherapie die Kombination aus ADT und Abirateron/Prednison angeboten werden. Dabei kommen für diese Kombinationstherapie auch Patienten in Frage, die keine Chemotherapie erhalten können. Eine weitergehende Differenzierung der Patienten ist aufgrund der unterschiedlichen Einschlusskriterien und Stratifizierung in den Studien nicht möglich. Darüber hinaus kann anhand der Datenlage nicht differenziert werden, welcher Patient eher von der Kombination aus ADT + Abi/Pred bzw. von ADT + Docetaxel profitiert. Für Patienten ohne ossäre oder viszerale Metastasen, die nur in STAMPEDE eingeschlossen wurden (46% M0N0 oder M0cN+), ist der absolute Gesamtüberlebensgewinn nach 40 Monaten Nachbeobachtungszeit noch sehr gering (8 Patienten weniger mit Kombinationstherapie verstorben), sodass die Empfehlung zur Kombinationstherapie aus klinischer Sicht hier nur mit Einschränkung gegeben werden kann.

Aufgrund der derzeit noch ausstehenden Zulassung von Abirateron für Patienten mit einem Hormon-sensitiven Prostatakarzinom stellt der Einsatz in dieser Indikation aktuell einen „Off-Label-Use“ dar, sodass im konkreten Fall bei der zuständigen Krankenkasse vor Therapiebeginn mit Hinweis auf die Studie eine Kostenübernahme einzuholen ist.

 
Tab. 1: Teilnehmende Studienzentren
  LATITUDE STAMPEDE
  ADT ADT + Abi   ADT ADT + Abi  
N 602 597   957 960  
medianes Follow-Up (Monate)     30,4     40
Therapie ADT ADT
Abirateron 1.000 mg
Prednison 5 mg
  ADT ADT
Abirateron 1.000 mg
Prednison 5 mg
 
Patientenkollektiv metastasiert, high risk
(2 von 3 der folgenden Faktoren):
- Gleason-Score ≥ 8
- ≥ 3 Läsionen im Knochenscan
- messbare viszerale Läsionen
- keine neuroendokrinen oder
kleinzelligen Tumoranteile
  neu diagnostiziert metastasiert (cN+ oder high risk)
high risk = ≥ 2 von: Stadium T3/4, PSA ≥ 40 ng/ml, Gleason 8-10 Rezidiv
nach vorheriger RP oder RT mit ≥ 1 der folgenden Aspekte:
- PSA ≥ 4 ng/ml und Anstieg mit Verdopplungszeit < 6 Monate oder
- PSA > 20 ng/ml oder
- Lymphknoten-positiv oder metastasiert
- oder < 12 Monate ADT mit > 12 Monate ohne Behandlung
medianes Gesamt-Überleben (Monate) 34,7 nicht erreicht HR=0,62; 95%-KI: 0,51-0,76; p<0,001 nicht erreicht nicht erreicht  
3-Jahres Gesamt-Überleben (%) 49% 66%   76% 83% HR=0,63; 95%-KI: 0,52-0,76; p<0,001
medianes radiographisch progressionsfreies Überleben (Monate) 14,8 33 HR=0,47; 95%-KI: 0,39-0,55; p<0,001      
3-Jahres progressionsfreies Überleben
(radiographischer, klinischer oder PSA-Progress oder Tod)
      62% 80% HR=0,40; 95%-KI: 0,34-0,47; p<0,001


 
Carsten-H. Ohlmann Prof. Dr. med. Carsten-H. Ohlmann

Klinik für Urologie und Kinderurologie
Universität des Saarlandes
Kirrerer Straße
66421 Homburg/Saar
E-Mail: carsten.ohlmann@uks.eu








 

Literatur:

(1) Sweeney C ESMO Congress 2016.
(2) James ND et al. Lancet 2016;387:1163-1177.
(3) DKG; Krebshilfe; AWMF (2016) Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms.
(4) Fizazi K et al. N Engl J Med 2017; doi: 10.1056/NEJMoa1704174.
(5) James ND et al. Engl J Med 2017; doi: 10.1056/NEJMoa1702900.


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