Sonntag, 27. September 2020
Navigation öffnen

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

15. November 2019
Seite 1/3
Aktuelle Therapie beim Pankreaskarzinom

H. Algül1, V. Heinemann2, S. Böck2, H. Friess3, M. Fuchs4, N. C. Nüssler5, F. Roeder6, J. Werner7, R. Abbassi1, S. Lorenzen8. 1II Medizinische Klinik, Abteilung für Gastroenterologie, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, 2Medizinische Klinik und Poliklinik III, Klinikum der Universität München, Campus Großhadern, 3Klinik und Poliklinik für Chirurgie, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, 4Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Gastroenterologische Onkologie, Städtisches Klinikum München Bogenhausen, 5Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, endokrine Chirurgie und Coloproktologie, Städtisches Klinikum München Neuperlach, 6Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, Klinikum der Universität München, Campus Großhadern, 7Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Thoraxchirurgie, Klinikum der Universität München, Campus Großhadern, 8III. Medizinische Klinik, Abteilung für Hämatologie und Onkologie, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München

Die Behandlung von Patienten mit Pankreaskarzinom stellt nach wir vor eine große Herausforderung dar. Die Prognose der Patienten ist mit 5-Jahres-Überlebensraten von < 10% schlecht (1). Den derzeit bestmöglichen Behandlungserfolg bei nicht metastasierten Tumoren versprechen multimodale Ansätze, die chemotherapeutische Strategien, interventionelle Methoden, strahlentherapeutische Behandlungen und die Chirurgie miteinander vereinen, betonten Experten aus München, die zu einem Round-Table-Gespräch zusammenkamen. Vertreten waren die Fachbereiche Onkologie, Chirurgie und Strahlentherapie.
Anzeige:
Fachinformation
Das Pankreaskarzinom zählt zu den tödlichsten Tumorerkrankungen, die wir kennen. Obwohl die Häufigkeit der Neuerkrankungen stetig zunimmt, konnten bis heute trotz intensivster Bemühungen nur geringe Fortschritte in Diagnostik und Therapie erzielt werden. Gegenwärtig zeichnet sich jedoch eine Entwicklung ab, in deren Rahmen unter Etablierung multimodaler Therapieansätze, welche chemotherapeutische, interventionelle, strahlentherapeutische und chirurgische Methoden miteinander vereinen, zunehmend Behandlungserfolge verzeichnet werden können. Diese bieten die Möglichkeit, die Prognose des Pankreaskarzinoms zu verbessern. Neoadjuvante Konzepte können zu einer Verbesserung des operativen Ergebnisses führen und auch in fortgeschrittenen Krankheitsstadien einen kurativen Therapieansatz ermöglichen. In der adjuvanten Therapie kann durch die Verwendung neuer Chemotherapie-Regime die Wahrscheinlichkeit für einen Langzeiterfolg deutlich gesteigert werden und in der palliativen Therapie ist durch neue sequenzielle Therapieansätze eine Prognoseverbesserung möglich.
 

Suche nach der bestmöglichen Behandlungsstrategie
 
Das Adenokarzinom des Pankreas gehört zu den Malignomen mit der höchsten krebsspezifischen Mortalität. Die Fortschritte in der Diagnostik und Therapie des Pankreaskarzinoms haben bisher nur in kleinen Subgruppen zu einer Senkung der Sterblichkeit geführt (1). Behandlung und Prognose des Pankreaskarzinoms sind abhängig vom Krankheitsstadium bei der Erstdiagnose (1, 2). Beim lokal begrenzten Pankreaskarzinom steht die Operation an erster Stelle, wobei eine adjuvante Chemotherapie die Überlebensraten verbessert (1). Als adjuvanter Behandlungsstandard gilt ein modifiziertes FOLFIRINOX-Schema, das im Hinblick auf das Überleben der resezierten Patienten einer adjuvanten Therapie mit Gemcitabin überlegen ist, aber auch mit einer erhöhten Toxizität einhergeht (1, 2).
 

Bedeutung der neoadjuvanten Therapie
 
Auf der Basis verschiedener aktueller Studien, etwa der holländischen PREOPANC-Studie, die den Stellenwert einer neoadjuvanten Therapie mit Gemcitabin-Radiotherapie bei einer Mischgruppe aus resektablen/borderline-resektablen Tumoren untersuchte (3), wird derzeit keine Evidenz für den Einsatz einer neoadjuvanten Behandlung bei Patienten mit primär resektablen Tumoren gesehen. Eine neoadjuvante Behandlung bei diesen Patienten sollte deshalb im Rahmen von Studien erfolgen. Bei Patienten mit primär operablen Tumoren ist die primäre Resektion mit adjuvanter Chemotherapie weiterhin als Standard anzusehen. Eine geringfügig bessere Studienlage besteht für eine neoadjuvante Behandlung bei Patienten mit primär borderline oder nicht resektablen, lokal fortgeschrittenen Tumoren, auch wenn hier bisher keine abschließende Evidenz für ein solches Vorgehen vorliegt und der Einsatz im Rahmen von Studien erfolgen sollte. Allerdings wird bereits in vielen Kliniken eine neoadjuvante „Induktionsbehandlung“ mit FOLFIRINOX durchgeführt, um die Resektabilität des Tumors zu erhöhen und im Idealfall eine R0-Resektion zu erreichen.
 
Einige Experten vertreten die Meinung, dass sich der Trend zur neoadjuvanten Vorbehandlung in den nächsten Jahren möglicherweise auch auf die Patienten mit primär resektablen Tumoren ausweiten könnte, um die Wahrscheinlichkeit einer R0-Resektion bei diesen Patienten zu erhöhen. Hier sind jedoch weitere Studien notwendig. Einigkeit besteht darin, dass Patienten mit borderline/lokal fortgeschrittenen Tumoren, die auf die neoadjuvante Therapie ansprechen, also mind. eine Krankheitsstabilisierung zeigen, einer explorativen Laparotomie zugeführt werden sollten. Bei Patienten in gutem Allgemeinzustand (ECOG-Performance-Status (PS) 1-2), insbesondere bei Patienten mit ungünstigem Risikoprofil, sollte, sofern möglich, das FOLFIRINOX-Schema, zumindest in modifizierter Form, nach einer Resektion adjuvant für 4 bis 6 Monate weitergeführt werden. In jedem Fall sollten die Patienten über insgesamt mind. 6 Monate lang eine Systemtherapie erhalten.
 
 
Vorherige Seite

Anzeige:
Fachinformation

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Aktuelle Therapie beim Pankreaskarzinom"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab