Mittwoch, 23. September 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

25. Juli 2020
Seite 1/4
Standardtherapie und aktuelle Daten des ASCO-Kongresses 2020: Systemtherapie des Harnblasenkarzinoms

M. Haas, J. Breyer, Klinik für Urologie der Universität Regensburg, Caritas-Krankenhaus St. Josef, Regensburg.

Therapiestandard in der Systemtherapie des muskelinvasiven Harnblasenkarzinoms (MIBC) und des fortgeschrittenen/metastasierten Harnblasenkarzinoms war lange Zeit eine Cisplatin-basierte Polychemotherapie. In den letzten Jahren konnten sich Immuncheckpoint-Inhibitoren (CI) als Therapiealternative bei Cisplatin-ungeeigneten Patienten und in der Therapiesequenz etablieren. Auf dem diesjährigen ASCO-Kongress wurden die aktuellen Studiendaten und neue Therapieansätze präsentiert, die künftig die Therapie des Harnblasenkarzinoms maßgeblich beeinflussen könnten.
Anzeige:

Neoadjuvante Therapie beim nicht-metastasierten MIBC

 
Die radikale Zystektomie stellt bis zum heutigen Tag den Goldstandard in der Therapie des muskelinvasiven, nicht-metastasierten Urothelkarzinoms der Harnblase dar. Bei der Frage nach der Bedeutung einer Therapieverzögerung auf die Progressionsrate konnten mehrere systematische Reviews zeigen, dass ein verlängertes Zeitintervall zwischen Diagnosestellung und radikaler Zystektomie mit einer schlechteren Überlebensrate der Patienten einhergeht. Allgemein wird ein Zeitraum von bis zu 3 Monaten zwischen Diagnosestellung und Therapiebeginn als vertretbar angesehen, wenngleich einzelne Arbeiten bereits eine Therapieverzögerung von mehr als einem Monat als unabhängigen Risikofaktor für eine erhöhte Sterblichkeit identifizieren konnten (1-5).
 
Als Wirksubstanzen finden im neoadjuvanten Setting Cisplatin-haltige Polychemotherapien Verwendung, wobei aufgrund des günstigeren Nebenwirkungsprofils primär Gemcitabin/Cisplatin (Gem/Cis) anstelle des MVAC-Schemas (Methotrexat, Vinblastin, Adriamycin, Cisplatin) verabreicht wird. Ein unauffälliges Zwischen-Staging nach 2 Zyklen vorausgesetzt, werden in Abhängigkeit der verwendeten Substanz zwischen 3 (MVAC) und 4 (Gem/Cis) Zyklen Chemotherapie appliziert (6).

Hinsichtlich der Gesamtmortalität konnte ein Vorteil von rund 9% nach 5 Jahren für eine neoadjuvante Kombinationschemotherapie im Vergleich zur alleinigen lokalen Therapie (radikale Zystektomie/Radiatio) bei einer relativen Risikoreduktion von 22% gezeigt werden (7). Verlässliche prädiktive Marker zur Beurteilung der Wirksamkeit einer (neo)adjuvanten Chemotherapie stehen aktuell für den klinischen Alltag noch nicht zur Verfügung und konnten bislang nur an kleinen Patientenkohorten (n=22) validiert werden (8, 9). Nachdem jedoch der Effekt der Systemtherapie mit steigender Tumorgröße zunimmt, sollte die Durchführung einer neoadjuvanten Therapie insbesondere bei Patienten mit fortgeschrittenem Lokalbefund (≥ pT3) diskutiert werden (7).

Ein pathologisches Ansprechen auf die neoadjuvante Chemotherapie ist ein Prädiktor für ein besseres Outcome. Ravi et al. präsentierten hierzu auf dem ASCO-Kongress 2020 Daten einer Multicenter-Analyse. Ein Ansprechen auf die neoadjuvante Chemotherapie im Sinne eines Stadiums < ypT2N0 in der radikalen Zystektomie war mit einem rezidivfreien Überleben (RFS) von 87% nach 5 Jahren verbunden, wobei Patienten mit Komplettremission (CR) verglichen mit Patienten mit pTa/pT1-Residuum ein signifikant besseres Überleben (OS) aufwiesen (10).
 
Die Rolle einer neoadjuvanten CI-Therapie wird aktuell in mehreren prospektiven Studien untersucht. Hierzu präsentierten van Dijk et al. erste Ergebnisse der NABUCCO-Studie, einer Kombinationstherapie aus Nivolumab (PD-1-Inhibitor) und Ipilimumab (CTLA-4-Antikörper) im neoadjuvanten Setting. Von 24 Patienten zeigten lediglich 2 ein Rezidiv nach 15,9 Monaten Nachbeobachtung (11).
 
In der Phase-1b/2-Studie GU14-888 zeigte die Kombination aus Pembrolizumab mit Gem/Cis ein pathologisches Stadium ≤ ypT1N0 bei 61% und eine CR (ypT0) bei 44% der eingeschlossenen Patienten (12). Auch für Cisplatin-ungeeignete Patienten scheint eine Kombinationstherapie aus Gemcitabin und Pembrolizumab vielversprechend (≤ ypT1N0: 52%, ypT0: 45%) (13).
 
Die Kombination aus CI und Cisplatin-haltiger Chemotherapie könnte das Outcome der Patienten entscheidend verbessern und neuer Standard werden. Mit Spannung werden die Ergebnisse der aktuell laufenden Phase-III-Studien erwartet.
 
Vorherige Seite

Anzeige:
Pflichttext

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Standardtherapie und aktuelle Daten des ASCO-Kongresses 2020: Systemtherapie des Harnblasenkarzinoms"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab