Mittwoch, 19. Juni 2019
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Die Chronische Myeloische Leukämie (CML) auf einen Blick

Die Chronische Myeloische Leukämie (CML) ist eine myeloproliferative Neoplasie, charakterisiert durch eine Überproduktion von pluripotenten hämatopoetischen Stammzellen. Jährlich erkranken weltweit etwa 1,5/100.000 Einwohner, meist im Alter von 55-60 Jahren, an CML. In Deutschland beläuft sich die Zahl der Neuerkrankungen auf etwa 1.200 Menschen pro Jahr.

Das kennzeichnende Merkmal der CML ist eine reziproke chromosomale Translokation zwischen den Chromosomen 9 und 22, t(9; 22) (q34; q11), die zytogenetisch als Philadelphia (Ph) Chromosom sichtbar wird. Durch diese Translokation wird das Gen der Abelson(ABL)-Tyrosinkinase mit dem Gen der Breakpoint Cluster Region (BCR) verbunden und das Fusionsprotein BCR-ABL, mit konstitutiver Tyrosinkinase-Aktivität, das für die maligne Transformation der betroffenen hämatopoetischen Stammzelle verantwortlich ist, entsteht (1).
 
Die Diagnose der Erkrankung wird fast immer in der chronischen Phase gestellt. Nach der chronischen Phase erfolgt ein Übergang in die mehrmonatige akzelerierte Phase, die schließlich in einer Blastenkrise endet, einer in wenigen Wochen tödlich verlaufenden akuten Leukämie (2).
 
Zu Beginn verläuft die Erkrankung meist asymptomatisch. Typische Symptome sind Abgeschlagenheit, Schwäche, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Knochenschmerzen oder Oberbauchbeschwerden verursacht durch eine Splenomegalie.
 
In der CML-Therapie haben Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) die Prognose tiefgreifend verbessert und bleiben das Aushängeschild molekularer, zielgerichteter Therapien.
Derzeit laufende Studien untersuchen, ob auch nach dem Absetzen der Therapie, ein anhaltendes molekulares Ansprechen (MR, molecular response) aufrecht erhalten werden kann (3). Die Ergebnisse zeigen, dass über die Hälfte der Patienten, die unter Therapie ein tiefes molekulares Ansprechen erzielten, mindestens 48 Wochen nach der Beendigung Therapie eine anhaltende therapiefreie Remission (TFR, treatment-free remission) aufrechterhalten konnten.
 
Das molekulare Monitoring der Krankheit erfolgt z.B. durch die digitale PCR, die eine sehr genaue Bestimmung der MR, einschließlich der Abstufungen gutes molekulares Ansprechen (major molecular response, MMR; BCR -ABLIS ≤ 0,1%) und tiefes molekulares Ansprechen MR4 (BCR-ABLIS ≤ 0,01%) und MR4,5  (BCR-ABLIS ≤ 0,0032%) erlaubt (4).
 
Neue Entwicklungen auf dem Gebiet der CML können Sie immer aktuell auf www.journalonko.de nachlesen.

Literatur:

1. Ali MA: Chronic Myeloid Leukemia in the Era of Tyrosine Kinase Inhibitors: An Evolving Paradigm of Molecularly Targeted Therapy. Mol Diagn Ther. 2016;20(4):315-33. doi: 10.1007/s40291-016-0208-1.
2. Melo JV, Barnes DJ: Chronic myeloid leukaemia as a model of disease evolution in human cancer. Nature reviews Cancer 2007;7:441-53. DOI:10.1038/nrc2147
3. Saußele S et al. The concept of treatment-free remission in chronic myeloid leukemia. Leukemia. 2016 Jun 3. doi: 10.1038/leu.2016.115. (Epub ahead of print) Review.
4. Baccarani M et al.: European LeukemiaNet recommendations for the management of chronic myeloid leukemia: 2013. Blood 2013; 122(6):872-882.

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