Tiergestützte Therapie in der Onkologie
Prof. Dr. med. Michael Schündeln und Dr. med. vet. Astrid HeinlKrebskranke Kinder und Jugendliche erfahren mit der Diagnose Krebs oft einen abrupten Verlust an Autonomie und sozialer Teilhabe. Genau hier setzt die tiergestützte Therapie an. Am Universitätsklinikum Essen besuchen Therapiehunde wie Retriever Flip und bald auch Zwergspitz Coco regelmäßig die pädiatrische Onkologiestation. Prof. Dr. med. Michael Schündeln, stellvertretender Klinikdirektor und Facharzt für pädiatrische Hämatologie und Onkologie, schildert in unserem Podcast, wie eine Schlittenhundefreizeit mit Langzeitüberlebenden in Schweden ihn vor rund zwölf Jahren zur Idee bewog, Therapiehunde bereits in der Akutbehandlung einzusetzen.
Hygiene, Hürden und ein eingespieltes Team
Die Umsetzung erforderte jahrelange Überzeugungsarbeit: Immunsupprimierte Patient:innen, fehlende Leitlinien für die Akutphase und föderale Unterschiede in den Hygienekonzepten stellten erhebliche Hürden dar. Erst eine breite Koalition aus Krankenhaushygiene, Mikrobiologie und Pädiatrie ermöglichte den Start des Programms. Die Sitzungen, korrekterweise als „tiergestützte Aktivitäten" bezeichnet, dauern 20 bis 40 Minuten, finden etwa zweimal wöchentlich statt und folgen keinem starren Ablauf. Entscheidend sind neben der sorgfältigen Auswahl und Ausbildung der Hunde auch das eingespieltes Mensch-Hund-Team sowie die formelle Zustimmung der Eltern.
Von der Einzelbeobachtung zur multizentrischen Studie
Die beobachteten Effekte sind bemerkenswert: Weniger Stress, größere Therapiebereitschaft und gestärkte Selbstwirksamkeit – besonders bei Jugendlichen, die sich sonst oft vollständig zurückziehen. Eine aktuelle deutschlandweite Umfrage zeigt, dass bislang nur 9 von rund 60 pädiatrisch-onkologischen Kliniken Therapiehunde einsetzen, obwohl viele weitere Interesse bekunden. Prof. Schündl und sein Netzwerk arbeiten daher auf eine multizentrischen Studie und einheitliche Standards hin. Langfristig lautet das Ziel, tiergestützte Therapie aus der Spendenfinanzierung in die Regelversorgung zu überführen.
Hören Sie rein!
Das sind die Highlights dieser Folge
(Minuten:Sekunden)
05:10 Schlittenhunde-Freizeit als Initialzündung für die Idee
08:14 Hygiene und Infektionsschutz bei immunsupprimierten Patienten
12:39 Welche Hunde sind geeignet? Rassen, Temperament und Grundvoraussetzungen
16:34 Ausbildung von Therapiehund und Hundeführer-Team
20:54 Psychische und emotionale Effekte der tiergestützten Therapie
22:49 Ablauf einer typischen Therapiesitzung
26:16 Umgang mit Hundephobie oder Unsicherheit vor der Therapiesitzung
29:57 Wann wird der Hund eingesetzt?
32:09 Welche Patient:innen profitieren am meisten?
35:03 Wieviele Kliniken in Deutschland und europaweit bieten Sitzungen mit Therapiehunden an?
40:25 Therapiekatzen und komplementäre Ansätze
43:00 Tiergestützte Therapie bei Erwachsenen und in der Palliativmedizin
Shownotes zur Podcastfolge „Tiergestützte Therapie in der Onkologie“
O-Ton Onkologie – der Podcast für Mediziner:innen
Dieser Podcast ist eine Kooperation zwischen dem JOURNAL ONKOLOGIE und der Medical Tribune Onkologie · Hämatologie. Neue Folgen gibt es alle 14 Tage mittwochs.
Sie sind interessiert an noch mehr Fachwissen? Abonnieren Sie unseren Podcast:
Diese Podcast-Staffel wird ermöglicht durch Fortimel – medizinische Trinknahrung. Wir danken unserem Partner für die Unterstützung der Produktion dieses Audio-Formats. Unsere Sponsoring-Partner haben keinen Einfluss auf die Inhalte.
Quelle:JOURNAL ONKOLOGIE / Medical Tribune Onkologie · Hämatologie