Journal Onkologie
Medizin
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Wie Krebszellen dem programmierten Zelltod entkommen

Im gesunden Körper werden geschädigte oder nicht mehr benötigte Zellen gezielt beseitigt. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Apoptose, der programmierte Zelltod. „Ein komplexes molekulares Programm sorgt dafür, dass sich Zellen kontrolliert selbst zerstören, wenn sie nicht mehr gebraucht werden oder schwere Schäden aufweisen. Krebszellen können diesen Mechanismus umgehen und so ihr Überleben sichern, selbst dann, wenn sie genetisch geschädigt sind oder durch eine Therapie angegriffen werden“, beschreibt Philipp Jost, Universitätsprofessor für Onkologie an der Med Uni Graz, die Besonderheit von Tumorzellen.

Venetoclax als klinisch etabliertes Beispiel

Dass sich dieser Mechanismus auch therapeutisch nutzen lässt, zeigt der Wirkstoff Venetoclax. Er blockiert das Überlebensprotein BCL-2 und kann dadurch bei bestimmten Blutkrebserkrankungen den programmierten Zelltod der Krebszellen auslösen. Der Ansatz ist heute klinisch etabliert. Doch Tumorzellen verfügen über mehrere Möglichkeiten, dem programmierten Zelltod zu entkommen. Neben der Apoptose rücken deshalb weitere Formen des Zelltods wie Nekroptose, Pyroptose und Ferroptose in den Fokus der Forschung.

Molekulare Abhängigkeiten als therapeutischer Angriffspunkt

Tumorzellen verfügen über unterschiedliche Schutzmechanismen, die sie vor dem programmierten Zelltod bewahren. Welche davon für ihr Überleben entscheidend sind, hängt unter anderem von ihren genetischen Eigenschaften ab. Genau diese Abhängigkeiten könnten künftig gezielt zur Therapie von Krebserkrankungen eingesetzt werden. „Die entscheidende Frage dabei ist, was genau diesen Tumor am Leben erhält. Wenn wir diese Abhängigkeit kennen, können wir gezielt versuchen, seinen Schutz vor dem Zelltod zu durchbrechen“, erklärt Philipp Jost.

Ferroptose als vielversprechender, noch experimenteller Ansatz

Ein besonders spannender Ansatz ist die Ferroptose. Bei dieser Form des Zelltods führen Veränderungen im Eisen- und Fettstoffwechsel zu einer schädlichen Oxidation der Zellmembran. Das Enzym GPX4 schützt Zellen normalerweise davor. Bestimmte Tumoren könnten besonders stark auf diesen Schutz angewiesen sein. Wird der Schutzmechanismus blockiert, kann in experimentellen Modellen der Zelltod der Tumorzellen ausgelöst werden. Noch ist dieser Ansatz klinisch nicht etabliert. Er zeigt aber, wohin die Forschung geht. Tumoren sollen nicht nur nach ihrem Ursprungsorgan, sondern zunehmend nach ihren individuellen molekularen Abhängigkeiten behandelt werden.

Identifikation vulnerabler Tumoren als nächster Forschungsschritt

Noch ist die gezielte Auslösung von Ferroptose keine etablierte Krebstherapie. Entscheidend ist zunächst, jene Tumoren zu identifizieren, die tatsächlich von bestimmten Schutzmechanismen abhängig sind, und gleichzeitig gesundes Gewebe zu schonen. Genau hier setzt die moderne Krebsforschung an. Einzelzellanalysen, Omics-Verfahren und CRISPR-basierte Screens ermöglichen es, die individuellen Überlebensstrategien von Tumorzellen immer genauer zu entschlüsseln. „Wenn wir diese molekulare Abhängigkeit kennen, können wir gezielt nach einer therapeutischen Schwachstelle suchen“, so Philipp Jost. Die langfristige Perspektive ist eine stärker personalisierte Krebstherapie. Nicht jede Krebszelle soll auf dieselbe Weise angegriffen werden. Stattdessen könnte die molekulare Grundlage eines Tumors künftig mitentscheiden, welcher Zelltodweg therapeutisch aktiviert oder welche Überlebensstrategie blockiert werden sollte.

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Quelle:

Medizinischen Universität Graz

Literatur:

(1)

Conrad M. et al. Cell death in cancer, Cell. 189, 8, p. 2322–2356 35 p, DOI: 10.1016/j.cell.2026.03.024.

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