Tovorafenib bei rezidiviertem pädiatrischem Gliom in der EU zugelassen
Die Europäische Kommission hat eine bedingte Marktzulassung für Tovorafenib als Monotherapie erteilt. Die Therapie ist zugelassen für Patient:innen ab sechs Monaten mit pädiatrischem niedrig-gradig malignem Gliom (pLGG) mit einer BRAF-Fusion oder -Umlagerung oder einer BRAF-V600-Mutation, die nach ein oder mehreren systemischen Therapien progredient sind [1]. Die Entscheidung der Europäischen Kommission gilt für alle 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie für Island, Liechtenstein und Norwegen.
Hohe Krankheitslast bei niedrig-gradig malignem Gliom
In der EU werden jährlich mehr als 800 Kinder mit einem BRAF-alterierten pädiatrischen niedrig-gradig malignem Gliom diagnostiziert [2]. Wenngleich dieser Hirntumor als niedrig-gradig (langsam progredient) klassifiziert wird, ist er mit einer erheblichen lebenslangen Krankheitslast verbunden. Häufig führt er zu schweren körperlichen und neurologischen Beeinträchtigungen, darunter Sehverlust, Sprachstörungen und motorische Dysfunktionen, die die schulische Entwicklung, Selbstständigkeit und Lebensqualität der betroffenen Kinder langfristig und deutlich beeinträchtigen können [3]. Bislang mussten viele Kinder mit pLGG invasive chirurgische Eingriffe, mehrere Chemotherapie-Linien sowie Strahlentherapie durchlaufen, was häufig mit zusätzlichen gesundheitlichen Komplikationen einherging [4].
Hohe Ansprechraten in der FIREFLY-1-Studie
Die Zulassung basiert auf Daten der zulassungsrelevanten Phase-II-Studie FIREFLY-1, in der Tovorafenib (Ojemda®) bei 137 Kindern und jungen Erwachsenen mit rezidiviertem oder refraktärem BRAF-alterierten pLGG untersucht wurde, die zuvor mindestens eine systemische Therapie erhalten hatten [5]. Die Studie zeigte hohe Ansprechraten und klinischen Benefit: Gesamtansprechrate von 71% gemäß den RANO-HGG-Kriterien (Response Assessment in Neuro-Oncology for High-Grade Glioma) und 53% gemäß den RAPNO-LGG-Kriterien (Response Assessment in Pediatric Neuro-Oncology for Low-Grade Glioma) [1, 6].
Basierend auf den RAPNO-LGG-Kriterien lag die mediane Zeit bis zum Ansprechen bei 5,4 Monaten, bei einer medianen Ansprechdauer von 18,0 Monaten [1, 6].
Handhabbares Sicherheitsprofil und einfache Anwendung
Tovorafenib war insgesamt gut verträglich. Die behandlungsbedingten unerwünschten Ereignisse (TRAEs) waren überwiegend von Grad eins oder zwei, bei einer niedrigen Therapieabbruchrate (sieben Prozent der Patient:innen beendeten die Behandlung aufgrund prüfärztlich als Tovorafenib-bedingt eingeschätzter Ereignisse) [5]. Die häufigsten TRAEs waren Veränderungen der Haarfarbe, erhöhte Kreatinphosphokinase im Blut, Fatigue, Anämie, Erbrechen, Hypophosphatämie, Kopfschmerzen, makulo-papulöser Hautausschlag, Fieber, Wachstumsverzögerung und trockene Haut [1]. Die einmal wöchentliche orale Gabe erfolgt unabhängig von den Mahlzeiten, als Flüssigkeit oder Tablette, wodurch der Alltag der betroffenen Familien möglichst wenig beeinträchtigt wird [1].
Ambulante Behandlung mit zielgerichteter Therapie ermöglicht
„Kinder, die von einem niedrig-gradigen Gliom betroffen sind, haben begrenzte Behandlungsmöglichkeiten, insbesondere für die häufigste Form der Erkrankung (BRAF-KIAA1549), und wenn es zu einem Rückfall nach einer Standardtherapie gekommen ist„, sagt Prof. Dr. med. Olaf Witt, Direktor am Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg, Sektionsleiter für Hirntumore der Klinik für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie am Universitätsklinikum Heidelberg und Deutschen Krebsforschungszentrum. „Die Zulassung einer zielgerichteten Therapie wie die mit Tovorafenib stellt einen großen Fortschritt dar und ermöglicht die ambulante Behandlung dieser Kinder, bei der eine Teilhabe an Kindergarten und Schulbesuch möglich ist.“
Erstes Arzneimittel im neuen EU-Bewertungsverfahren
Die EU-Verordnung zur Bewertung von Gesundheitstechnologien (Health Technology Assessment, HTA), deren Einführung im Januar 2025 begonnen hat, etablierte ein neues Verfahren zur Evidenzgenerierung für die gemeinsame klinische Bewertung (Joint Clinical Assessment, JCA) auf europäischer Ebene. Dadurch wird die vergleichende klinische Evidenzbewertung in den EU-Mitgliedstaaten harmonisiert. Ojemda® ist das erste Arzneimittel, das dieses neue JCA-Verfahren durchlaufen hat.
Quelle:Ipsen
Literatur:
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Fachinformationen Ojemda® (Tabletten und Suspension zum Einnehmen), Stand: April 2026.