Quercetin bremst Lungenkrebszellen an mehreren Stellen gleichzeitig
Quercetin steckt in Zitrusfrüchten, Zwiebeln und Buchweizen und ist für seine entzündungshemmenden Eigenschaften bekannt. Nun haben Forschende am Universitätsklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) untersucht, wie der Pflanzenstoff bei Lungenkrebs helfen könnte. Im Labor zeigte sich, dass Quercetin die Teilung von Lungenkrebszellen bremst und ihre Wanderung fast vollständig stoppt [1].
Quercetin bei Lungenkrebs: Angriff an mehreren Stellen gleichzeitig
Lungenkrebs ist weltweit die häufigste Krebsart – an keiner anderen Krebserkrankung sterben mehr Menschen. Zwar gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, sie wirken jedoch nicht bei allen Erkrankten. Forschende der Abteilung für Molekulare Pneumologie des Universitätsklinikums Erlangen haben nun gezeigt, dass Quercetin an mehreren Stellen auf Lungenkrebszellen wirkt.
„Viele Medikamente gegen Lungenkrebs richten sich gegen ein einzelnes Molekül“, erklärt Prof. Dr. Susetta Finotto. „Quercetin hat in unseren Versuchen dagegen an mehreren Stellen gleichzeitig angegriffen.“ Für die Studie untersuchten die Forschenden die Wirkung von Quercetin an Lungenkrebszellen im Labor, an Lungenschnitten von Mäusen und an lebenden Mäusen.
Verlangsamte Zellteilung und reduzierter oxidativer Stress
Quercetin führte in den Versuchen dazu, dass sich die Tumorzellen langsamer teilen. Bei einer der beiden untersuchten Arten von Lungenkrebszellen verringerte der Pflanzenstoff zudem den oxidativen Stress: Dieser entsteht, wenn aggressive Sauerstoffverbindungen die Zellen belasten. Das wiederum kann dazu führen, dass Krebs entsteht.
Dosisabhängige Hemmung der Zellwanderung durch Quercetin
Besonders deutlich wirkte Quercetin auf die Wanderung der Krebszellen – eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sie Metastasen bilden. „Je höher die Quercetin-Dosis war, desto weniger Krebszellen sind gewandert. Bei der höchsten Dosis stoppte die Wanderung fast vollständig“, berichtet Christine Carvalho, Erstautorin der Studie.
Rückgang von EGFR und PD-L1 auf Tumorzellen
Quercetin wirkte auf Proteine, die für das Tumorwachstum und die Immunabwehr wichtig sind. Auf den untersuchten Krebszellen ging die Menge von EGFR und PD-L1 zurück. EGFR nimmt Wachstumssignale auf und leitet sie ins Innere der Zelle. PD-L1 kann Krebszellen helfen, sich vor der körpereigenen Immunabwehr zu verstecken.
Wirkung auf Immunsystem und Darmmikrobiom
Eine Wirkung auf das Immunsystem zeigte sich zudem in den Lungenschnitten von Mäusen: Quercetin erhöhte die Menge von Interferon-alpha-2. Dieser Botenstoff unterstützt das Immunsystem dabei, Tumore abzuwehren. „Bei den Mäusen, die Quercetin erhielten, veränderte sich auch das Darmmikrobiom“, erklärt Prof. Susetta Finotto. „Bakterien, die bestimmte kurzkettige Fettsäuren bilden, kamen häufiger vor.“ Diese Fettsäuren gelangen über das Blut vom Darm in die Lunge und können dort das Wachstum von Krebszellen hemmen.
Weniger Tumorherde im Mausmodell
Im Mausmodell fanden die Forschenden Hinweise auf weniger Tumorherde unter Quercetin. Da jedoch nur wenige Tiere einen Tumor entwickelten, sind weitere Untersuchungen nötig, um das Ergebnis zu bestätigen. Auch ob sich die Effekte auf Menschen übertragen lassen, ist offen.
„Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass eine quercetinreiche Ernährung die Behandlung bei Lungenkrebs unterstützen kann„, sagt Prof. Susetta Finotto. „Wir halten es auch für möglich, dass Quercetin vorbeugend wirkt. Das wollen wir als Nächstes untersuchen.“
Quelle:Universitätsklinikum Erlangen
Literatur:
- (1)
Carvalho C. et al. Immunoregulatory role of quercetin in lung cancer“, Cell Death Discovery, 14. September 2026, DOI: 10.1038/s41420-026-03312-7